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Duderstadt Flucht und Tod: Kunstschüler arbeiten zu 30 Jahren Mauerfall
Die Region Duderstadt Flucht und Tod: Kunstschüler arbeiten zu 30 Jahren Mauerfall
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14:42 24.09.2019
Einige haben sich dann doch auf das Foto getraut: Seit sechs Monaten arbeiten Neuntklässler des Atelierkurses mithilfe von Lehrerin Nadja Schminke an ihren Kunstwerken. Quelle: Garben
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Duderstadt

Noch vor 30 Jahren war Deutschland offiziell geteilt, eine Zeit, die für die Schüler des Atelierkurses am Eichsfeld Gymnasium einerseits sehr weit weg ist, waren sie damals doch noch lange nicht geboren, andererseits aber auch sehr nahe, weil sie sich seit sechs Monaten künstlerisch mit Menschen auseinandersetzen, die eine Flucht aus der damaligen DDR in den Westen gewagt haben. Einige von ihnen bezahlten das mit ihrem Leben.

So wie Peter Fechter. Bei dem Versuch, die Berliner Mauer zu überklettern, wird der 18-Jährige angeschossen und stundenlang liegengelassen, bevor er im Krankenhaus stirbt. Hubert Hohlbein hingegen hatte mehr Glück. Mit einem Taucheranzug gelingt es ihm, im November 1963 den Jungfernsee zu durchschwimmen. Mit dem Schicksal der beiden Männer beschäftigen sich Lina und Rosa. Besonders Hohlbeins starker Wunsch, studieren zu können (was ihm in der DDR verwehrt worden war), beeindruckt die Mädchen, da sie sich selbst gerade mit dem Thema beschäftigten. Um die Geschichte der beiden Männer zu würdigen, haben sie einen kleinen See und ein Stück Grenzzaun in ihr Objekt eingearbeitet. Ein Motiv, das sich durch fast alle Arbeiten zieht.

Dunkle Töne und Stacheldraht

Zu der spektakulären Flucht von Holger und Ingo Bethke, die ihren jüngsten Bruder Egbert Jahre mit Ultraleichtfliegern nach Westdeutschland brachten, arbeiten Luisa und Joelle. Es sei beeindruckend und bemerkenswert, wie sie sich zusammengetan hätten, um ihren kleinen Bruder aus der DDR herauszuholen. Wenn man selbst Geschwister habe, denke man darüber nach, wie es sich anfühle, so getrennt zu sein, sagt Luisa. Die Schülerinnen haben Kopien von Fotos verwendet, die das Geschwister-Trio als Kinder und als Erwachsene zeigen. Darüber zieht sich Stacheldraht, sodass „man sieht, wie gefangen sie waren“, erklärt Joelle.

Nur einen Tag vor ihrem 59. Geburtstag stirbt Ida Siekmann bei dem Versuch, sich mit einem Sprung aus dem Fenster ihrer Wohnung auf die Westseite Berlins zu retten, während ihr Haus an der Sektorengrenze verbarrikadiert wurde. Angelehnt an eine Gedenktafel, die ihr zu Ehren errichtet wurde, haben Phillip und Juliette einen Grabstein ins Zentrum ihrer Arbeit gestellt. Wie viele ihrer Mitschüler auch arbeiten sie vorwiegend mit dunklen Farben. Es solle absichtlich etwas trostlos wirken, sagt Phillip.

„Wenn man sieht, wie das ausgesehen hat – so was kannte man ja nicht“, sagt Mariam. Gemeinsam mit Lina, Sarah und Saskia beschäftigt sie sich mit Tunnel 57, einem Fluchttunnel, durch den – wie der Name schon sagt – 57 Menschen aus der DDR in die BRD fliehen konnte. Heute sei es ja normal sich frei zu bewegen, ganz anders als damals. Steine und Stacheldraht finden sich auch bei ihnen.

Verletzungen und Schmerz

Deutlich mehr Farbe kommt bei Larissa und Josefine zum Einsatz. Inspiriert von dem Film „Ballon“, verarbeiten sie die tatsächliche Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel aus der DDR nach Westdeutschland mit einem selbst gebauten Heißluftballon. Man solle darüber sprechen, was damals vorgefallen ist, „damit so etwas nicht noch mal passiert“, sagt Lina über die Geschichte des geteilten Deutschlands. Im Fall der beiden Familien sei die Flucht „zum Glück gut ausgegangen“, ergänzt Josefine.

Mit weißen Kitteln getarnt, versuchen Christian Buttkus und seine Verlobte Ilse P. Im Schneetreiben die Grenze zu überqueren. Buttkus wird erschossen, Ilse P. verletzt. Sie wird später zu mehreren Monaten Haft verurteilt. Ihre Geschichte thematisieren Laura und Mara. Etwas allgemeiner halten es Max und Lia. Sie wollen mit ihrem Objekt einen Überblick über die damalige Zeit geben. Durch ihre Arbeit an dem Projekt hätten sie vieles erfahren, das sie vorher noch nicht gewusst hätten. Sie haben unter anderem Nägel verwendet, die für die vielen „Verletzungen und den Schmerz“ der Menschen stünden, erklärt Lia.

Projekt und Ausstellung

16 Neuntklässler des Atelierkurses arbeiten seit einem halben Jahr zum Thema 30 Jahre Mauerfall. Unterstützt werden sie dabei vom Verein „Kunst bist Du...derstadt“. Die Mitglieder stellen im November zu dem Thema aus und haben die Schüler eingeladen, sich mit eigenen Objekten zu beteiligen. Der Schwerpunkt der Schülerarbeiten liege auf dreidimensionaler Objektkunst, erklärt Kunstlehrerin Nadja Schminke. Zur Vorbereitung haben die Kursteilnehmer das Grenzlandmuseum Eichsfeld besucht und intensiv zum Thema recherchiert. Dabei habe sich schnell herauskristallisiert, dass die Schüler gerne zum Schicksal von Menschen arbeiten wollten, die Fluchtversuche unternommen haben. Herausgekommen seien beeindruckende Objekte „auf Oberstufenniveau“, lobt Schminke. Für den guten Zweck werden im Rahmen der Ausstellung auch ein oder zwei Stühle versteigert, die von ehemaligen Atelierkursteilnehmern zum gleichen Thema gefertigt wurden. Die Vernissage findet am 8. November um 18 Uhr im Duderstädter Rathaus statt. Anschließend kann die Ausstellung drei Wochen lang besucht werden.

Von Nora Garben

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