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Duderstadt Interview mit Hobby-Ornithologe Franz-Josef Lange aus Rüdershausen
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18:02 30.10.2013
Es muss nicht immer das Vogelfutter aus dem Geschäft sein, sagt Franz-Josef Lange: Er wird auch in diesem Jahr wieder Äpfel aus dem eigenen Garten auslegen. Quelle: Thiele
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Herr Lange, wann sollte mit der Vogelfütterung begonnen werden?
Normalerweise beginnt man, wenn die Winterzeit anbricht, also ab November. Aber es bleibt jedem selbst überlassen, wann er anfängt. Bis März kann dann gefüttert werden, besonders bei Frost und Schnee.

Wie notwendig ist es eigentlich, Vögel im Herbst und Winter zu füttern?
Das Füttern ist eigentlich nicht lebensnotwendig. Meist schaffen die Tiere es im Winter alleine. Sie nutzen die Futterstellen, aber sie sind kein Grund, um zu bleiben. Bei richtigen Extremsituationen ist die Winterfütterung eine tolle Überbrückung. Wenn es gar nicht geht, fliegen  die Vögel aber trotzdem ins Warme. Eigentlich geht es vor allem um die Vogelbeobachtung aus nächster Nähe. Man lernt die Arten kennen, und gerade für Kinder ist das toll.

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Worauf muss der Kunde beim Kauf von Vogelfutter achten?
Sonnenblumenkerne sind das Basisfutter und werden von fast allen Vögeln gefressen. Daneben gibt es diverse Mischungen, die unterschiedliche Arten anlocken. Gerade wenn Schnee liegt, sind Äpfel und anderes Fallobst gut geeignet. Aus Hygienegründen sollte man kein Brot verwenden, das wird schnell schlecht, und keine salzige Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln.

Wie sorgt man für ausreichende Hygiene am Futterhaus?
Täglich die Futterstelle abbürsten. Die Weichfresser machen mehr Dreck als Körnerfresser. Da wischt man am besten mit einer großen Bürste dort, wo sich der Kot sammelt. Und lieber die Futterstelle jeden Tag nachfüllen und die Tiere erst einmal auffressen lassen, damit das Futter nicht verdirbt.

Welche Plätze eignen sich für Futterstellen?
Es dürfen sich keine Katzen anschleichen können. Das Futter sollte man darum mindestens drei Meter von Sträuchern und möglichen Verstecken entfernt aufhängen. Greifvögel kann man allerdings nicht abwehren, die finden ihren Weg. Auf dem Erdboden füttert man eigentlich nicht.

Erinnern sich die Vögel an die Futterplätze vom Vorjahr?
Aber hundertprozentig. Vögel haben ein sehr gutes Ortsgedächtnis.

Kann es da schon mal Streit geben?
Ja, da kann es richtig Zoff geben. Stare sind meist die Gewinner. Aber auch das Rotkehlchen ist sehr aggressiv. Manchmal kommt auch ein Buntspecht, der sitzt eher am Stamm. Das lässt sich alles beobachten.

Lockt das Futter auch andere Tiere an, Ratten zum Beispiel?
Es könnte höchstens sein, dass Eichhörnchen kommen. Und solange ein Eichhörnchen den Futterplatz blockiert, kommen keine Vögel. Aber es gibt Vorrichtungen, die die Tiere vom Vogelfutter fernhalten.

Wird heute mehr gefüttert als früher?
Ja. Vogelbeobachtung ist in den englischsprachigen Ländern schon lange attraktiv, seit ein paar Jahren wächst auch hierzulande das Interesse. Ich renne oft offene Türen ein.

Ist das eine gute Sache?
Je mehr Leute beobachten, desto mehr Vögel werden geschützt. Man schützt das, was man kennt. Und auch Laien können Trends beobachten, erkennen, welche Arten im letzten Jahr stärker vertreten waren.

Was spricht denn gegen eine Vogelfütterung?
Die Kritiker weisen auf die erhöhte Infektionsgefahr hin, wobei sie im Winter nicht ganz so groß ist. Vor allem bei Tauperioden muss man dafür sorgen, dass der Futterplatz sauber ist.