Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Letzte-Hilfe-Kurs in Worbis
Die Region Duderstadt Letzte-Hilfe-Kurs in Worbis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 27.07.2019
Simone Senft (links) und Christiane Raabe sind die Kursleiterinnen des Letzte-Hilfe-Kurses. Quelle: R
Anzeige
Worbis/Duderstadt

Es gibt Themen, die mancher am liebsten ausblendet. Tod und Sterben gehören dazu. Mit einem Letzte-Hilfe-Kurs will der St.-Martini-Palliativdienst Eichsfeld Angehörigen die Angst vor der Sterbebegleitung nehmen.

Während die sogenannte spezialisierte ambulante Versorgung von Palliativpatienten im niedersächsischen Teil des Eichsfeldes über die Universitätsmedizin Göttingen erfolgt, übernimmt im benachbarten Thüringen seit Februar 2017 der Palliativdienst Eichsfeld des Duderstädter St.-Martini-Krankenhauses diese Aufgabe. Die beiden ausgebildeten Palliativpflegefachkräfte Simone Senft und Christiane Raabe vom St.-Martini-Palliativdienst Eichsfeld in Worbis haben sich eigens als Kursleiterinnen für die „Letzte Hilfe“ weitergebildet. Am 10. September bieten sie einen ersten Letzte-Hilfe-Kurs im Obereichsfeld in der Zeit von 15 bis 19 Uhr in den Räumen des St.-Martini-Palliativdienstes Eichsfeld am Friedensplatz 3 in Leinefelde-Worbis an.

Konzept noch relativ unbekannt

Erste-Hilfe-Kurse sind gemeinhin bekannt und fester Bestandteil in der Gesellschaft. Noch verhältnismäßig unbekannt sei hingegen das Letzte-Hilfe-Konzept, erklärt Raabe. Die pflegerische Leiterin des St.-Martini-Palliativdienstes Eichsfeld. Es sei vor einigen Jahren von dem Palliativmediziner und Notarzt aus Schleswig, Dr. Georg Bollig, und dem Wiener Palliativ-Care-Experten Prof. Dr. Andreas Heller entwickelt worden und stoße bundesweit auf großen Zuspruch, weiß die 33-Jährige. „Wir haben davon gehört, und wollten das auch in unserer Region bekannter machen.“

Angst nehmen und Hilfestellung geben

Der Letzte-Hilfe-Kurs wendet sich an Menschen, die mit dem Sterben Nahestehender konfrontiert sind und diese in deren letzten Lebensphase begleiten möchten. „Wir wollen ihnen die Angst nehmen und ihnen Hilfestellung geben“, betont Raabe und vergleicht das mit dem klassischen Erste-Hilfe-Kurs. „Die Hinwendung zu Kranken und deren Angehörigen, das Lindern von Schmerzen, Trost im Leid und Begleitung im Sterben sind zentrale Grundsätze unseres Leitbildes als christlicher Palliativdienst“, erklärt Raabe und Senft ergänzt: „Das Kurskonzept passt dazu, diese Werte weiterzutragen.“

St.-Martini-Palliativdienst Eichsfeld

Das Team des St.-Martini-Palliativdienstes Eichsfeld hat seine Arbeit am 1. Februar 2017 in Worbis aufgenommen und besucht todkranke Menschen zuhause. Diese hätten vielfach den Wunsch, nicht im Krankenhaus zu sterben, sondern in vertrauter, heimischer Umgebung. Ergänzend zum normalen Pflegedienst könne das Angebot der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Anspruch genommen werden. „Wir betreuen die Patienten zuhause, bis sie sterben“, berichtet Raabe – ganz gleich, ob es ganz schnell geht, oder mehrere Monate dauert. Die Medikation beispielsweise gegen Schmerzen oder die Wahl der Therapie erfolgen in Absprache mit dem Arzt. Auch arbeiten die Palliativpflegefachkräfte im Netzwerk mit Pflegediensten, Hospizen oder auch Heil- und Hilfsmittelanbietern zusammen.

Patienten haben Anspruch

Viele Patienten wüssten nicht, dass sie einen Anspruch auf Betreuung durch die SAPV haben, erklärt Raabe. Seien die entsprechenden Kriterien erfüllt, übernehme die Krankenkasse die Kosten. Zunächst stelle der Hausarzt eine entsprechende Verordnung aus und der Medizinische Dienst prüfe diese.

