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Duderstadt Frau ausgeraubt und Pflegedienst-Kunden bestohlen
Die Region Duderstadt Frau ausgeraubt und Pflegedienst-Kunden bestohlen
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17:01 08.05.2018
Quelle: dpa
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Duderstadt/Göttingen

Das Amtsgericht Duderstadt hatte den 29-Jährigen wegen dieser Delikte im Juli vergangenen Jahres zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Die Berufungskammer des Landgerichts Göttingen hob das Urteil auf und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung an die große Strafkammer des Göttinger Landgerichts.

Laut Anklage soll der 29-Jährige Anfang 2016 eine Frau auf einem Fußweg in Duderstadt überfallen und ihr die Handtasche entrissen haben. In der Handtasche befanden sich 570 Euro und ein Mobiltelefon. Die Frau hatte sich gegen den Angreifer zu wehren versucht und war dabei zu Boden gestürzt. Sie erlitt dabei erhebliche Verletzungen, unter anderem eine Fraktur des Kreuzbeins und des Fersenbeins sowie eine Stauchung der Halswirbelsäule. Auch ein Finger war gebrochen.

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Einige Tage zuvor soll sich der Angeklagte mit seiner damaligen Freundin nachts in das Wohnhaus eines pflegebedürftigen Mannes in Duderstadt geschlichen und dort drei Geldkassetten entwendet haben. Die Freundin soll durch ihre Tätigkeit bei einem Pflegedienst über die Türschlüssel verfügt haben. Der Angeklagte soll zudem mehrere Überweisungsträger des Mannes benutzt und mit Hilfe gefälschter Unterschriften 5000 Euro von dessen Konto abgebucht haben.

Wie schon im ersten Prozess vor dem Amtsgericht Duderstadt räumte der Angeklagte auch im zweiten Prozess vor dem Landgericht Göttingen die Vorwürfe im Wesentlichen ein. Seinen Angaben zufolge hatte die Pflegedienst-Mitarbeiterin, die inzwischen in einem gesonderten Verfahren verurteilt wurde, einen nicht unwesentlichen Tatbeitrag geleistet. Seine Freundin habe ihm damals erzählt, dass sie einen älteren Herrn betreue, der „extrem wohlhabend“ sei. Sie habe ihm Fotos von der Wohnungseinrichtung geschickt und auch den Schrank gezeigt, in dem sich die Geldkassetten befanden: „Sie wusste, wo alles stand.“ Außerdem habe sie die Überweisungsträger unterschrieben, mit denen das Geld vom Konto des Pflegedienst-Kunden abgebucht wurde.

Nach Angaben des Angeklagten war er durch seine damalige Freundin auch wieder in Kontakt mit Drogen gekommen. Diese habe ein „akutes Drogenproblem“ gehabt. In der Folgezeit habe er dann regelmäßig Cannabis und Amphetamine konsumiert. Später sei er in die Drogengeschäfte seines Dealers eingestiegen und habe als „Läufer“ und „Verteiler“ die örtliche Szene beliefert. Auch die angeklagten Taten hätten dazu gedient, seinen Drogenkonsum zu finanzieren.

Zu Beginn der Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter Patrick Gerberding den rechtlichen Hinweis erteilt, dass möglicherweise auch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht komme. Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte dem Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Eigenschaften. Der 29-Jährige habe einen Hang zu psychotropen Substanzen. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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