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Duderstadt Kühle Kultstätten tief in den Bergen des Harzes
Die Region Duderstadt Kühle Kultstätten tief in den Bergen des Harzes
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19:06 13.07.2009
Licht am Ende des Rundgangs: Die Einhornhöhle bei Scharzfeld gilt als größte begehbare Höhle des Westharzes .
Licht am Ende des Rundgangs: Die Einhornhöhle bei Scharzfeld gilt als größte begehbare Höhle des Westharzes . Quelle: EF
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Nicht nur Dichter und Denker faszinierten die märchenhaften Welten im Inneren der Erde. Bereits in vorchristlicher Zeit waren sie Zufluchtsorte für Mensch und Tier, was die vielen Knochenfunde beweisen. Oft sind sie Raum und Ursprung für Sagen und Mythen. Seit dem 17. Jahrhundert werden die Höhlen interessierten Besuchern zugänglich gemacht.

Nach nur einer halben Stunde Fahrtzeit von Duderstadt erreicht man den kleinen Ort Scharzfeld. Am Harz gelegen ist er vor allem durch die Steinkirche und die Einhornhöhle bekannt. Der fast rechteckige Höhlenraum der Steinkirche oberhalb des Ortes wurde schon vor etwa 10000 Jahren von Rentierjägern genutzt, was Grabfunde belegen. Später verwendeten ihn die Germanen als Kultstätte und seit dem frühen Mittelalter wurden hier christliche Gottesdienste abgehalten. Der Vorplatz des Höhlenraumes bietet einen atemberaubenden Blick auf das Harzvorland.

Nach einer einstündigen Wanderung von der Steinkirche durch den lichten Mischwald erreicht man den Eingang der Einhornhöhle, welche als die größte begehbare Höhle des Westharzes gilt. Bisher hat man allerdings nicht die Knochen des sagenumwobenen Einhorns gefunden, sondern lediglich die von Wisent und Riesenhirsch. Auch Goethe und Schiller ließen sich einst von den schimmernden Sälen der Höhle inspirieren. Heute finden hier regelmäßig Theaterveranstaltungen statt.

Die bekannten Künstler Christoph Huber und Stefan Dehler vom Theater Stille Hunde stellen in den Sommerferien, am 1. August, die „Geschichte vom kleinen Maulwurf“ vor, und am 25. September sieht man die beiden Schauspieler auf dem „Nibelungen-Event“. Beide Veranstaltungen sind im Schillersaal der Einhornhöhle zu sehen. Führungen durch die Höhle finden in der Sommersaison täglich zu jeder vollen Stunde zwischen 10 und 16 Uhr statt.

Älteste Schauhöhle der Welt

Quer über den Harz führt die B 27 nach Rübeland, wo gleich zwei Höhlen die Besucher empfangen: die Rübeländer Tropfsteinhöhlen. In der Baumannshöhle – benannt nach ihrem Entdecker, dem Bergmann Friedrich Baumann – finden schon seit 1646 Führungen statt. Damit ist sie eine der ältesten Schauhöhlen der Welt. Gefunden wurden bereits Bärenknochen und Gebrauchsgegenstände von Steinzeitmenschen.

Ab Ende Mai werden auch hier Theaterstücke im größten Höhlenraum, dem Goethesaal, aufgeführt. In diesem Sommer stehen „Hänsel und Gretel“ und „Das kalte Herz“ auf dem Spielplan.

Die gegenüberliegende Hermannshöhle wurde 1866 bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Nach ihrem Erforscher Hermann Grotian benannt, reizt diese Höhle besonders durch ihre Fauna mit Grottenolmen im Olmensee und Fledermäusen. Eindrucksvoll sind auch die unterirdischen Welten der „Kristallkammer“ und des steinernen „Märchenwaldes“.

Für Kinder sind in den Rübeländer Tropfsteinhöhlen besondere Erlebnisführungen zu buchen, wobei spielerisch und mit Hilfe von Arbeitsblättern über Höhlenforschung und Höhlenschutz informiert wird.

Das Höhlenerlebniszentrum (HEZ) hinter Bad Grund ist gleichermaßen der Eingang zur Iberger Tropfsteinhöhle. Das erst im Juli 2008 eröffnete Zentrum bietet nicht nur anschaulich und informativ Wissenswertes über Geologie, Erdgeschichte und die Entstehung von Höhlen. Hier sind auch die sensationellen Funde aus der bei Osterode liegenden Lichtensteinhöhle zu sehen.

3000 Jahre alte Skelette

Erstmalig in der Menschheitsgeschichte konnten 3000 Jahre alte Skelette einer Familie zugeordnet werden, deren DNA so gut erhalten war, dass man daraufhin 40 heutige Nachkommen ausfindig machen konnte. Den nachgebildeten Gesichtern der bronzezeitlichen Menschen kann man im HEZ in die Augen sehen. Vergleiche mit den filmisch festgehaltenen Nachkommen sind erwünscht – verblüffende Ähnlichkeiten haben sich über Jahrtausende erhalten.

Hinter dem HEZ führt ein Wanderweg über gut sechs Kilometer durch Laub- und Nadelwald hinauf zum Iberger Albertturm. Für die dortige Waldgaststätte hat sich die Inhaberfamilie Kalweit ein besonderes Sommervergnügen ausgedacht: Von Juni bis August wird jeden Sonntag Punkt 16 Uhr eine Schneeballschlacht mit Schneemannbau veranstaltet. Dafür wurde echter Harzer Schnee in den Wintermonaten eigens in einem Kühlhaus eingelagert, um in der Sommersaison den Wanderern ungewöhnlichen Spaß zu bieten.

Von Claudia Nachtwey

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