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Duderstadt Im weißen Turm von Fuhrbach
Die Region Duderstadt Im weißen Turm von Fuhrbach
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19:54 18.07.2011
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Vom Duderstädter Stadtrand fährt man fünf Kilometer nach Osten durch sanft gewelltes grünes Land mit wunderschönen Weitblicken. Dann lugt der Ort Fuhrbach aus dem Talgrund, dicht an der Grenze zu Thüringen. Bald schon erblickt man den weißen Glockenturm von St. Pankratius im Ortszentrum, ein Stück höher gelegen als die Durchfahrtsstraße Richtung Brochthausen.

Drei Glocken hängen in diesem Turm, der erst 1956 errichtet worden ist. Gebaut hat ihn der Fuhrbacher Baumeister Wilhelm Baumann. Vorher waren zwei Glocken auf einem hölzernen Glockenstuhl zu ebener Erde untergebracht, der auf einem Backsteinsockel stand. Das Holzgehäuse aber war reparaturanfällig, wie Tassilo Bitzan in einer Chronik vermerkt.

Zwei der drei Glocken stammen aus der Glockengießerei Ulrich & Weule. Diese Firma existierte seit 1918, ein vorübergehender Zusammenschluss der Glockengießerei Weule aus Bockenem mit der Gießerei Ulrich aus Apolda. Sie war spezialisiert auf Eisenhartgussglocken, die sogenannten Klanggussglocken. Die kleinste, mit der Inschrift „St. Pankratius“ dem Schutzpatron zugeordnet, wiegt 415 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 100 Zentimetern. Sie hat den Schlagton h’. Die mittelgroße Glocke, (Durchmesser 120 Zentimeter, Gewicht 724 Kilogramm) mit dem Schlagton gis’ trägt die Inschrift „Dem Gedächtnis unserer Gefallenen / Fuhrbach 1914–1918“. Diese beiden Glocken wurden 1923 gegossen und 1956 durch Firma Otto in Hemelingen überarbeitet. Die größte (830 Kilogramm, 129 Zentimeter Durchmesser) mit dem Schlagton fis’ ist „Dem Gedächtnis unserer Kriegsopfer / Fuhrbach 1939 – 1945“ gewidmet. Gegenüber dieser Widmung ist die Inschrift „St. Maria ora pro nobis“ (Heilige Maria, bitte für uns) zu lesen. Die Glocke wurde 1961 in Bockenem gegossen, die Firma Weule existierte nicht mehr, sie war 1954 von der Firma Wilhelmshütte in Bornum übernommen worden. Klanggussglocken sind leider ziemlich korrosionsanfällig, das kann man deutlich sehen.

Der heutige Kirchenbau wurde 1873 bis 1876 in neuromanischem Stil nach dem Entwurf des Hildesheimer Architekten Anton Algermissen errichtet. Algermissen, im August 1932 91-jährig gestorben, hat auch die St. Laurentiuskirche in Langenhagen und die Wallfahrtskirche in Germershausen entworfen, dazu das Regierungsgebäude in seiner Geburtsstadt Hildesheim. Drei Vorgängerkirchen lassen sich 1300, 1379 und 1575 datieren, so die Information auf einer Tafel an der Außenmauer der Kirche. Zum ihrem Inventar gehört eine kleine Kostbarkeit, ein knapp 15 Zentimeter hoher vergoldeter Silberkelch mit der Inschrift „ihesvs“ in gotischen Minuskeln, der vermutlich dem zweiten Kirchenbau zuzuordnen ist: Er stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Erwähnt ist dieser Kelch im niedersächsischen Inschriftenverzeichnis. Die Orgel baute die Duderstädter Orgelbaufirma Krell in den Jahren 1895/96. Musikalisch aktiv in der Kirche ist der Frauenchor St. Pankratius Fuhrbach, der zurzeit von Sascha Richter geleitet wird.
In der kommenden Woche: die Glocken der Kirche St. Georg in Nesselröden.

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Von Michael Schäfer