Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Larissa Brodt webt Stuhlbehänge für den Papst
Die Region Duderstadt Larissa Brodt webt Stuhlbehänge für den Papst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:43 09.08.2011
Eine erfahrene Weberin braucht für einen Stuhlbehang mit Papstwappen zehn Tage: Larissa Brodt bei der Arbeit.
Eine erfahrene Weberin braucht für einen Stuhlbehang mit Papstwappen zehn Tage: Larissa Brodt bei der Arbeit. Quelle: Pförtner
Anzeige
Besenhausen

Brodt webt die beiden Tücher, die am Freitag, 23. September, die Stühle des Papstes auf den Altarbühnen in Erfurt und Etzelsbach schmücken werden. Dort wird das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken jeweils Gottesdienste halten.

„Jeder Papst hat sein eigenes Wappen, das seinen Stuhl in der Kirche schmückt“, erläutert Pfarrer Franz-Xaver Stubenitzky aus Steinbach. Zu seiner Gemeinde gehört der Marienwallfahrtsort Etzelsbach im Obereichsfeld. Benedikts Wappen setzt sich aus der Kopfbedeckung der Bischöfe, der Mitra, und zwei gekreuzten Schlüsseln zusammen. Auf dem Wappenschild sind der gekrönte Kopf eines Afrikaners, ein Bär und eine Jakobsmuschel zu sehen.

Bär und Kopf nehmen Bezug auf das Bistum München-Freising, dessen Erzbischof der heutige Papst im Jahr 1977 geworden war. Der erste Bischof von Freising, der Heilige Korbinian, soll einst beim Überqueren der Alpen von einem Bären angegriffen worden sein. Er zähmte das Tier, das ihm anschließend brav das Gepäck trug. Der „Freisinger Mohr“, wie der Kopf in bayrischer Tradition heißt, erinnert daran, dass im 12. Jahrhundert ein Freisinger Bischof an einem Kreuzzug teilgenommen hat. Die Muschel schließlich steht für den Heiligen Jakobus, dessen Grab im spanischen Santiago de Compostela ein alter und beliebter Pilgerort ist.

„Das Wappen zu weben, ist nicht einfach“, stellt Textildesignerin Nele Knierim von der Handweberei klar. Allein das Anrühren der Farbe habe drei Tage gedauert. Die Frauen veränderten die Mischung um Hundertstel Gramm, bis sie endlich den richtigen Rot-Ton getroffen hatten. Die Gold und Silberfäden sind übrigens nicht echt. „Das wäre bei den derzeitigen Goldpreisen unbezahlbar“, meint Knierim. Das Weben eines Stuhlbehangs dauert jeweils zehn Tage.

Außerdem stellt die Handweberei für den Gottesdienst in Etzelsbach ein Altartuch aus Halbleinen her, das 140 mal 200 Zentimeter groß ist. Knierim hat dort kleine Kreuze eingewebt. Allein das Einrichten des Webstuhls dauerte drei Tage, erzählt sie. Weitere zehn Tage waren für das Weben nötig. „Man muss sich konzentrieren. Wir haben allein sechs Tritte zu bedienen“, berichtet die Designerin. Ein Fehltritt könne schon mal vorkommen, insbesondere nach der Kaffeepause. Wichtig sei, Webfehler sofort zu erkennen. Dann ließen sie sich vergleichsweise leicht korrigieren. Die Idee, für den Papst zu arbeiten, hatte die Handweberei. „Von hier sind es nur 18 Kilometer bis Etzelsbach“, erklärt Knierim.

Was mit den Tüchern nach der Messe passieren wird, ist noch unklar. Pfarrer Stubenitzky hält sich bedeckt. Es wäre natürlich schön, so ein Erinnerungsstück in der Kirche zu behalten, deutet er an.

Von Michael Caspar