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Duderstadt Künstlerischer Anstrich für Hühner- und Gänseeier
Die Region Duderstadt Künstlerischer Anstrich für Hühner- und Gänseeier
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19:25 08.03.2012
Von Anne Eckermann
Eierparade: Renshäuser Hähne sind Morgensterns Markenzeichen.
Eierparade: Renshäuser Hähne sind Morgensterns Markenzeichen. Quelle: Thiele
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Renshausen

Mit sanftem Schwung führt Christa Morgenstern den Pinsel über das weiße Hühnerei, setzt noch dreimal an und präsentiert dem staunenden Betrachter eine Tulpe, die in puncto Schönheit ihrem blühenden Original in nichts nachsteht. „Das ist wirklich ganz einfach“, versucht die Künstlerin aus Renshausen auch Skeptiker zu überzeugen. Die 53-Jährige, die seit 15 Jahren in dem Dorf Renshausen lebt und dort ihre kleine Galerie eingerichtet hat, wurde in der Nähe von Heidelberg geboren. Als ihr Mann aus beruflichen Gründen zum elften Mal versetzt wurde – dieses Mal nach Göttingen – siedelte sich die Familie am Rande des Eichsfeldes an und blieb.

Morgenstern malt Aquarelle. Und zu Ostern kommen die eben auch auf die Eier. Hunderte noch weißer, zerbrechlicher Hüllen türmen sich auf einem Arbeitstisch im Wohnzimmer, unzählige sind bereits mit Fantasiedörfern, Blumengebinden oder toskanischen Landschaften verziert – und mit den bekannten Morgenstern-Hähnen und -Hühnern, die allesamt zu lächeln scheinen. Das Geflügel („Die Originale laufen bei uns im Hof herum“) lässt Sammlerherzen höher schlagen, die Nachfrage bei der Künstlerin ist groß. „Sie glauben gar nicht, wie viele Eier-Sammler es gibt“, wundert sich die 53-Jährige manchmal selbst und greift zum nächsten Exemplar, um mal flugs in knapp einer Minute ein Rosengebinde zu kreieren.

Woher kommen die Rohlinge? Pusten die Morgensterns die alle selbst aus? „Nein“, wehrt  die Pinsel-Virtuosin lachend ab, die kaufe sie komplett beim Händler. Nur ganz saubere, industriell gereinigte Eier werden von ihr verarbeitet: „Wenn da noch Ei-Reste drin bleiben, gibt es Ungeziefer, und es stinkt.“ Ganz davon abgesehen, dass das Ausblasen von rund 500 Hühner- und Gänseeiern pro Saison allein zeitlich nicht machbar wäre. Die Eier-Saison startet für Morgenstern im Februar – wenn der Weihnachtsschmuck weggeräumt und der zeitliche Druck so groß ist, dass die Kreativität ungehindert fließen kann. „Dann male ich zwischen Wäsche, Haushalt, Malunterricht und manchmal bis nachts um vier“, beschreibt sie ihre ganz persönliche Vor-Osterzeit.

Schon als Kind brachte Morgenstern mit Begeisterung Motiv über Motiv in zarten Farben aufs Papier. Zunächst mit dem einfachen Tuschkasten, der allerdings nur eingeschränkte Möglichkeiten bei Farbauswahl und Mischungen bietet. „Hätte ich damals schon Aquarellfarben gehabt, wer weiß, wie meine berufliche Laufbahn ausgesehen hätte“, blickt die gelernte Übersetzerin zurück. Die Leidenschaft für das Eier-Bemalen hat eine gute Freundin in ihr geweckt. Die bekannte Kalligraphin gestaltet selbst Eier.

„Bei einem gemütlichen Abend  meinte sie, wenn ich auf Papier malen könne, dann könne ich das auch auf einem Ei“, erzählt die Renshäuserin, die mit ihren speziell angefertigten Pinseln durchaus auch Eier nach Wunsch verziert. Beim Motiv lässt sie allerdings nicht mit sich handeln: „Die bleiben immer gleich, nur bei den Farben bin ich für alles offen. Das sind die Hähne eben mal rot-schwarz statt gelb-grün“. Nur ein einziges Mal ist sie schwach geworden: Als Dauergast beim Göttinger Ostermarkt am Gänseliesel hat sie auf vielfachen Wunsch die Symbolfigur mit in ihr Repertoire aufgenommen, jetzt gibt es die Brunnenfigur auch auf gewölbter Oberfläche.

Morgenstern hat gemeinsam mit anderen Künstlern und Kunsthandwerkern die „Kunst aufs Dorf geholt“ und organisiert immer wieder Ausstellungen. Die nächste steht unmittelbar bevor. Am kommenden Wochenende, 10. März, von 14 bis 18 Uhr, und 11. März, 11 bis 18 Uhr, gibt es in der Galerie bei Kaffee und Kuchen nicht nur jede Menge künstlerisch gestaltete Oster-Eier, sondern auch handgefertigte Keramik, Seifen, Foto-Kunst und Unikatschmuck.