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Duderstadt Warum immer mehr junge Frauen zu Jägerinnen werden
Die Region Duderstadt Warum immer mehr junge Frauen zu Jägerinnen werden
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12:54 09.08.2019
Janine Ley wird von ihrer Tochter Tomke bei der Jagd begleitet. Quelle: r
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Duderstadt

Die Jägerschaft Duderstadt feiert am 18. August im LNS-Park in Duderstadt mit einem Aktionstag ihren 70. Geburtstag. Doch trotz des Rentenalters präsentiert sich der Verein verjüngt – und zunehmend weiblich.

536 Mitglieder zählt die Jägerschaft Duderstadt aktuell, gut ein Viertel ist zwischen 51 und 60 Jahre alt. Etwa 38 Prozent sind älter als 60 und fast 37 Prozent sind 50 oder jünger. Und der bundesweite Trend, dass Jäger zunehmend Frauen sind, bestätigt sich bei den Duderstädtern. Die 46 weiblichen Mitglieder machen einen Anteil von fast 8,6 Prozent aus. Damit räumen auch die Eichsfelder Jägerinnen mit dem Klischee auf, dass Jagen etwas für alte Männer mit Hut und Dackel sei.

Generationswechsel im Gange

Tomke und Janine Ley, Michael Nachtwey und Guido Schwarze (sitzend von links), sowie Thomas Ehbrecht, Inga Schauenberg, Christina Hackethal, Karsten Ley und Jürgen Werner (stehend von links) sind begeisterte Jäger. Quelle: Eichner-Ramm

Der Deutsche Jagdverband versucht mit entsprechenden Fakten und Zahlen und mit der „Jägergeneration Y“ das Image der Jäger jünger und moderner zu präsentieren. Und auch die Verantwortlichen vom Vorstand der Jägerschaft Duderstadt wollen aus Anlass des 70-jährigen Bestehens zeigen, dass zwar die jagdlichen Traditionen hoch gehalten werden, aber dennoch ein Generationswechsel im Gange ist.

„Wir bilden unseren Nachwuchs selbst aus“, sagt Karsten Ley, seit März als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand der Jägerschaft Duderstadt engagiert. Eine, die vor Kurzem erst die staatliche Jägerprüfung bestanden hat, ist Christina Hackethal. Die 23-jährige Duderstädterin war im vergangenen Ausbildungskurs von Jürgen Werner die jüngste Aspirantin auf den Jagdschein. „Für den Jagdschein habe ich mehr gelernt als fürs Abi“, sagt die Jungjägerin und macht damit klar, dass von angehenden Jägern einiges verlangt wird. Zusammen mit ihr habe auch ihr Freund den Jagdschein gemacht. „Es ist schön, wenn auch der Partner das gleiche Hobby teilt“, betont die 23-Jährige. „Das macht vieles einfacher.“

Gemeinsame Leidenschaft

Inga Schauenberg in Ganzkörpertarnung bei der Krähenjagd zur Niederwildhege. Quelle: r

Inga Schauenberg hat seit 2015 den Jagdschein und teilt damit wie auch Hackethal eine gemeinsame Leidenschaft mit ihrem Partner. „Ein Jahr lang habe ich mit mir gehadert, ob ich das machen soll“, erinnert sich die 35-jährige Duderstädterin. Dann habe sie sich angemeldet und es durchgezogen – „eine der spannendsten Erfahrungen, die man machen kann. Ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, drei Stunden lang still zu sitzen und den Mund zu halten“, sagt sie heute.

