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Duderstadt Großangelegte Kontrollaktion: Polizeischüler jagen Raser und Einbrecher
Die Region Duderstadt Großangelegte Kontrollaktion: Polizeischüler jagen Raser und Einbrecher
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16:15 26.11.2019
Erwischt: Immer wieder winken Polizeikommissar Eric Weißenborn (r.) und Polizeikommissaranwärter Niklas Rusalo Autofahrer an die Seite, weil sie zu schnell gefahren sind oder einen anderen Fehler begangen haben. Quelle: Peter Heller
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Eichsfeld

Bei einer großangelegten Verkehrskontrolle am Montag im Untereichsfeld haben Polizisten vor allem Raser und etliche Gurtmuffel erwischt. Gemeinsam mit Schülern der Polizeiakademie hatten sich die Beamten tagsüber auf den Verkehr konzentriert. Am späten Nachmittag setzen Sie ihren Aktionstag mit Präventiv-Kontrollen gegen Einbrecher in Wohngebieten fort.

„Das ist schon in Ordnung und ich kann es jetzt ja auch nicht mehr ändern.“ So lautet die häufigste Reaktion der Autofahrer, die Polizeikommissar Eric Weißenborn aus Duderstadt und Kommissarsanwärter Niklas Rusalo an diesem Morgen aus dem fließenden Verkehr herauswinken. 70 Kilometer pro Stunde sind auf Höhe zweier Parkplätze und einer Abfahrt nach Seulingen auf diesem Abschnitt der Bundesstraße 446 erlaubt. Die Straße ist gut ausgebaut, die Sicht gut. Das verleitet manche, hier zu rasen.

Raser, Gurtmuffel, Handynutzer am Steuer und schlecht gesicherte Häuser hatten Polizisten am Dienstag im Eichsfeld im Visier. Den Präventionstag mit etlichen Kontrollen haben Studenten der Polizeiakademie organisiert.

 

Mit Laserpistole und Kelle: Kontrolle im Viererteam

Ihr Pech: Etwa 300 Meter vor Weißenborn und Rusalo haben sich zwei ihrer Kollegen mit einer Laserpistole positioniert und messen das Tempo vorbeifahrender Autos. Fährt jemand zu schnell, geben sie per Funk eine kurze Beschreibung durch, nur einen Augenblick später sehen die Fahrer die rote Kelle und müssen stoppen.

102 Kilometer pro Stunde hatte einer der schnellsten Raser an diesem Morgen auf dem Tacho. Die Folge: 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in der Verkehrssünderdatei. Mit einem kleinen Mercedes war der Eichsfelder im frühen Rentenalter unterwegs. „Da habe ich wohl nicht aufgepasst“, räumt er ohne zu murren ein – und ärgert sich vor allem „über meine eigene Doofheit“. Die wenigsten machen den Polizisten Vorwürfe oder beschimpfen sie. „Ich hab’ ja selber Schuld“, sagt ein anderer, als er per Karte das Verwarngeld in Höhe von 20 Euro bezahlt hat – Bargeld kassieren die Beamten nicht. Nach Abzug eines Toleranz-Wertes war er 15 Stundenkilometer zu schnell unterwegs. „Ich bin ein bisschen in Eile und war in Gedanken“, entschuldigt er sich. Allzu oft komme das nicht vor, versichert der Mann um die 30. Er sei im Außendienst beschäftigt und fahre im Jahr etwa 50 000 Kilometer, bisher sei er aber nur zweimal wegen geringer Überschreitungen

Die Polizei in Duderstadt kontrolliert den ganzen Tag über an unterschiedlichen Punkten im Eichsfeld den Verkehr. Quelle: Peter Heller

erwischt worden.

Ähnlich geht es auch einer älteren Frau. Sie war nach Toleranzabzug 16 km/h zu schnell unterwegs und muss ein Verwarngeld in Höhe von 30 Euro zahlen. „Das tut mir Leid“, entschuldigt sie sich bei den Polizisten und ist selber ganz erschrocken, dass sie das Tempo-70-Schild übersehen hat. Sie habe gerade ihre Mutter im Pflegeheim besucht, „und da war ich wohl in meinen Gedanken noch“.

