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Duderstadt Jagdhunde und Greifvögel im Stadtpark
Die Region Duderstadt Jagdhunde und Greifvögel im Stadtpark
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18:00 18.08.2019
Die Jagdhornbläser sind ein Aushängeschild der Jägerschaft Duderstadt. Quelle: Helge Schneemann
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Duderstadt

Mit Hubertusmesse und einem Familienaktionstag im Stadtpark hat die Jägerschaft Duderstadt am Sonntag ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Mit der Jägermeile wurden viele Menschen erreicht, Infostände für Fragen nicht nur zum Thema Jagd genutzt. Imker, Angler und Falkner waren ebenso vertreten wie Landvolk, Landschaftspflegeverband, Sielmann-Stiftung und Polizei.

Herausforderung Wolf

Wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigt die häufig im scharfen Ton geführte Debatte über die Jagd. Anders als bei der Jägerschaft Göttingen, die auf ihrer Homepage das starke kritische Potenzial in der Universitätsstadt anführt, ist die Akzeptanz im Eichsfeld groß. Mit Jagdgegnern gebe es hier keine Probleme, sagt Jägerschaftsvorsitzender Thomas Ehbrecht: „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Die Jagd sei anerkannter Naturschutz mit staatlicher Prüfung, Regulierungen in einer Kulturlandschaft unumgänglich. Das gelte auch für das Reizthema Wolf. Der gehöre ins Jagdrecht aufgenommen, um Problemwölfe bejagen zu können. Als weitere Herausforderung nennt Ehbrecht die afrikanische Schweinepest, die weiter auf dem Vormarsch aus Richtung Osteuropa sei und das Schweinezuchtland Niedersachsen bedrohe. Bereits ein weggeworfenes Wurstbrot könne zum Auslöser von Übertragungen werden. Als Gegenmaßnahmen nennt Ehbrecht die Einzäunung von Rastplätzen und massive Eingriffe in den Schwarzwildbestand. Im Fall eines Ausbruchs dürften auch Muttertiere bejagt werden.

Drohne zur Kitzrettung

Bei der Entwicklung des Waldes müsse angesichts von Dürreschäden und Schädlingsbefall umgedacht werden: „Wir müssen weg von Monokulturen.“ Ehbrecht verweist auch auf die umfangreichen Biotopschutzflächen und Hegebuschanpflanzungen der Jägerschaft, von denen die stark ausgedünnten Populationen von Rebhuhn, Hase und Fasan profitieren würden. Ab kommendem Jahr werde im Eichsfeld eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz kommen, um vor der Mahd Rehkitze retten zu können. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Verhinderung von Wildunfällen. Die Jägerschaft greift dabei auf Unfallkataster zurück und arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Von 6900 Verkehrsunfällen im Landkreis Göttingen im vergangenen Jahr seien 1153 Wildunfälle gewesen, sagt Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke.

Impressionen vom Aktionstag

70 Jahre Jägerschaft Duderstadt

„Darf man die anfassen?“, hieß es immer wieder am Infostand der Falkner mit einem Wanderfalken, einen Rotschwanz- und einen Wüstenbussard. Das war allerdings nicht drin. Die Bindung der Greifer an ihre Falkner ist eng. Thomas Andres aus Nesselröden nimmt seinen Wüstenbussard zur Arbeit ins Büro und zum Fernsehen im Wohnzimmer mit. „Wir jagen noch wie vor 4000 Jahren“, sagt Andres. Seit 2017 ist die Falknerei in Deutschland als Weltkulturerbe anerkannt.

Jagdhunde vorgestellt

Als Jagdgehilfen hatte Andres auch Frettchen mitgebracht. Das Feld gehörte aber den Jagdhunden, von denen es im Stadtpark nur so wimmelte. Auf der Bühne stellte Jürgen Werner, der auch die Jungjäger ausbildet, Vorsteh-, Stöber- und Bauhunde als „verlässliche und unersetzliche Helfer“ vor: „Jagd ohne Hund ist Schwund.“

Immer mehr Frauen gehen auf die Jagd

Die Jägerschaft Duderstadt ist eine von vier Jägerschaften im Landkreis Göttingen. „Wir haben derzeit 550 Mitglieder“, teilt Thomas Ehbrecht mit, der im März Hans-Georg Kracht als Vorsitzenden abgelöst hat und auch CDU-Landtagsabgeordneter ist. Das Interesse an der Jagd sei ungebrochen, die Jungjägerausbildung werde intensiv vorangetrieben, der Frauenanteil liege bei 18 Prozent und steige kontinuierlich. Auch personelle Kontinuität zeichne die Jägerschaft Duderstadt aus. In sieben Jahrzehnten hat es nur sechs Vorsitzende gegeben. Zur Jägerschaft Worbis haben die Waidgesellen aus dem Untereichsfeld seit der Grenzöffnung vor 30 Jahren einen engen Draht. „Seitdem ist grenzenloses Jagen möglich“, sagt Ehbrecht. Im Landkreis Göttingen gebe es etwa 2000 Jagdscheininhaber, im Flächenland Niedersachsen 52 000, bundesweit 400 000. Das sogenannte „Grüne Abitur“ sei eine schwere Prüfung, die profundes Wissen erfordere. Noch höher als bei den Jägern ist der Frauenanteil bei den Falknern. Nach Angaben von Thomas Andres liegt er bei 40 Prozent und steigt stetig. ku

Zum weiteren Programm gehörten eine Urmel-Aufführung im Rathaus, die Ecklingeröder Blasmusikanten, Jagdhornbläser, Holzschnitzer, Hüpfburg, Waffelstand der Lebenshilfe, Outdoor-Spiele des Kinder- und Jugendbüros der Stadt sowie Wurfangeln im Trockenen bei der Interessengemeinschaft Eichsfelder Sportangler. Die vertritt neun Vereine mit knapp 1000 Mitgliedern. Nur knapp 50 Mitglieder hat der Imkerverein Duderstadt. Das Interesse an der Imkerei wachse aber wieder, berichtete Undine Vorbeck. Auch die Jägerschaft behält Bienen und Co im Blick und hat der Stadt ein Insektenhotel für den LNS-Park übergeben.

Von Kuno Mahnkopf

Waren es zu Beginn 15 Mitglieder und in den 1970er Jahren zeitweise über 240, so sind derzeit rund 140 Mitglieder im Verein organisiert: Der „Ländliche Reiterverein Duderstadt e. V.“ kann jetzt auf 90 Vereinsjahre zurückblicken.

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