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Duderstadt Digitale Wiederauferstehung der Kirche
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07:00 17.01.2019
In jahrelanger Kleinarbeit erstellt: Modell der alten Ortskirche von Tiftlingerode.
In jahrelanger Kleinarbeit erstellt: Modell der alten Ortskirche von Tiftlingerode. Quelle: r
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Tiftlingerode

Gibt es schon bald ein „digitales Comeback“ der alten Ortskirche von Tiftlingerode? Ortsheimatpfleger Mario Diederich arbeitet daran. Die Kirche ist Anfang der 80er-Jahre abgerissen worden; Diederich hat nun ein Modell erstellt – und dafür viel Zeit investiert.

„Auf Initiative des erzbischöflichen Kommissarius Herwig Böning hat unser Dorf 1687 eine Barockkirche erhalten“, berichtet Diederich. 1867, in Tiftlingerode hätten mittlerweile gut 230 Menschen gelebt, sei das Gebäude um ein Langhaus und einen Kirchturm ergänzt worden. Der Turm sei aufgrund eines Konstruktionsfehlers schief gewesen und bald darauf von einem Orkan umgestürzt worden. Dabei sei auch der Dachreiter kaputt gegangen. Der neue Kirchturm sei dann bei einem Großbrand zerstört worden, der das halbe Dorf eingeäschert und die Glocke zum Schmelzen gebracht habe.

„Bis 1983 nutzten die Gläubigen die Kirche“, so Diederich. Dann habe das Dorf mit seinen zwischenzeitlich mehr als 800 Einwohnern eine neue Kirche erhalten. Der Altbau sei abgerissen worden. „Ein Modell des alten Gotteshauses habe ich in jahrelanger Kleinarbeit angefertigt“, sagt Diederich. Es stehe in einer einem mal einem Meter großen Glasvitrine im ehemaligen Altarraum der alten Kirche auf dem Tiftlingeröder Dorfplatz. Durch kleine Umbauten ließen sich die verschiedenen Bauphasen darstellen. Die Informationen über das Gebäude habe er schriftlichen Aufzeichnungen entnommen.

Diederich will sein Modell nun digitalisieren. Mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen, die solche digitalen Animationen erstellt, hatte er bereits Kontakt. Denen seien seine Aufmaße jedoch zu unpräzise. Nun wolle er sich die notwendigen Software-Kenntnisse selbst aneignen. Er hoffe auf die Hilfe von Architekten, die mit solchen Computerprogrammen arbeiteten.

Digitalisierung der dreibändigen Ortschronik

Digitalisieren will Diederich auch die von ihm verfasste Ortschronik, deren ersten beiden Bände 2004 und deren dritter Band 2018 erschienen sind. Mit der Arbeit an diesem Werk, das es noch bei ihm zu kaufen gibt, hat er bereits einige Jahre vor 1997 begonnen. Damals ernannte ihn die Stadt Duderstadt auf Vorschlag des Orsrates zum Ortsheimatpfleger. Lange recherchierte der Dorfchronist in Archiven und Bibliotheken etwa in Berlin, Hannover, Wolfenbüttel, Wernigerode Hildesheim und Göttingen. Auch die Pfarrarchive in Duderstadt, Heiligenstadt und Tiftlingerode wertete er aus.

Aus Diederichs Feder stammen zudem die Vereinschroniken für die Kolpingsfamlie (1996) und den Tischtennisverein (2012). Der Freizeithistoriker engagiert sich im Arbeitskreis, der die Seligsprechung des ehemaligen Tiftlingeröder Kaplans, Joseph Müller, erreichen will. Der spätere Pfarrer ist 1944 wegen eines Witzes über Nazigrößen hingerichtet worden. Zu Müllers Gedenken schuf der Ortsheimatpfleger eine Dauerausstellung, die bereits seit 1996 im Pfarrzentrum Tiftlingerode zu sehen ist.

Der Ortsheimatpfleger betätigt sich zudem handwerklich. Er zimmerte den Rahmen für das Marienbild „Königin des Himmels“, das der Hildesheimer Künstler Friedrich Eltermann 1873 in Öl malte. Das Gemälde wurde auf Diederichs Anregung restauriert und ist heue wieder in der Kirche zu sehen.

Schwibbogen mit dem heiligen Nikolaus

Der Verwaltungsbeamte arbeitet darüber hinaus als Grafiker. So gestaltete er für die Eichsfeldtage 2007 in Tiftlingerode eine Schmuckversion des Ortswappens. Er entwarf einen Briefbogen für den Ortsrat. Seine Collagen schmücken das renovierte Bürgerhaus. Und er erstellte den großen, beleuchteten Schwibbogen, der den Tiftlingeröder Ortsheiligen St. Nikolaus zeigt und der jeweils in der Weihnachtszeit auf dem Dorfplatz steht.

Hat einen großen Schwibbogen mit dem Ortsheiligen angefertigt: Mario Diederich. Quelle: r

Von Michael Caspar

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