Es ist solche Gedankenlosigkeit, aber auch Rücksichtslosigkeit, die Autofahrer immer wieder zu schnell fahren lässt. Die häufige Folge: schwere Unfälle. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei im Raum Göttingen 8668 Verkehrsunfälle. Hauptursache: zu hohe Geschwindigkeit. Vor diesem Hintergrund kontrolliert sie immer wieder – an diesem Montag verstärkt im Eichsfeld. Zwei Stunden lang messen Beamte die Geschwindigkeit der Autofahrer auf der B 446, weitere sind bis 16 Uhr in Streifenwagen unterwegs. Dabei achten sie auf zwei weitere Fehler, besonders Ablenkung durch elektronische Geräte – vor allem Handys – und die Anschnallpflicht. Ihre Bilanz laut Weißenborn: fünf Geschwindigkeitsverstöße, 12 erwischte Gurtmuffel und vier Handy-Verstöße.

Ein Polizist misst die Verkehrsgeschwindigkeit. Quelle: Peter Heller

Zum Kontrollteam gehören auch vier Studenten der Polizeiakademie. Im Rahmen ihrer Ausbildung in der Praxis müssen sie eigenständig Projekte vorbereiten und organisieren, erklärt Anwärter Rusalo. Für diesen Kontrolltag haben sie eine Präventionsaktion gegen Einbrecher vorbereitet. „Jetzt kommen die Tage mit langer Dunkelheit, erfahrungsgemäß erhöht sich dann die Zahl der Einbrüche“.

Kontrollblatt und Broschüren als Prävention

Um das zu vermeiden, ziehen die Polizisten am frühen Abend durch ausgewählte Wohngebiete im Untereichsfeld. Dabei schauen sie unter anderem, ob Anwohner Fenster gekippt, Wertsachen offen in Räumen liegen und ihr Haus ohne Bewegungsmelder komplett im Dunkeln lassen. So etwas lade Einbrecher geradezu ein, erklärt Rusalo. Werden die Polizisten fündig, kreuzen sie ihre Beobachtung auf einem vorbereiteten Infoblatt an und stecken es mit einer Broschüre zum Einbruchsschutz in den Briefkasten.

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Einbrecher kommen vermehrt im Winter

Die Haupttatzeit für sogenannte Tageswohnungseinbrüche liegt in den Monaten November bis Januar, sagt Marko Otto, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Göttinger Polizei. In dieser Jahreszeit seien die Tage am allerkürzesten und es sei anhand von fehlender Beleuchtung besonders leicht erkennbar, ob das Objekt gerade belebt ist oder nicht. Als besondere Hotspots hinzu kämen Weihnachten und Silvester, weil sich zu den Feiertagen „definitiv“ mehr Geld und Schmuck in den Wohnungen und Häusern befindet.

2018 gab es laut Polizeistatistik im Raum Göttingen-Eichsfeld 376 Einbrüche, davon 132 Tageseinbrüche in der Zeit von 6 bis 20 Uhr. Insgesamt ist die Zahl der Einbrüche schwankend. Nach 319 und 338 in den Jahren 2013/14 stieg die Zahl auf 513 und 520 in den Jahren 2015/16. Seitdem ist sie wieder rückläufig: auf 403 im Jahr 2917 und 376 im vergangenen Jahr. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor. Etwa 40 Prozent der registrierten Taten endeten allerdings im Versuchsstadium, so Otte.

Kontrollen auch in Northeim / Strafe je nach Lage

Bereits am Montag haben Polizisten auch in Northeim Geschwindigkeiten gemessen. Eineinhalb Stunden hatten sich Beamte nach eigenen Angaben an der Einbecker Landstraße positioniert. Ihre Bilanz: 15 Verstöße. Zehn Fahrer kamen mit einem Verwarngeld davon, fünf müssen sich auch auf Punkte in Flensburg einrichten. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 86 Stundenkilometer statt der erlaubten 50 km/h. Diesen Fahrer erwartet neben einem Bußgeld und zwei Punkten in Flensburg auch ein Fahrverbot.

Die Höhe eines Verwarngeldes oder Bußgeldes richtet sich nach dem Vergehen, bei Tempoverstößen aber auch nach der Ortslage. Innerhalb einer Ortschaft wird zu schnelles Fahren höher bestraft als außerhalb. Beispiel: Bei einer Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit um 16 bis 20 km/h im Ort werden 35 Euro fällig, beim gleichen Fehler außerhalb einer geschlossenen Ortschaft 30 Euro. Bei 21 bis 25 km/h zu schnellen Fahrens gibt es in beiden Fällen einen Punkt, dazu innerhalb der Ortschaft 80 Euro Strafe, auf der Landstraße 70 Euro.

Von Ulrich Schubert

Ein Schaden von 6000 Euro ist am Montag gegen 14.20 Uhr bei einem Unfall in der Herzberger Straße in Katlenburg entstanden, so die Polizei. Ein 79 jähriger Fahrer übersah beim Ausparken ein nahendes Auto.

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