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Duderstadt Kochtopf und Laptop: 50 Jahre Kreislandfrauen
Die Region Duderstadt Kochtopf und Laptop: 50 Jahre Kreislandfrauen
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19:07 23.09.2011
Von Kuno Mahnkopf
Rückblick als Tischgespräch: Marita Bornemann, Elisabeth Krone, Mechthild Klingebiel und Karin Knöpfel (von links). Quelle: Thiele
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Gieboldehausen

Das Landfrauen-Logo, die Biene, zierte nicht nur Servietten und Vorhänge: Aus Pfeifenputzern gebastelte Bienen schwärmten auch aus einem Bienenkorb auf der Bühne aus. Kürbisse auf Heuballen, Maiskolben-Männchen, Kastanien und herbstliche Blumengestecke zeugten von der Kreativität der Landfrauen und boten bereits einen Vorgeschmack auf das Erntedankfest. Stellwände mit Fotos und Zeitungsartikeln ließen die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren – vom Plädoyer für Sozialstationen 1977 bis zum Thema „Würdevolles Altern“ 2009. Die Redebeiträge überbrückten Kreismusikschullehrer Dietmar Wiederholt und seine 14-jährige Schülerin Marina Tessmer mit Fagottklängen.

„Morgen kommt der Papst – wir sind quasi die Vorhut“, begrüßte Kreisvorsitzende Michaela Diedrich die Gäste. In einem fiktiven Brief an die Landfrauen sparte sie neben viel Lob für ihre Mitstreiterinnen auch die Probleme in einer „Zeit der Veränderungen“ nicht aus: demografischer Wandel, Nachwuchssorgen und finanzielle Engpässe. „Wir gehen neue Wege, vergessen aber unsere Wurzeln nicht.“

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Die liegen ebenso wie die von Gieboldehausens Bürgermeister Norbert Leineweber (CDU) und Volksbank-Vertreterin Cornelia Kurth-Scharf in der Landwirtschaft. Den Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte verglich Leineweber mit einem Quantensprung und hob den ehrenamtlichen Einsatz der Landfrauen „zum Wohl unserer Dorfgemeinschaften“ hervor. „Ich konnte auch einmal Trecker fahren – einen Güldner mit 25 PS“, bekannte Kurth-Scharf: „Heutige Trecker kann ich nicht einmal mehr besteigen.“ „Bäuerinnen mit Kopftuch und Kittelschürze waren gestern“, knüpfte auch Kreislandwirt Hubert Kellner an die „gewaltigen Veränderungen“ an: „Heute gibt es Hof-Managerinnen mit dem Computer als Arbeitsplatz.“ Die Landfrauen als größte Interessenvertretung für Frauen auf dem Land seien gestaltende Kraft und unverzichtbarer Partner für alle, denen die Entwicklung des ländlichen Raums am Herzen liege, aktive und glaubwürdige Botschafterinnen des Landlebens, Bindeglied zwischen Betrieben und Verbrauchern an der Ladentheke. Mut, Elan und Zuversicht für die Zukunft wünschten den Landfrauen Sparkassen-Vertreter Carsten Basdorf und Heike Schütte als Beraterin der Landwirtschaftskammer.

An die Unterschriftenaktion zur Wiedereinführung von Hauswirtschaft als Unterrichtsfach zur Stärkung der Alltagskompetenz erinnerte die Hildesheimer Bezirksvertreterin Hannelore Lemme: „Sie haben es geschafft, dass Kinder an den Realschulen im Wahlpflichtfach Ernährung und Soziales wieder Kochen lernen.“ Der Begriff Landfrauen stehe wie ein Markenartikel für lebens- und liebenswertes Leben auf dem Lande, Verlässlichkeit, Vertrauen, Qualität, Tradition, soziale Wärme und echtes Zufassen – für „Dinge, die es nicht unbedingt im Internet gibt“. Landfrauen unterstützten auch Projekte wie Elternlotsen, Kinderschutzportale und Familien-Hebammen. „Seien Sie stolz auf das, was Sie noch können, geben Sie es weiter“, appellierte Lemme: „Und geben Sie nicht auf, das zu tun. Denn, wie es scheint, wandeln sich die Werte wieder, für die es sich lohnt, einen Einsatz zu leisten. Und sie bekommen auch etwas dafür zurück.“ Menschen, die ein Ehrenamt ausüben, würden länger fit und flexibel bleiben, mehr Freude am Leben haben und wesentlich jünger aussehen. Mit Blick auf den deutschen Glücksatlas 2011 stellte Lemme fest, dass die zufriedensten Deutschen in Hamburg und Niedersachsen leben würden: „Frauen sind glücklicher als Männer, besonders die bis 30 und ab 60 Jahre.“

Für zustimmendes Gemurmel und viel Gelächter sorgte ein generationsübergreifender Sketch des Ortsvereins Gieboldehausen zwischen Hofladen und Handy, Kochtopf und Laptop. Unterhaltsam war auch der Rückblick, den Vertreterinnen der vier Ortsvereine des Kreisverbandes in Form eines Tischgesprächs lieferten – von „Meilensteinen der Frauenbewegung“ in einer Zeit, in der noch Kinder, Küche, Kirche im Vordergrund standen, bis zum Frauenfrühstück und der Nacht der Sinne, die die Landfrauen seit einigen Jahren anbieten.