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Duderstadt Immingeröder ziehen am Sonnabend zum Bußgang aus
Die Region Duderstadt Immingeröder ziehen am Sonnabend zum Bußgang aus
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15:35 24.09.2019
Während der Prozession gehen die Immingeröder zuerst zur Klus am Friedhof. Diakon Gerhard Blank und Marie-Theres Rathswohl vom Kirchengemeinderat hoffen auf rege Teilnahme. Quelle: Tobias Christ
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Immingerode

Es ist Tradition: Seit mehr als 300 Jahren danken die Immingeröder mit einer Prozession Gott für die überstandene Pestepidemie in dem kleinen Ort bei Duderstadt. Auch in diesem Jahr ziehen die Gläubigen am Tag des Heiligen Matthäus, Sonnabend, 28. September, um 17 Uhr wieder nach dem Gottesdienst in der Kirche los. Der Weg führt zur Klus, zum Kriegerehrenmal, dann zur Pfarrwiese und zurück zur Kirche.

Ein Dorf steht zusammen

„Wir wollen der nachfolgenden Generation vor Augen führen, wie wichtig es ist, wenn ein Dorf zusammensteht“, sagt Diakon Gerhard Blan. Es müsse Bewusstsein geschaffen werden, meint er. Die Geschichte der Pest-Prozession ist folgende: Als Ende des 17. Jahrhunderts die Pest in Immingerode wütete, vernahm eine Frau einen Ruf, als sie Gott bat, Erbarmen zu zeigen. Die Stimme sagte, sie solle eine Prozession durch den Ort veranstalten, niemand dürfe Zuhause bleiben. Und als die Bußgänger diesen Weg einschlugen, verschwand die tödliche Krankheit. Aus Dankbarkeit erbauten die Dorfbewohner an der Stelle, wo die Frau den himmlischen Ruf vernommen hatte, eine Kapelle – die Klus. Dort wurde das Kruzifix, dass beim Bußgang vorangetragen wurde, aufgestellt.

Tradition setzt nur einmal aus

„Die Klus wurde errichtet zum Dank nach der überstandenen Pest. Es wurde gelobt, jährlich eine Prozession zu halten“, erläutert Marie-Theres Rathswohl vom Kirchengemeinderat. Es sollten alle daran teilnehmen, zumindest aber ein Mitglied jeder Familie. „Diese Tradition wurde noch nie unterbrochen“, fügt Blank hinzu. Nur einmal, im Zweiten Weltkrieg, setzte sie aus. Und: „Wenn wir es hinkriegen, die Menschen mit kirchlichen Ansinnen zusammenzuholen, haben wir gewonnen.“ Es soll ein Bußgang sein, aber auch ein Gang der Gemeinschaft.

Die historisch größte Bedeutung hat die kleine Kapelle, die zunächst angesteuert wird. In der Klus, also an dem Ort, an der die Frau vor mehr als 300 Jahren Gott um Hilfe bat, hängt das Kreuz aus der alten Kirche, eingerahmt von zwei Figuren von Zacharias und Elisabeth, den Eltern des Kirchenpatrons Johannes dem Täufer. Die Figuren sind aber keine Originale: „Es sind Nachbildungen, die Originale wurden vor Jahren gestohlen“, sagt Rathswohl. Und auch die Kapelle ist nicht mehr die Alte: Im Jahr 2000 zerstörte eine Windhose das Gebäude.

Lila Blumenschmuck

Geschmückt werden die einzelnen Stationen mit lilanen Blumen und Altardecken, denn „lila ist das Zeichen der Buße in der Kirche“. Das Unheil solle somit auch in Zukunft von Immingerode ferngehalten werden. „Jesus steht über uns, wacht über uns“, sagt Blank. Und obwohl die Pest mittlerweile nicht mehr wütet, gebe es andere Gefahren. Der Zustand der Welt bereitet Blank Sorgen. „Die Entwicklung ist nicht gut“, meint er, vor allem die Jugend sei teilweise vom Weg abgekommen. Gefahren gebe es weiterhin, sie kommen nur nicht mehr in Form der Pest. „Irgendwo müssen wir in Notsituationen Kraft herbekommen“, sagt Blank. Zuspruch, Gemeinschaft und Gottvertrauen seien deswegen wichtig.

Während der Prozession wird die Monstranz mit dem Allerheiligsten mitgeführt, an jeder Station gibt es einen Segen. Es werden Lieder gesungen, zudem gibt es nach alten Ritualen Lesungen und Fürbitten an den Altaren. Früher ging die Prozession einmal durch das ganze Dorf, mittlerweile wird ein kürzerer Weg eingeschlagen. Sie und Diakon Blank würden sich freuen, wenn die Prozession gut besucht werde. „Wir wollen zeigen, dass wir gern in Immingerode wohnen. Außerdem soll die Feier zum Nachdenken anregen“, sagt Rathswohl.

Die Geschichte der Immingeröder Klus

Die Klus wurde 1683 zum Dank für die überstandene Pest-Epidemie erbaut. Wieviele Leben die Krankheit forderte, lässt sich nicht mehr feststellen, denn Eintragungen im Kirchenbuch gibt es darüber keine. Der Ort, an dem die Klus steht, ist der, an dem laut der Eichsfelder Sage eine Frau Gott anflehte, die Pest enden zu lassen. Sie vernahm eine Stimme, die ihr riet, eine Prozession durchzuführen, an der jeder Einwohner teilnehmen solle. Dies tat sie – und die Immingeröder folgen der Tradition auch heute noch, immer am Matthäustag nach dem 21. September. An dem Altargebäude sind zwei Jahreszahlen angebracht: 1683 und 1745. Vermutlich wurde sie zu diesem Zeitpunkt erneuert. Schwere Sturmböen ließen im Jahr 2000 eine riesige Linde umstürzen, die die Klus zerstörte. Einige Jahre zuvor hatten Mitglieder des Ortsrates erst eine Renovierung abgeschlossen. Und auch diesmal bewies die Dorfgemeinschaft Solidarität, sammelte Spenden und baute die Klus schließlich wieder auf.

Von Tobias Christ

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