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Duderstadt Im Obernfelder Heimatmuseum ist der Wurm drin
Die Region Duderstadt Im Obernfelder Heimatmuseum ist der Wurm drin
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21:57 04.07.2013
Da ist der Wurm drin: Schädlinge in Obernfelder Ausstellungsstücken. Quelle: Lüder
Obernfeld

Ihnen soll jetzt der Garaus gemacht werden.

„Anobium punctatum“ nenne sich der kleine Übeltäter, berichtet Silvia Engelhardt, die im Rahmen ihres Bürgerarbeitsplatzes das Obernfelder Heimatmuseum verwaltet. „Die Larven dieses Nagekäfers fressen sich durch das Holz. Man sieht sie nicht, aber man kann zum Beispiel an den Ausfluglöchern im Holz erkennen, dass sie aktiv waren“, berichtet Engelhardt. Die „chemische Keule“ soll im Kampf gegen die Kleintiere aber nicht zum Einsatz kommen. Mit einem schonenden Verfahren soll eine Materialschutzfirma aus Lauf an der Pegnitz, die bereits eine erfolgreiche Schädlingsbekämpfung in der Wallfahrtskapelle Höherberg durchgeführt hat, den Tieren zu Leibe rücken.

Sauerstoffgehalt von unter zwei Prozent

Für die ungebetenen Museumsbesucher wird jetzt eine Art Zeltlager aufgebaut. Es soll die letzte Reise ihres kurzen Lebens werden. Mitsamt ihren Behausungen – das heißt, allen hölzernen Exponaten – werden sie auf  zirka zwanzig Quadratmeter große Folienbahnen abgestellt, die demnächst zu einer luftdichten Kammer verschlossen werden sollen. In der sogenannten „Einhausung“ – einer Stickstoffatmosphäre mit einem maximalen Sauerstoffgehalt von unter zwei Prozent – dürfen die Insekten dann die nächsten acht Wochen in sechs verschiedenen Zelten ihre letzten Bissen verspeisen bevor die Schädlinge dem Erstickungstod erliegen. Um die Begasung erfolgreich durchzuführen, müssen allerdings mindestens zwanzig Grad Raumtemperatur herrschen. „Vielleicht müssen wir noch etwas zuheizen“, überlegt Engelhardt.

Möglich gemacht hat das Projekt ein Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, das  die Rettung der Obernfelder Exponate mit 14 000 Euro unterstützt. Dafür sei die ehemalige Ministerin Johanna Wanka (CDU) sogar selbst ins Heimatmuseum gekommen, und habe sich persönlich von der Notwendigkeit des Erhalts der Ausstellungsstücke überzeugt, so Obernfelds Bürgermeister Karl-Bernd Wüstefeld (CDU). Auch die Sparkassenstiftung Untereichsfeld leiste dazu einen Beitrag.

Digitalisierung aller historischen Gegenstände

Einen bescheidenen Beitrag haben neben Gemeindearbeiter Eugen Mende, Fördervereinsvorsitzendem Georg Kopp und den Bürgerarbeitern Silvia Engelhardt und Hermann-Josef Schwedhelm auch die Obernfelder Jugendlichen Jan Wüstefeld (16), David Ehbrecht (16), Peter Maletzki (19) und Elias Käsehagen (16) geleistet. Sie packten beim Zusammentragen der Ausstellungsstücke kräftig mit an. „Wir wollten gerne etwas Gutes für die Gemeinde tun“, sagt Ehbrecht auch stellvertretend für seine hilfsbereiten Freunde.

Gleichzeitig mit der Schädlingsbekämpfungsaktion wird von der Museumsverwaltung eine Digitalisierung aller historischen Gegenstände durchgeführt. Alle Fotos und Informationen werden Anfang 2014 auf der Internetpräsenz des Niedersächsischen Kulturerbeportals zu sehen sein.

Von Anna Kleimann

► Das Heimatmuseum Obernfeld bleibt voraussichtlich noch bis zum 15. September 2013 geschlossen. Das Kulturerbeportal ist im Internet unter kulturerbe.niedersachsen.de zu finden.

Sind aktiv für das Heimatmuseum (v.l.n.r.): Wüstefeld, Schwedhelm, Maletzki, Kopp, Wüstefeld, Ehbrecht und Engelhardt.