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Duderstadt Hilfe anzunehmen ist stark
Die Region Duderstadt Hilfe anzunehmen ist stark
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17:03 05.02.2019
Markt der Möglichkeiten: Das Queere Zentrum Göttingen fragt nach Schubladendenken. Quelle: Markus Hartwig
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Duderstadt

Jugendlichen Informationen und Kontakt zu Hilfsangeboten bieten, das ist das Ziel beim „Markt der Möglichkeiten“. Hier präsentieren sich Ansprechpartner zu den Themen Schule, Ausbildung, Familie, Erziehung, Alkohol/Drogen, Sexualität und Lebensplanung. Am Dienstag und Mittwoch stehen Vertreter der Beratungs- und Hilfsinstitutionen für Informationsgespräche bereit. So können erste Kontakte geschlossen werden, eventuelle Ängste abgebaut und Unterstützungsmöglichkeiten erkundet werden.

KGS Gieboldehausen dreht Film

Veranstaltet wird der Markt von der Arbeitsgemeinschaft Jugend-Netzwerk-Duderstadt. Sie besteht seit 2002 mit dem Ziel, Ansprechpartner und Institutionen miteinander zu vernetzen. Der Markt der Möglichkeiten wird alle zwei Jahre ausgerichtet. Für die diesjährige Veranstaltung haben sich laut Organisatoren etwa 600 Jugendliche aus sechs Schulen angemeldet. Sie nehmen jeweils zu zwei Gruppen verteilt am Markt der Möglichkeiten teil. Eine besondere Aufgabe hatten sich 22 Schüler der KGS Gieboldehausen gestellt. Sie haben sich mittels drei imaginärer Biografien von Stand zu Stand bewegt und währenddessen Rohmaterial für einen Film mit ihren Smartphones aufgenommen.

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Gut angelegtes Geld

Bei seiner Eröffnungsrede zeigte sich Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) „beeindruckt von der Vernetzung der teilnehmenden Partner untereinander.“ Die Idee zur Veranstaltung, die 2003 das erste Mal stattgefunden hat, werde „phantastisch umgesetzt“. Die Zusammenarbeit der anwesenden Akteure habe sich über die Jahre professionalisiert, der einzelne Schüler sei aber weiterhin im Mittelpunkt. „Wir wollen nicht in Superlativen reden, aber das ist klasse. Alle arbeiten mit-, nicht gegeneinander.“ Dass sich der Landkreis hierbei finanziell engagiere, sei gut angelegtes Geld. „Und wenn die Schüler dieser Region die Treue halten, ist das Geld doppelt gut angelegt.“ „Die Jugend ist die aufregendste Zeit im Leben“, führte Kreisrat Marcel Riethig mit Blick auf die Zuschauer die Begrüßung fort. Aufregend bedeute aber, dass die Jugend auch negativ, mit Sorgen behaftet sein kann. In diesem Fall zeuge es von Stärke, nicht von Schwäche, Hilfe anzunehmen. „Die Angebote die ihr hier vorfindet, machen euch stark.“

Imaginäre Wohnung eines Rechtsextremen

22 Akteure im Landkreis haben sich im Jugendgästehaus zusammengefunden und präsentieren ihre Angebote. Unter ihnen nahm die KGS Gieboldehausen nicht bloß mit dem Filmprojekt teil. Sie präsentiert zudem eine mobile Bar „WiM“. Das bedeutet „Weniger ist mehr“. „Wir stellen aus hochwertigen Zutaten alkoholfreie Cocktails her und treten dort auf, wo Alkoholprävention oder das Aufzeigen von Alternativen zu Hochprozentigem interessant sind“, sagen die Schüler, während sie Zutaten im Glas mixen. Nebenan hat sich „Respekt für Vielfalt“ nieder gelassen. Hier hat man sich zur Aufgabe gemacht, Schüler mittels einer virtuellen Fahrt durch die imaginäre Wohnung eines Rechtsextremen auf Gefahren aufmerksam zu machen.

Unter dem Slogan „Weggeschaut ist mitgemacht“zeigt die Polizei Duderstadt Szenen wie Schulhofdrangsalierungen oder auch Ladendiebstähle. Das eigene Handeln auf diese Situationen kann anhand von vorgegebenen Antworten bewertet werden. Über Alltagsgegenstände in Schubladen stellt das Queere Zentrum Göttingen die Besucher seines Standes auf die Probe. Werden hier Klischees bedient oder Geschlechterrollen erfüllt? Die Besitzer der Gegenstände sollen benannt werden. Unter den Schülern waren am Dienstag auch Stefanie und Anna Lena. Sie besuchen die KGS Gieboldehausen und nehmen zum zweiten Mal am Markt der Möglichkeiten teil. Die Schülerinnen bewegt keine spezielle Frage oder Sorge, sie lassen die Angebote auf sich wirken. „Man fühlt sich ernst genommen“, sagt Stefanie. Und Anna Lena sagen besonders die spielerisch gestalteten Hilfestellungen zu.

Die Veranstaltung im Duderstädter Jugendgästehaus, Adenauerring 23, ist für Schulklassen und sonstige Interessierte noch bis Mittwoch, 13 Uhr geöffnet

Von Markus Hartwig

05.02.2019
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