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Duderstadt Krebstherapie: Vier Millionen Euro in Labor investiert
Die Region Duderstadt Krebstherapie: Vier Millionen Euro in Labor investiert
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20:24 09.12.2012
Sterilität ist oberstes Gebot: Elisabeth Bauer (links) und Carolin Montag im Reinraumlabor.
Sterilität ist oberstes Gebot: Elisabeth Bauer (links) und Carolin Montag im Reinraumlabor. Quelle: Walliser
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Duderstadt

Die Einrichtung in Duderstadt gehört jetzt zu den modernsten in Deutschland. Investiert wurden rund vier Millionen Euro auf einem Grundstück des ehemaligen LNS-Geländes.

Drei Eingangsschleusen müssen die Mitarbeiter des Labors durchlaufen, bevor sie an ihren Arbeitsplatz gelangen. „In jeder Schleuse müssen sie sich komplett umziehen“, sagte Thomas Neßelhut bei einem Rundgang durch das Gebäude. Dabei werde die Kleidung Stück für Stück keimfreier, bis in der dritten Schleuse schließlich ein Overall übergestreift werde, der ausschließlich von innen berührt werde dürfe und so nahezu hundertprozentige Sterilität garantiere. Mundschutz, Kapuze und Handschuhe komplettieren die Arbeitskleidung.

Hoher Standard nötig wegen infektiösem Material

Während der Arbeit überwacht ein Gerät ständig die Laborluft auf Partikel, die potenziell Keime  tragen könnten. Sowohl die ein- als auch die ausströmende Luft wird gefiltert, im Labor selbst herrscht Überdruck – nichts kann nach außen dringen. Dieser hohe Standard ist nötig, wenn mit infektiösem Material gearbeitet wird, „und das lässt sich grundsätzlich nie ausschließen“, sagt Neßelhut. Die Praxisgemeinschaft nutzt das Labor, um Immunzellen für die Krebstherapie herzustellen, so genannte dendritische Zellen.

Die Ausgangszellen werden aus dem Blut des Tumorpatienten gewonnen. In einem einwöchigen Prozess werden die Zellen so verändert, dass sie nach Rückgabe an den Patienten die körpereigene Abwehr dazu bringen, auf den Tumor einzuwirken. Neßelhut und sein Partner Jan Hinrich Peters gelten als Pioniere auf dem Gebiet der Immuntherapie mit dendritischen Zellen, die sich nach und nach als eine neue Behandlungssäule in der Krebstherapie zu etablieren beginnt. „Weitere Forschung ist unbedingt nötig“, sagt Peters, der bis zu seinem Ruhestand Leiter der Abteilung Immunologie am Göttinger Universitätsklinikum war.

„Wir versprechen keine Wunder“

Seit 1999 sind in der Praxis Neßelhut etwa 4000 Patienten behandelt worden, viele davon aus den USA.  „Wir versprechen keine Wunder“, betont Thomas Neßelhut. „Wir können aber bei vielen Patienten ein Plus an Lebensqualität und eine Steigerung der Überlebenszeit beobachten.“ Der Gynäkologe und Biochemiker plädiert daher auch für eine Kombination von Chemo- und Immuntherapie.

Für die Forschung konnten Mittel des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums eingeworben werden; das Land unterstützte den Bau des Labors durch die N-Bank mit einem Anteil von 30 Prozent. Das Reinraumlabor stellt lediglich den ersten Bauabschnitt eines geplanten Therapiezentrums dar. Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) hob die Bedeutung der 40 Arbeitsplätze für die Region hervor. Der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch sprach von einer Chance für Duderstadt „sogar auf wissenschaftlichem Gebiet“.

Von Birgit Freudenthal