Kritische Zeiten für Fichten und Buchen im Stadtforst Duderstadt
Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Enorme Schäden im Stadtforst Duderstadt
Die Region Duderstadt Enorme Schäden im Stadtforst Duderstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 19.09.2019
Als Folge der Trockenheit sterben in Niedersachsens Wäldern immer mehr Buchen.
Als Folge der Trockenheit sterben in Niedersachsens Wäldern immer mehr Buchen. Quelle: dpa
Anzeige
Duderstadt

Forstoberrat Michael Degenhardt und Bezirksförster Joachim Säger berichteten im Ausschuss für Wirtschaft, Finanzen und Tourismus über den Zustand des Duderstädter Waldes. Mit einigen Mitgliedern hatten sie sich im Vorfeld der Sitzung einige betroffene Flächen besucht. „Wir haben einen jungen Fichtenbestand angeschaut, der komplett vom Borkenkäfer zerstört worden ist“, erzählte Degenhardt. Der Bestand werde aber zunächst stehen gelassen. Denn der Bezirksförster sei komplett in den Ameisenschutz eingearbeitet. Und dort lebe die Große Rote Waldameise. Würde der Bestand gleich entnommen wären die Ameisen ungeschützt. Deshalb soll erst aufgeforstet werden. Darüber hinaus habe sich die Gruppe einige Buchenkronen im Stadtforst angeschaut.

Stürme und Niederschlagsdefizit

Degenhardt erinnerte auch an die Schäden, die im Vorfeld durch Stürme entstanden seien. Dabei nannte er vor allem Friederike, die am 18. Januar 2018 doppelt so viel Schaden angerichtet hatte wie Kyrill einige Jahre zuvor. Und vor Friederike habe es im Herbst bereits einige Stürme gegeben. Ebenfalls verantwortlich für die kritische Lage im Duderstädter Stadtforst sei das Niederschlagsdefizit von minus 250 Millimetern. „Minus 80 ist für Fichten kritisch, minus 180 für Buchen“, erklärte Degenhardt. Der Boden sei bis zu zwei Metern Tiefe trocken, ergänzte Säger.

Borkenkäfer

Für die Borkenkäfer sei es dann ein leichtes gewesen, die geschwächten Fichten zu befallen. Bereits im Winter habe sich gezeigt, dass es in Duderstadt mehr Borkenkäfer gebe als ursprünglich gedacht, so Säger. „Aus einer komplett befallenen Fichte mit 1200 Weibchen im Frühjahr entstehen in drei Generationen bis zu 18 Millionen Borkenkäfer“, machte Degenhardt die Gefahr deutlich. Trotz Maßnahmen wie Waldläufern und Pheromonfallen hätten er und sein Team die Lage nicht in den Griff bekommen. „Es war mit unseren Mitteln nicht möglich, sie zu stoppen.“ Vor Friederike seien alle noch von einer Preissteigerung des Fichtenholzes ausgegangen. Was dann kam, sei eine gigantische Entwertung geworden.

Extreme Hitze

Durch die extreme Hitze und Dürre zeichne sich aber auch ein Buchensterben ab. Die Bäume hätten kein Laub in den Kronen. Am Stamm sei ein Schleimfluss zu sehen. Das komme daher, dass die Rinde an einigen Stellen abgestorben sei und sich dort Pilze festsetzen. Erfahrungen aus den 1960er-Jahren hätten gezeigt, dass so ein Buchensterben bis zu zehn Jahre andauern könne.

Drei- bis vierfache Menge

Säger erklärte, dass in den städtischen Forsten 2500 Festmeter pro Jahr entnommen wurden. „Im vergangenen Jahr waren es 8500 Festmeter, also die drei- bis vierfache Menge des üblichen Jahreseinschlags.“ In diesem Jahr seien bereits 3500 Festmeter aufgearbeitet worden, weitere 7000 Festmeter stünden noch aus. Im vergangenen Jahr seien die Fachleute davon ausgegangen, dass sie circa 80 Hektar aufforsten müssen. „Das wird auf jeden Fall mehr werden“, so Säger.

Wie im Jahr 1997

Der Bezirksförster rechnet mit einem Ausmaß wie bei der Sturmkatastrophe von 1997. Damals seien es 114 Hektar gewesen. Damals sei nur die Region betroffen gewesen, jetzt stehe aber das gesamte System unter Druck, ergänzte Degenhardt. Damals sei die Wiederaufforstung in drei Jahren gelungen, jetzt werde mindestens mit fünf gerechnet. Zunächst sollen die Standorte kartiert werden und dann die passenden Bäume für den Untergrund gefunden werden. Die Wiederaufforstung betreffe vor allem die Fichtenbestände. Bei den Buchen gehe es nur um einen Vermögensverlust.

Geschichte des Duderstädter Stadtwalds

Der erste Waldbesitz der Stadt Duderstadt reicht zurück bis ins Mittelalter, als im 13. Jahrhundert das Revier Lindenberg mit 224 Hektar in den Stadtbesitz überging. 1373 kaufte die Stadt das Revier Hübental (98 Hektar), 1379 kam ein Hauptteil vom Revier Rote Warte (200 Hektar) hinzu. Anfang des 15. Jahrhunderts erwarb die Stadt den Forstbezirk Huxtal mit (25 Hektar) sowie eine Parzelle im Soolbach (42 Hektar). Der lang gestreckte Duderstädter Knick westlich der Dörfer Seulingen, Desingerode und Nesselröden (75 Hektar) wurde 1683 erworben. Während des Zweiten Weltkrieges verkaufte die Stadt rund 20 Hektar an die Gemeinde Nesselröden. Bis 1945 bewirtschaftete die Stadt rund 635 Hektar Waldfläche. Die innerdeutsche Grenze trennte das Revier Lindenberg und den größten Teil vom Revier Rote Warte (395 Hektar) ab. Bis 1989 blieben der Stadt Duderstadt also nur 304 Hektar Waldfläche. Nach der Deutschen Einheit erhielt Duderstadt die Fläche auf Thüringer Gebiet. Das Forsteigentum umfasst seitdem etwa 700 Hektar Waldflächen, davon sind 520 HektarWirtschaftswald.

Von Rüdiger Franke

19.09.2019
Stiftung im Eichsfeld - NDR zeigt Film über Heinz Sielmann
19.09.2019