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Duderstadt Berufsjäger vermittelt Wissen über Fangjagd
Die Region Duderstadt Berufsjäger vermittelt Wissen über Fangjagd
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19:00 25.01.2019
Berufsjäger Immo Ortlepp erläutert die Methoden der Fangjagd.  Quelle: Foto: Franke
Duderstadt

Nächtlicher Ruhestörer und auch Vandale: Wer einen Marder als Untermieter hat, möchte ihn schnell wieder loswerden. Doch nicht jeder darf einfach eine Falle aufstellen. Vorher muss ein Lehrgang besucht werden.

Aufklärung gegen schlechten Ruf

Die Jagd mit Fallen genießt bei vielen Menschen keinen guten Ruf. Viele denken an Fangeisen, wie man sie aus Trapperfilmen kennt. „Diese Fallen sind längst verboten“, erklärt Berufsjäger Immo Ortlepp, der in der Wedemark bei Hannover eine Jagdschule betreibt. Einmal im Jahr kommt er auf Einladung der Duderstädter Jägerschaft nach Duderstadt, um einen Fallenlehrgang zu leiten.

Bilder vom Lehrgang:

Berufsjäger Immo Ortleb vermittelt in seinen Kursen das Wissen für die Jagd mit der Falle.

Hohe Strafen

Ortlepp spricht von viel Unwissenheit beziehungsweise Halbwissen in Bezug auf die Fangjagd. Oft werde erwartet, einen Marder einzufangen und dann an anderer Stelle wieder auszusetzen. „Das ist streng verboten“, betont er. Einen Jäger würde es den Jagdschein kosten und dazu eine Strafe von 15 000 Euro. Und auch einem Privatmann drohten 15 000 Euro.

Keine Tiere aussetzen

Das Verbot, Tiere in freier Wildbahn auszusetzen, habe unter anderem den Hintergrund, damit niemand vor einer Jagd noch den Wildbestand anreichern könne, so der Jäger. So dürfe zum Beispiel nach der Aufzucht eines Kitzes, in dem Revier, in dem es ausgesetzt werde, für die Dauer von sechs Monaten kein Rehwild gejagt werden.

Fatale Konsequenzen

Auch dass Marder nicht ausgesetzt werden dürfen, habe seine Gründe. „Wenn ich den Marder zwei Kilometer wegfahre, ist er schneller zu Hause als ich“, erläutert Ortlepp. „Fahre ich ihn 50 Kilometer weg, setze ich ihn in einem fremden Revier aus.“ Das habe fatale Konsequenzen für das Tier, denn es werde von seinen Artgenossen totgebissen. „Das ist ein grausamer Tod“, sagt er. Deshalb bleibe, wenn der Marder verschwinden soll, nur die Möglichkeit, ihn fachgerecht und ohne Schmerzen zu töten. Ein weiterer Grund, der gegen das Aussetzen spreche, sei, dass ein einmal gefangenes Wildtier nicht noch einmal in eine Falle geht.

Berufsjäger Immo Ortlepp erläutert die Methoden der Fangjagd. Quelle: Rüdiger Franke

Kein Verletzungsrisiko

„Wir arbeiten nur mit Lebendfallen“, sagt Ortlepp. „Wir können jede Falle auf dem Spielplatz eines Kindergartens aufstellen.“ Das Verletzungsrisiko sei gleich Null. So sei gewährleistet, dass auch die Tiere ohne Verletzung gefangen werden. „Das ist wichtig, denn es kann auch mal ein Haustier wie Hund oder Katze in eine solche Falle laufen.“ Die würden dann unverzüglich wieder freigelassen. Das gelte auch für streng geschütze Arten wie die Wildkatze.

Jagd auf Raubwild

Mit der Falle werde Raubwild gejagt, so Ortlepp. Dazu zählen Waschbär, Fuchs, Marder und Iltis. Auch der Enok, also der Dachshund, komme mittlerweile immer häufiger vor. Eine Sonderregelung gelte für Dachse. „Sie dürfen nur im freien Revier, nicht aber in besiedeltem Gebiet gefangen werden.“

Seit 38 Jahren

Die Gesetze, Vorschriften und Grundlagen zur Fangjagd vermittelt Ortlepp in seinen Kursen. „Ich organisiere den Fallenkurs seit 38 Jahren“, sagt Jagdprüfer Helmut Nolte von der Jägerschaft Duderstadt. Der zweitägige Lehrgang mit acht Stunden Theorie und acht Stunden Praxis sei wichtiger Bestandteil für die Jungjägerausbildung. Die Teilnehmer kommen nach Noltes Angaben nicht nur aus dem Untereichsfeld, sondern auch aus den Altkreisen Göttingen, Osterode sowie den Landkreisen Eichsfeld und Northeim.

Kursteilnahme für jedermann

„Grundsätzlich darf jeder an einem solchen Kurs teilnehmen“, sagt Ortlepp. Nach erfolgreichem Abschluss dürfe auch jeder Teilnehmer selbst Fallen aufstellen und Tiere fangen. Töten dürfe er gefangene Tiere aber nicht. Dazu müsse er auf jeden Fall den Jäger benachrichtigen.

Straftat

Der Berufsjäger betont abschließend noch einmal, es sei zwar legal, eine Falle zu kaufen und zu besitzen, doch schon das Aufstellen sei eine Straftat. Auskunft über den nächsten Kurs in Duderstadt kann Helmut Nolte geben unter Telefon 05527 / 49 77. Und bei einem ­Problem mit zum Beispiel einem Marder finde man einen Jäger über den örtlichen Hegering oder die Jagdbehörde.

Von Rüdiger Franke

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