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Duderstadt Jacobi: „Die Wahrheit ist nun einmal bitter“
Die Region Duderstadt Jacobi: „Die Wahrheit ist nun einmal bitter“
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06:18 16.03.2012
Von Kuno Mahnkopf
Wird von allen Generationen genutzt: Das Rhumspringer Hallenbad soll Ende März geschlossen werden.
Wird von allen Generationen genutzt: Das Rhumspringer Hallenbad soll Ende März geschlossen werden. Quelle: Blank
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Rhumspringe

„Hier haben wir alle das Schwimmen gelernt, jetzt wird unser schönes Schwimmbad entfernt.“ In einem Pulk von Kindern mit Protestplakaten hat Astrid Meise Bürgermeister Franz Jacobi (CDU) vor der Rhumspringer Gemeindeverwaltung am Montag 703 Unterschriften gegen die Schließung des kommunalen Hallenbades zum Monatsende übergeben. Im Gespräch mit Jacobi machten Meise und weitere Eltern, die auch schon eine Demo durchs Dorf organisiert hatten, ihrer Enttäuschung über die unpopuläre Ratsentscheidung Luft.

Kritik übten Meise und ihre Mitstreiterinnen, die mit der Unterschriftenaktion ein Zeichen setzen wollten, an der Informationspolitik der Gemeinde: „Wir fühlen uns überrumpelt.“ Schon vor Jahren, als es noch Geld gab, hätten Investitionen getätigt, Förderprogramme ausgeschöpft werden müssen, monierten die Mütter, die auch eine weitere Anhebung der Eintrittspreise gebilligt hätten. Für den Straßenbau sei schließlich auch viel Geld vorhanden. Mit dem Verlust des stets in einem Zug mit Kindergarten und Schule genannten Vorzeigeobjektes Hallenbad blute der Dorfkern weiter aus: „Wenn hier nichts mehr ist, können wir den Laden dichtmachen. Da hilft auch keine Zukunftswerkstatt.“

Beitrag im Fernsehen abgelehnt

Keine Hilfe erwarten können die Eltern bei ihrem Einsatz für das Hallenbad von angeschriebenen potenziellen Sponsoren und Politikern, die auf die Zuständigkeit der Gemeinde verweisen – und auch nicht vom Kinder-Kanal. Der habe einen Beitrag für „Logo-Redezeit“ abgelehnt, sagt Meise. Begründung: Das Sendeformat diene eher der Vermittlung im verhärteten Konfliktfall. Den gebe es hier aber nicht, der Bürgermeister sei gesprächsbereit.

Die Tage des kommunalen Hallenbads in Rhumspringe sind gezählt. Nach mehr als 35 Jahren Betrieb will die Gemeinde Ende März die defizitäre Einrichtung schließen

Die Einschätzung der trüben Infrastruktur-Lage im Ort teilte Jacobi mit den enttäuschten Badegästen, wies aber Kritik am Vorgehen der Gemeinde zurück: „Die Wahrheit ist nun einmal bitter, das Hallenbad nicht mehr finanzierbar.“ Es sei bekannt gewesen, dass das Hallenbad, das keine Pflichtaufgabe der Kommune sei, schon länger auf dem Prüfstand gewesen sei. Für den laufenden Betrieb gebe es keine Förderprogramme, die Gemeinde müsse voraussichtlich in diesem Jahr erstmals ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung aufstellen: „Wir haben verschiedene Möglichkeiten geprüft – inklusive Blockheizkraftwerk und Einsatz regenerativer Energie, können für Bad und Sauna nicht länger bis zu 90 000 Euro Fehlbetrag pro Jahr aufbringen und wollen keine Schulden auf den Schultern der Kinder machen.“  Für die Schließung des Bades gebe es auch Zustimmung im Ort.

Insolvenz des Rhume-Hotels

Die Situation habe sich durch die Insolvenz des Rhume-Hotels verschärft, der Rat es sich mit seiner Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte Jacobi und hob die Bemühungen um eine Nachfolgenutzung hervor. Um planungsrechtlich den Weg dafür zu ebnen, wurde ein Bebauungsplan aufgestellt, der Ortskern als Mischgebiet ausgewiesen. Jacobi bestätigt, dass es einen Mietinteressenten aus dem Bereich der Gesundheitsvorsorge gebe. Mehr will er nicht preisgeben, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Eine Lösung in Kombination mit dem seit Jahren leerstehenden Rhumehotel, für das es ebenfalls einen Interessenten mit konkreten Überlegungen gebe, hält er schon wegen der unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse – das Hotel ist in Privatbesitz – für sehr schwierig. Bereits in den Vorjahren hat es Gespräche über eine gastronomische Nutzung für beide Objekte gegeben, die aber ergebnislos abgebrochen wurden. Für die ehemalige Papierfabrik sei weiterhin kein Investor in Sicht, teilt Jacobi mit und bedauert das ebenso wie den Verlust der letzten Gaststätte im Ortskern. Das zuletzt nur noch sporadisch unter anderem vom Gesangverein genutzte Gasthaus Kwoczek hat inzwischen gänzlich geschlossen. Und das Schulschwimmen soll künftig statt im Rhumspringer Hallenbad alle zwei Wochen in Gieboldehausen stattfinden.