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Duderstadt Kampf gegen Werkspionage und Kinderpornografie
Die Region Duderstadt Kampf gegen Werkspionage und Kinderpornografie
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00:22 29.04.2019
Dennis Rauchert aus Hilkerode ist in Hamburg als IT-Forensiker tätig. Quelle: Rüdiger Franke
Hilkerode

Gelernt hat Dennis Rauchert auf dem Bau – als Gas- und Wasserinstallateur, arbeitete aber auch in anderen Bereichen. Gesundheitliche Gründen zwangen ihn, sich und sein Leben neu aufzustellen. Er begann mit Schulungen, gab Bewerbungs- und Antiaggressionstrainings und machte sich schließlich 2010 mit seinem Unternehmen PC-Mac-Notarzt in Hamburg selbstständig.

Alleinstellungsmerkmal

Schon als er in Hamburg startete, sei ihm bewusst gewesen, dass er „ein einzigartiges Merkmal“ benötige, um sich von anderen abzuheben. Und so qualifizierte er sich als EDV-Gutachter und IT-Forensiker. Er besuchte Schulungen des Verbandes europäischer Gutachter und Sachverständiger (VEGS), ist Dekra-zertifiziert.

Unterstützung der Polizei

Rauchert zählt zu einer Reihe von externen Gutachtern, die die Polizei unterstützen. Zu seinen Aufgaben zähle es unter anderem, Festplatten aus der Asservatenkammer auszulesen. Dafür gebe es spezielle Software, die zum Teil aus den USA komme. Doch er erstelle seine gerichtsfähigen Gutachten nicht nur für staatliche Auftraggeber, sondern vereinzelt auch für Rechtsanwälte oder Hilfsorganisationen wie den Weißen Ring.

„An Grausamkeit kaum zu überbieten“

Die IT-Forensik gliedert sich in unzählige Bereiche. Rauchert hat sich auf Werksspionage und Kinderpornografie spezialisiert. „Ich hatte ein innerliches Gefühl, wenn ich es nicht mache, macht es keiner“, erklärt er, warum er den Bereich der Kinderpornografie gewählt habe. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir gegen so etwas ankämpfen müssen.“ Es bestünden Netzwerke, die sich durch jegliche Schichten ziehen. Ins Detail gehen darf er nicht, doch „es gibt Dinge, die sind an Grausamkeit kaum zu überbieten“. Doch ein Urteil darf er sich bei seiner Arbeit nicht erlauben. „Wir können nur das schreiben, was wir sehen.“ Er müsse auch regelmäßig vor Gericht aussagen, was er gefunden oder analysiert habe. Die Strafe gegen die Angeklagten kriegt er allerdings in den seltensten Fällen mit.

„Man läuft den anderen hinterher“

Alle drei Jahre müsse er spätestens zwei Fortbildungen machen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Obligatorisch sei auch der Besuch einer Kriminal- und Forensikmesse. „Man läuft den anderen hinterher“, erklärt er. Es gebe viele Jugendliche, zum Teil erst zwölf Jahre alt, die einen Minecraft-Server hätten. „Die sind schon so fortgeschritten.“ Der Computer sei heute das einfachste Risiko, um kriminell tätig zu sein. „Man muss nicht mehr die Scheibe einhauen und einbrechen, sondern kann von zu Hause aus die Konten leerräumen.“

Dennis Rauchert aus Hilkerode Quelle: Rüdiger Franke

Aus der Weltstadt ins Dorf

Ende 2018 zog er mit seiner Frau aus der zweitgrößten deutschen Stadt in das nicht einmal 1000 Einwohner zählende Hilkerode. Der Grund ist familiärer Natur. Die Tochter wohnt ebenfalls im Eichsfeld. Jetzt pendelt er im Wochenrhythmus zwischen den beiden Orten mit dem Anfangsbuchstaben H, denn im Eichsfelder Bergdorf hat er eine Zweigstelle seines Geschäftes eröffnet.

Volksnahes Zentrum fehlt

„Wir sind in Hilkerode gut aufgenommen worden“, sagt Rauchert. Er will sich auch in der neuen Heimat im Duderstädter Bergdorf einbringen. „Wir haben in Hamburg über neun Jahre Wirtschaft und Stadtmarketing gemacht.“ Im Stadtteil Bergedorf habe er mit anderen viel erreichen können. „Das wollen wir hier in Hilkerode weitermachen.“ So sei ihm die schwindende Infrastruktur aufgefallen. „Die Volksbank ist weg, der Edekamarkt auch“, erklärt er. Es fehle ein volksnahes Zentrum. Aus diesem Grund öffnet er seine Räume in der ehemaligen Volksbank auch für das dörfliche Leben.

„Apfel- und Fensterclub“

„Ich habe drei Schulungsräume“, sagt der 43-Jährige. „Die stelle ich gern zur Verfügung.“ Zum Beispiel habe die Caritas dort bereits einen Spielenachmittag für Senioren ausgerichtet. Für weitere sei er bestens ausgerüstet, erklärt Rauchert. Er habe 90 Spiele von Karten- bis zu Brettspielen. Trotz seines Ladens werde es aber kein Angebot „für Computerdaddler“ geben, wie er sagt. Aber den Senioren des Ortes wolle er schon die Möglichkeit geben, sich mit der neuen Technik anzufreunden. Deshalb habe er einen Senioren-Computerclub mit dem Namen „Apfel- und Fensterclub“ ins Leben gerufen. Jeden Freitag sei er in Hilkerode und gebe Schulungen von morgens um 8 Uhr bis abends viertel vor Acht, sagt er. Ein Thema sei dabei der Umgang mit Handys und Smartphones. Aber auch das Onlinebanking sei für die älteren ein wichtiges Thema. „Gerade, wenn keine Bank in der Nähe ist“, verweist er wieder auf die Infrastruktur.

Ideen gegen Leerstand

Rauchert hat auch Vorschläge, den Leerstand im Dorf zu verringern. „In Göttingen ist Wohnraum für Studenten knapp und teuer.“ In Dörfern wie Hilkerode könnten diese günstig wohnen. Dafür könne man ja eine Art Börse aufbauen. An Ideen mangelt es dem 42-Jährigen nicht.

Von Rüdiger Franke

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