Das Angebot des St.-Martini-Palliativdienstes Eichsfeld werde von den Patienten dankbar angenommen, berichtet die Pflegerische Leiterin weiter und nennt die 24-Stunden-Rufbereitschaft als Beispiel. Es stehe immer ein Arzt und eine Palliativpflegefachkraft zur Verfügung, wenn es nötig sei.

Ziele des Letzte-Hilfe-Kurses

Symbolbild Quelle: dpa-Zentralbild

Der Umgang mit dem Tod und die Auseinandersetzung mit dem Sterben werden beim Letzte-Hilfe-Kurs am 10. September thematisiert. Häufig sei das Sterben ein längerer, herausfordernder und oft belastender Prozess mit dem sich viele Menschen unvorbereitet auseinandersetzen müssten. Die Menschen, die den ihnen nahe stehenden Menschen am Lebensende begleiten wollen, kämpften häufig mit eigenen Ängsten und Unsicherheiten. Ihnen die Angst vor der Sterbebegleitung zu nehmen sei das Ziel des Letzte-Hilfe-Kurses.

Die Kursleiterinnen wollen Basiswissen zum Sterben vermitteln, Rat und Anregungen für die Bewältigung herausfordernder Momente geben und Denkanstöße liefern. Auch um Fragen der Vorsorge mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht werde es gehen. Raabe bringt es auf den Punkt, zu was die Kursteilnehmer befähigt werden sollen: „Mit einfach Maßnahmen auch als Laie dazu beizutragen, das Leid des Sterbenden zu lindern.“

Anmeldung erforderlich

Der ersten Letzte-Hilfe-Kurs im Obereichsfeld findet am Dienstag, 10. September, in der Zeit von 15 bis 19 Uhr in den Räumen des St.-Martini-Palliativdienstes Eichsfeld am Friedensplatz 3 in Leinefelde-Worbis statt. Da die Teilnehmerzahl des Letzte-Hilfe-Kurses begrenzt ist, wird um Anmeldung gebeten: telefonisch unter 036074/208230 oder per E-Mail an mpe@kh-dud.de.

Die Autorin erreichen Sie per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de, telefonisch unter 05527/94997-12 oder über Facebook.

Mehr zum Thema:

Der St.-Martini-Palliativdienst Eichsfeld ist eine Einrichtung der St. Martini GmbH Duderstadt. Kontakt: Friedensplatz 3, 37339 Leinefelde-Worbis, Telefon 036074/208 230, E-Mail: mpe@kh-dud.de.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) für Erwachsene der Universitätsmedizin Göttingen: Telefon 0551/3966111, E-Mail: apd@med-uni-goettingen.de

Stationäre Versorgung ermöglicht beispielsweise das Palliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.

Das Palliativzentrum Göttingen im Film:

Es gibt außerdem einen Förderverein für das Palliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen: Telefon 0551/705490, E-Mail: info@palliativ-goettingen.de

In Trägerschaft des Evangelischen Krankenhauses Weende kümmert sich das Hospiz an der Lutter stationär an der Humboldtallee 10 in Göttingen um Menschen, deren Leben sich dem Ende neigt: Telefon stationäres Hospiz 0551/50343800 und ambulantes Hospiz 0551/50343821.

Das Hospiz an der Lutter hatte im Juli 2019 ebenfalls einen Letzte-Hilfe-Kurs angeboten.

Im Eichsfeld können sich Angehörige auch an den Hospizverein Eichsfeld wenden. Der Hospiztreff in der Bahnhopfstraße 38 in Duderstadt ist mittwochs und an jedem zweiten Sonnabend im Monat jeweils von 1o bis 11.30 Uhr geöffnet. Trauerbegleiter des Vereins sind darüber hinaus über das Hospiz-Handy unter 0171 / 33 55 899 zu erreichen.

Über den Alltag und die Arbeit der Mitarbeiterinnen der Sozialstation Untereichsfeld in der ambulanten Pflege hat das Tageblatt im November 2018 berichtet.

Das Palliativ-Portal im Internet bietet unter anderem eine Übersichtskarte, wo überall sich Ambulante Dienste, Hospize oder Palliativstationen befinden.

Von Britta Eichner-Ramm