Sowohl für Hackethal als auch für Schauenberg spielte bei der Entscheidung, sich der Jagd zu widmen, ein Punkt eine wesentliche Rolle. Beide legen Wert auf Fleisch, bei dem sie genau wissen, woher es kommt. „Wir produzieren ein hochwertiges Lebensmittel“, bestätigt Michael Nachtwey, Schatzmeister der Jägerschaft Duderstadt, und fügt hinzu: „ökologisch, keine Antibiotika, keine Massentierhaltung, keine Tiertransporte“. Schauenberg weist Kritik von Tierschützern an der Jagd zurück: „Das Reh sieht die Sonne auf und untergehen und muss nicht auf Spaltboden stehen.“

Jägerin in dritter Generation

Janine Ley wird von ihrer Tochter Tomke bei der Jagd begleitet. Quelle: r

Unter den Frauen bei der Jägerschaft Duderstadt ist auch Janine Ley, die mit der Jagd schon in früher Kindheit in Kontakt kam, wie sie erzählt. Ihr Großvater und ihr Vater seien Jäger gewesen, und sie sei schon als Baby bei der Treibjagd dabei gewesen. Sie sei rein gewachsen, blickt die 40-Jährige zurück. Ihren Mann Karsten habe sie beim Forstwirtschaftlichen Studium in Göttingen kennen gelernt. Mittlerweile haben auch bei Familie Ley beide Partner die selbe Leidenschaft. Oft begleitet Tochter Tomke ihre Eltern bei der Jagd. Auf die Frage, ob sie auch einmal Jägerin werden möchte, sagt sie: „natürlich“.

Unter dem Motto „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“ bringt Janine Ley für die Jägerschaft Duderstadt Kindern an Schulen oder bei Veranstaltungen etwa auf Gut Herbigshagen die Wildtiere der Region näher, zeigt ihnen Felle oder auch schon mal ein Fuchsgebiss, und vermittelt Wissenswertes über die Zusammenhänge in der Natur. Kinder seien neugierig und fragen nach, berichtet sie, Erwachsene hätten viel eher Vorbehalte, äußerten Kritik und seien oftmals auch nicht bereit, sich Argumenten zu stellen. Nartürlich polarisiere das Thema Jagd, und dem müssen man sich stellen, sagen die Vorstandsmitglieder der Duderstädter Jäger.

„So viele Jägerprüfungen wie nie zuvor“

Jungjägerin Christina Hackethal hat im Mai 2019 ihre Jagdprüfung abgelegt. Ihr erstes Stück Wild, das sie erlegt hat, war ein Jährlingsbock. Quelle: r

Allerdings wandelten sich auch hier die Zeiten, so die Beobachtung des Vorsitzenden Thomas Ehbrecht. Das Interesse an der Jagd wachse von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Jahr hätten bundesweit 20060 Menschen die Jägerprüfung abgelegt – „so viele wie nie zuvor“, zitiert Ehbrecht aus der aktuellen Statistik des Jagdverbands. In Niedersachsen bekamen 5000 den Jagdschein nach erfolgreicher Ausbildung.

Jungjägerin Hackethal hat eigenen Angaben zufolge eine Leidenschaft für die Jagd entwickelt. Und was fasziniert sie und die anderen Jäger so sehr? „Die Entschleunigung“, so die 23-Jährige. Ähnlich formuliert es Schauenberg, die fasziniert davon berichtet, was sie nachts im Wald oder auf dem Feld alles mitbekomme, wenn rundherum alles still sei. Und auch Janine Ley sagt: „Das Rausgehen und zur Ruhe kommen ist für mich ganz wichtig.“ Jagd sei nicht nur töten, ergänzt sie, sondern auch die Natur zu genießen und im Einklang mit dieser zu sein. Dennoch gehöre töten dazu, so Ley. Schauenberg fügt hinzu: „Nicht geschossen ist auch gejagt.“

Imagefilm der Deutschen Jägervereinigung:

Weiterführende Links zum Thema Jagd:

Jägerschaft Duderstadt

Landesjägerschaft Niedersachsen

Deutscher Jagdverband

Jagd-Fakten.de (Image-Initiative des Deutschen Jagdverbands

Tageblatt-Bericht von der Drückjagd der Reviere Duderstadt/Rote Warte und Fuhrbach im Oktober 2018 

Die Autorin erreichen Sie per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de, telefonisch unter 05527/94997-12 und auf Facebook (.facebook.com/britta.eichnerramm)

Von Britta Eichner-Ramm

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