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Duderstadt „Ich bin gespannt, wie das Publikum reagiert“
Die Region Duderstadt „Ich bin gespannt, wie das Publikum reagiert“
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19:39 05.06.2012
Heiterer Spot zum ernsten Thema: Schauspieler und Publikum sehen zum ersten Mal den Schutzengelfilm. Quelle: Thiele
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Der Öffentlichkeit wird das Produkt monatelanger Arbeit einer professionellen Crew von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) mit Duderstädter Laienschauspielern (Tageblatt berichtete) in einem deutlich größeren Rahmen präsentiert, nämlich beim Maffay-Konzert am 7. Juli.

Wehmut klang bei den jungen Schauspielern mit. „Schade, dass das Team jetzt nicht mehr so oft zusammen ist. Der Dreh war einfach toll, das würde ich jederzeit wieder machen“, sagte Kristina Gepfner, und auch Schauspieler-Kollegin Franziska Domeier bestätigte: „Das war ein Riesenspaß, der Film ist jetzt nur das Sahnehäubchen einer tollen Zeit.“ Und Hayk Arakelyan verriet grinsend: „Wir mussten Dinge tun, die wir sonst nicht machen. Ich habe mich vorher noch nie geschminkt gesehen.“ Maren Ballhausen sprach vor der Premiere allen aus der Seele: „Ich bin gespannt, wie das Publikum reagiert.“ Auch die Schauspieler hatten das Endprodukt noch nicht gesehen. Zur Vorstellung geladen hatten der Duderstädter Schutzengelverein, das Polizeikommissariat Duderstadt und der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt als Verantwortliche für das Projekt. Zur Vorpremiere erschienen die Filmcrew, die Schauspieler mit Angehörigen, Vertreter der Stadt Duderstadt, Partner und Sponsoren, das Eichsfelder Jugendnetzwerk und alle Beteiligten und Helfer. Kinobetreiber Roy Kleinecke stellte dazu sein Filmcenter zur Verfügung.

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Vom Casting bis zum Film

Gezeigt wurde zunächst eine Collage aus Fotos und Filmsequenzen zum Thema: Vom Casting bis zum Film. Diesen Part hatten die beiden Bundespolizisten Kai von Roden und Jürgen Haupt zusammengestellt. Der Soundtrack, der Rapsong „Lass mich dein Schutzengel sein“, stammt vom Hauptdarsteller Fabian Hartmann. Crew-Mitglied Jan Schametat, der bereits das Casting mit durchgeführt hatte, sagte dazu: „Wirklich alle dieser Darsteller gehören zur Crème de la Crème der Duderstädter Schauspielszene. Das hätte ich vorher nie gedacht.“ Dann kam der große Moment, der Vorhang öffnete sich zum Kurzfilm „Ich bin dein Schutzengel“, der junge Autofahrer darauf aufmerksam machen soll, nicht betrunken zu fahren. Die Story: In der Disco wird geflirtet, und einer der jungen Männer will alkoholisiert ans Steuer. Sein kaffeetrinkender Freund (und Schutzengel) will ihn davon abbringen – und greift zu einer überraschenden Methode. Das Publikum quietscht vor Vergnügen.

„Hier soll ein witziger Spot die Botschaft rüberbringen. Wir wollten keinen Film, wo jemand im Leichensack endet“, erklärte Klaus Kunstmann als Vorsitzender des Schutzengelvereins. Polizist Dierk Falkenhagen, der das ganze Film-Projekt zur Unterstützung der Präventionsarbeit maßgeblich in die Wege geleitet hatte, erläuterte: „Wir wollten die Jugendlichen so darstellen, dass sie sich selbst in der Story wiederfinden. Der Film sollte eine typische Wochenendsituation zeigen.“ Der Duderstädter Polizeichef Otto Moneke ergänzte: „Die Polizei will durch den Film im Präventionsbereich schwere Unfälle verhindern.“

Making of bringt Publikum zum Lachen

Und schließlich wurde es noch richtig witzig im Kino: Das Making of wurde gezeigt und verriet einiges über die Hintergründe beim Dreh, über Stunts und kleine Hindernisse und über den riesigen Aufwand, der auch bei einem professionell gedrehten Kurzfilm betrieben wurde. Publikum, Schauspieler und Crew amüsierten sich prächtig, als auch kleine Geheimnisse gelüftet wurden, beispielsweise wie die Pinkelszene im Klo gedreht wurde.

„Aber es war nicht immer so lustig, es war auch hart“, betonte Falkenhagen mit einem Augenzwinkern. Regisseur Roland Bader bestätigte: „Bei dem Dreh gab es eine Menge Herausforderungen. Das Making of haben wir mit produziert, damit wir auch für all die Akteure, die im Film nicht zu sehen sind, eine bleibende Erinnerung schaffen. Die Message ist, zu zeigen, was man im Rahmen von Duderstadt 2020 mit allen Beteiligten zusammen schaffen kann.“ Tief beeindruckt von dem Resultat zeigte sich auch Hans-Henry Wieczorek als Geschäftsführer des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: „Dieses Projekt ist sensationell. Ich werde das verbreiten.“ Und Karsten Ley als Pressesprecher der Firma Otto Bock, deren Chef Hans Georg Näder Duderstadt 2020 erst auf den Weg gebracht hatte, ergänzte: „Bei Otto Bock haben wir oft mit Menschen zu tun, die bei einem Unfall Gliedmaßen verloren haben. Der Film kann viel zur Prävention beitragen und junge Fahrer erreichen.“

Gefeiert wurde die Vorpremiere schließlich in der Duderstädter Musikwerkstatt, die als authentischer Drehort für den Schutzengelfilm diente. Und wer wissen will, warum alkoholisierte Fahrwillige in Zukunft „Schnuckimaus“ heißen, sollte auf keinen Fall die öffentliche Premiere beim Peter-Maffay-Konzert in Duderstadt auf der Marktstraße verpassen. Gezeigt wird der Film ab dem 8. Juli aber auch mindestens ein Jahr lang im Duderstädter und im Worbiser Kino.

Von Claudia Nachtwey

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Schwere Scheinwerfer werden um die Tanzfläche der Duderstädter Musikwerkstatt positioniert. Im hinteren Bereich der Discothek sitzen etwa 20 Jugendliche auf rustikalen Bänken und warten. Polizist Dierk Falkenhagen, einer der Verantwortlichen für dieses Projekt, blickt nervös auf die Uhr – die angehenden Kosmetikerinnen der Berufsbildenden Schulen (BBS) Duderstadt hatten zwar ihre Beteiligung fest zugesagt, aber sie erscheinen nicht.

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