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Duderstadt Katastrophaler Saisonverlauf für Freibäder
Die Region Duderstadt Katastrophaler Saisonverlauf für Freibäder
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19:19 04.08.2011
Von Kuno Mahnkopf
Trübe Saison: An vielen Tagen drehen nur wenige unverdrossene Schwimmer ihre Runden im Duderstädter Freibad.
Trübe Saison: An vielen Tagen drehen nur wenige unverdrossene Schwimmer ihre Runden im Duderstädter Freibad. Quelle: Pförtner
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Duderstadt/Seeburg

„Der katastrophalste Sommer, den wir je hatten“, ist sich Duderstadts Freibad-Chef Günter Leineweber mit Seeburgs Bürgermeister Harald Finke (CDU) einig: „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Diese Saison kann man vergessen“. Nach zwei mauen Vorjahren steht vor allem der Betreibergesellschaft des Duderstädter Bads angesichts konstanter Betriebskosten, steigender Energiekosten und Instandsetzungsbedarf wegen frostreicher Winter jetzt das Wasser bis zum Hals.

Das Duderstädter Freibad und das Hallenbad schreiben schon lange rote Zahlen, das jährliche Defizit beträgt mehrere hunderttausend Euro. Seit Jahren tief in der Schublade liegen die Pläne für eine Zusammenlegung und Kombination von Frei- und Hallenbad durch einen Neubau am Freibadstandort. Ob und wann das Wagnis einer derartigen Millioneninvestition für das kommunale Unternehmen zum Tragen kommen wird, steht weiterhin in den Sternen und ist letztlich eine politische Entscheidung.

Bis Ende Juli wurden im Duderstädter Freibad rund 22 000 Besucher gezählt. Das ist nur gut die Hälfte der 42 000 Badegäste, die im Vorjahr bis Ende Juli registriert wurden. Dabei waren schon die Bilanzen 2009 und 2010 trübe ausgefallen. Eröffnet wurde das Duderstädter Freibad bereits zu Zeiten der Weimarer Republik – am 24. August 1930. Wie der Kiessee in Göttingen und der Maschsee habe es sich um Notstandarbeiten für Arbeitslose als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise gehandelt, erläutert Stadtarchivar Dieter Wagner. Schon zuvor hatte es in Duderstadt eine Badeanstalt an der Obermühle in Richtung Ecklingerode gegeben.

Mit Gründung der Eichsfelder Blockheizkraftwerk- und Bädergesellschaft (EBB) übernahm diese Tochtergesellschaft der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB) 1986 die Regie über das städtische Freibad in der August-Werner-Allee und das Hallenbad, das zuvor der Landkreis betrieben hatte. Einen Boom erlebte das Freibad nach der Wende mit mehr als 100 000 Besuchern in einer Saison. Vor einigen Jahren lag die jährliche Besucherzahl dann noch bei durchschnittlich 65 000 bis 70 000 Badegästen. 2009 und 2010 waren es nur noch rund 50 000 Besucher. Leineweber, als kaufmännischer Leiter der EWB für die Bäder zuständig, rechnet bei aller Hoffnung auf eine Aufholjagd durch einen sonnigen und stabilen Spätsommer nicht damit, dass diese Zahl auch nur ansatzweise wieder erreicht wird.

Im bisherigen Sommerverlauf war es zu häufig bewölkt und windig, längere Schönwetterperioden fehlten. „Zwei Tage Sonne braucht es, bis die Leute wiederkommen“, sagt Leineweber: „Doch bevor die Leute reagieren, hat das Wetter schon wieder gewechselt.“ So auch in dieser Ferienwoche, als es immerhin 500 Tagesgäste gab. In Spitzenzeiten waren es 2000 bis 3000 Tagesgäste.

Etwas entspannter ist die Situation am Seeburger See. Denn für das von der Gemeinde betriebene Seebad unter DLRG-Aufsicht werden stets viele Familien- und Saisonkarten verkauft. Auch dort fehlen jedoch die Tagesgäste und die heißen Wochenenden, bedauert Finke: „20 000 Besucher wie in den Vorjahren werden wir sicher nicht erreichen, uns bleiben nur noch die Wochenenden im August, der Verlust ist auch bei schönem Wetter nicht mehr einzuholen.“ Sowohl in Duderstadt als auch in Seeburg wird erwogen, die stets bis September dauernde Saison frühzeitig zu beenden und die Freibäder bereits bis zum ersten September-Wochenende zu schließen. Einziger Trost für Finke: „Immerhin gab es keine Unwetterschäden.“

Wetterbedingte Ausfälle gab es immer schon. So berichtete das Tageblatt am 5. August 1961 über die geringen Besucherzahlen im Duderstädter Freibad: 30 000 Badegäste gab es in jenem verregneten Sommer bis Ende Juli. Allerdings noch keine Konkurrenz durch Spaß- und Erlebnisbäder.