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Duderstadt Kein Feuerwerk mehr innerhalb des Stadtwalls
Die Region Duderstadt Kein Feuerwerk mehr innerhalb des Stadtwalls
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20:56 17.12.2010
Von Kuno Mahnkopf
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Für Raketenstarts in der Duderstädter Innenstadt drohen künftig bis zu 5000 Euro Strafe. Quelle: SPF
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Auch anderswo stößt das Zünden von Knallern und Raketen an enger gezogene Grenzen. Denn nach dem Zigarettenqualm hat der Pulverdampf einen generellen gesetzlichen Dämpfer erfahren. Laut der bereits 2009 beschlossenen Verordnung zum Sprengstoffgesetz sind wie bei den Brenntagen auch beim Feuerwerk Mindestabstände einzuhalten. Das gilt für Pyrotechnik in einem Umkreis von 200 Metern um Kirchen, Krankenhäuser, Altersheime, Reet- und Fachwerkhäuser. Zu überwachen haben die Kommunen auch den Verkauf und die Aufbewahrung von Feuerwerkskörpern.

Eigentlich laufe die Verordnung auf ein prinzipielles Verbot in den von Fachwerk geprägten Ortskernen im Eichsfeld hinaus, bestätigt Ansgar Papke; „Auch in der Gieboldehäuser Marktstraße dürfte grundsätzlich kein Böller gezündet werden“. Zu überwachen sei das allerdings nicht, betont der Ordnungsamtsleiter der Samtgemeinde Gieboldehausen, zu der 13 Ortschaften gehören, die sich auf 105 Quadratkilometer Fläche verteilen. Dort hat bislang noch keine Gemeinde das Verbot mit Beschlüssen unterfüttert.

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Dass die Behörden in der Silvesternacht, in der allerorten Partys toben und sich das Feuerwerk auf eine Kernzeit von rund einer halben Stunde konzentriert, nicht überall sein können, ist auch Duderstadts Polizei-Vize Horst Kanngießer klar. Der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes rechnet mit Problemen bei alkoholisierten Gruppen, hofft aber auf einsichtiges Verhalten: „Es will ja schließlich auch niemand erleben, dass sein Eigentum in Flammen aufgeht.“

Auf Einsichtsfähigkeit setzt auch Papke. An die Bürger appelliert er, sich zurückzuhalten und vor allem auf Jugendliche und junge Leute einzuwirken. Im Ordnungsamt von Hann. Münden, wo wie in Osterode und anderen Städten nach Silvesterbränden schon in der Vergangenheit feuerwerksfreie Zonen eingerichtet wurden, sei man erstaunt gewesen, wie einsichtig sich die Bevölkerung gezeigt habe. Auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) hofft auf das Verständnis der „Feuerwerksfreunde“ und geht davon aus, dass „im Interesse der Innenstadtbewohner und des Schutzes der historischen Bausubstanz das Abbrennverbot eingehalten wird“. Nolte weist darauf hin, dass Verstöße als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden können.

Über ein Feuerwerksverbot wird in Duderstadt schon seit Jahren diskutiert. Eine Mehrheit fand der Eingriff in das Silvesterbrauchtum erst im Sommer dieses Jahres, als der Rat einen entsprechenden Antrag der WDB billigte. Die Wählergemeinschaft verwies unter anderem auf den Jahreswechsel 2007, als eine Rakete durch ein Fenster der Unterkirche krachte und das Altartuch in Brand setzte. Flächendeckende Kontrollen seien auch in der Brehmestadt nicht möglich, räumen Kanngießer und Duderstadts Ordnungsamtsleiterin Sabine Holste-Hoffmann ein. Geplant sind jedoch kombinierte Streifen von Ordnungsamt und Polizei in der Kernstadt. Auch in den Ortsteilen solle – soweit möglich – sporadisch kontrolliert werden, kündigt Kanngießer an.

Holste-Hoffmann gibt die Gefahr durch Schwarzmarktartikel und Leerstände ebenso zu bedenken wie die enge Bebauung. Der Großbrand in der Apothekenstraße vor wenigen Jahren habe gezeigt, wie schnell und ungehemmt sich Feuer in einer Fachwerkzeile ausbreiten könne. Nach Weihnachten sollen in der Innenstadt in den Geschäften Plakate aufgehängt werden, die auf das Verbot hinweisen. Feuer frei gilt nach wie vor in Neubaugebieten, im Umfeld der Ortskerne bieten sich offene Plätze wie der Duderstädter Großraumparkplatz an. Verkauft werden dürfen Feuerwerksartikel vom 29. bis 31. Dezember.