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Duderstadt Jetzt sind die Eltern gefragt
Die Region Duderstadt Jetzt sind die Eltern gefragt
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18:55 17.11.2011
Von Kuno Mahnkopf
Eine Grundschule, zwei Standorte: Nicht nur in Seeburg wird unterrichtet, sondern auch in Seulingen. Quelle: Thiele
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Seeburg/Seulingen

Erst hat der Schulvorstand der von Kindern aus Seeburg, Bernshausen und Seulingen besuchten Verbundschule empfohlen, wegen der ab 2013 nicht mehr für zwei erste Klassen reichenden Schülerzahlen zeitnah die Weichen für nur noch einen Schulstandort zu stellen. Dann gab es in der Aula des Seulinger Schulgebäudes eine von vielen Eltern und einigen Politikern besuchte Informationsveranstaltung des Schulelternrates mit streckenweise kontroversen und emotionalen Redebeiträgen. Und jetzt hat der Elternrat eine Elternbefragung zu dem Thema gestartet.

Alle Eltern mit Grundschulkindern sind gefragt, ob ab 2013 in standortübergreifenden Jahrgangsklassen weiterhin in Seeburg und Seulingen oder nur noch an einem Schulstandort unterrichtet werden soll. Bislang nicht angeschrieben worden sind die Eltern von Kindergartenkindern, die Samtgemeinde als Schulträger wurde aber gebeten, den Kreis der Befragten auszuweiten. Die Lösung mit zwei Standorten hätte zur Folge, dass ab 2016 nur noch zwei standortübergreifende Jahrgangsklassen je Standort möglich wären, ansonsten verblieben vier Jahrgangsklassen mit Schülern aus beiden Gemeinden an einem Standort.

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Die Gretchenfrage, welcher Standort das sein soll, ist bislang ausgeklammert. Das legten Seeburgs Bürgermeister Harald Finke (CDU) und Eltern aus Seeburg am Infoabend in der Aula der Seulinger Schule als mangelnde Ehrlichkeit aus. „Die Standortfrage ist nicht offen, wenn man sich die räumliche Situation anschaut“, meinte Finke mit Blick auf die größeren Raumkapazitäten der ehemaligen Grund- und Hauptschule Seulingen samt angrenzender Turnhalle. Um den Standort Seeburg bangende Eltern und Finke verwiesen neben dem örtlichen Kindergarten auch darauf, dass Seeburg zu den wenigen Dörfern mit wachsender Bevölkerung gehöre, man angesichts der vor der Verbundschullösung geführten Diskussionen von einer Standortsicherheit bis 2016 ausgegangen sei und dass sich Eltern im Fall einer strittigen Entscheidung auch eine andere Schule aussuchen könnten, da es in der Samtgemeinde keine Schuleinzugsbereiche gebe. Deutliche Worte fand

Elternratsvorsitzende Kristin Varrelmann aus Seulingen: „Es geht nicht darum, welches Dorf die Arschkarte zieht, sondern um die pädagogische Qualität der Schule.“ Sie verstehe nicht, warum sich alle so sicher seien, dass Seeburg zugemacht werde. Im Prinzip würden auch dort die Räumlichkeiten ausreichen, auch wenn es eng würde. „Wichtiger als die Frage, wo eingeschult wird, ist, wie sich die gesamte Grundschulzeit für die Kinder entwickeln wird“, betonte Varrelmann.

Unterstützung fand sie dabei aus der Reihe der Lehrerinnen. „Die Schulgemeinschaft leidet unter zwei Standorten“, sagte Barbara von Haebler. Zuvor hatte Schulleiter Peter Moneke verschiedene Modelle der Reduzierung, Rotation und Blockbildung beim Beibehalt von zwei Standorten vorgestellt und die Empfehlung des Schulvorstandes für nur einen Standort erläutert. Gegen zwei Standorte sprechen würden unter anderem die Belastung durch Bustransporte, pendelnde Fachlehrer, Probleme mit Pausen, fehlende Zeit für die Kinder und pädagogische Gespräche, gemeinsame Veranstaltungen, Streitschlichter- und Patenschaftsprojekte, die Regelung der Ganztagsbetreuung, Fordern und Fördern durch die Möglichkeit der Teilnahme an Unterrichtsfächern in anderen Jahrgangsklassen. Die Kostenfrage für Schülerbeförderung und Schulunterhaltung kam in der anschließenden Diskussion ebenso zur Sprache wie Kritik am Informationsfluss, die Möglichkeit eines Wandels der Landespolitik hin zu kleineren Klassengrößen sowie langfristige Perspektiven für alle vier Grundschulstandorte der Samtgemeinde Radolfshausen.

Die sei weiterhin bereit, so lange wie möglich alle vier Standorte zu erhalten, wenn die Eltern das wünschten, betonten Fachbereichsleiter Erwin Große und Samtgemeinde-Bürgermeister Wolfgang Wucherpfennig (SPD): „Für uns ist der Elternwille entscheidend.“ Große vermisste das Einholen des Elternvotums vor dem „Tendenzbeschluss des Schulvorstandes“, Wucherpfennig hofft auf Senkung der Klassengrößen nach der Landtagswahl im Januar 2013.

Bis 2015 könne man noch auf eines der Modelle für zwei Standorte zurückgreifen, meinte Wucherpfennig und erntete sowohl Applaus als auch Gemurre für seine Anmerkung, dass für ihn die plötzliche Eile nicht erkennbar sei. „Wir können uns nicht auf die Landespolitik verlassen und das Problem weiter vor uns herschieben“, hielt ihm Seulingens Bürgermeister Lars Denecke (CDU) entgegen und lobte den Schulvorstand.

Wie es jetzt weitergeht, hängt von der Elternbefragung ab. Deren Ergebnis soll der Samtgemeinde bis 25. November vorliegen, um das Thema noch in der nächsten Schulausschusssitzung behandeln und eine Entscheidung für die 2013 einzuschulenden ABC-Schützen treffen zu können.

Über alle bisher vorliegenden Zahlen, Beschlüsse und Beschulungsmodelle kann man sich auf der Schulhomepage www.grundschule-seeburg-seulingen.de informieren. Informationsmaterial ist auch in den Schulen ausgelegt.