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Duderstadt Lichtermeer zu Mariä Himmelfahrt
Die Region Duderstadt Lichtermeer zu Mariä Himmelfahrt
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18:40 16.08.2011
Unzählige Kerzen: Tausende Gläubige feiern nach Einbruch der Dunkelheit Mariä Himmelfahrt auf dem Höherberg .
Unzählige Kerzen: Tausende Gläubige feiern nach Einbruch der Dunkelheit Mariä Himmelfahrt auf dem Höherberg . Quelle: Tietzek
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Höherberg

Michael Czech aus Mingerode trug Marienlieder über Lautsprecher vor. Vier Träger aus den drei Orten der Seelsorgeeinheit Gieboldehausen führten die Prozessionsmadonna aus Bodensee mit sich. An die 70 Ministranten reihten sich ein. Es roch nach Weihrauch und Kerzen.

Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Pfarrer Matthias Kaminski zum Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger aus Hannover gesagt: „Sie werden es nicht bereuen, Mariens Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit in der guten Stube des Untereichsfelds gefeiert zu haben.“ Der Bischof war zu diesem Zeitpunkt schon begeistert über die vielen Menschen und den schön gelegenen Ort.

„Auf einem Hügel im Bergland von Judäa“, so der Bischof in seiner Predigt, „hat Maria nach der Begegnung mit dem Engel Gabriel ein Loblied auf Gott gesungen.“ In dem Lied heiße es, dass der Herr die Niedrigen erhöhe. Um die Erhöhung der „niedrigen Magd“ hinauf ins himmlische Jerusalem gehe es beim Fest von Mariä Himmelfahrt. Christen feierten an diesem Tag die letzte Etappe im Leben der Gottesmutter. Maria sei nach Jesus der zweite Mensch, der von den Toten auferstanden sei.

„Maria ist unsere mächtige Begleiterin“, erklärt der Bischof. Ihre Hilfe würden Katholiken erbitten. Schwerdtfeger segnet Kräuterbünde, die es vor dem Gottesdienst zu kaufen gab. Zur Erläuterung gibt der Bischof eine Legende aus dem Mittelalter wieder. Danach haben die Apostel drei Tage nach Marias Tod ihr Grab leer vorgefunden. Es habe dort nicht nach Verwesung gerochen, sondern nach Blumen und Kräutern geduftet. Eine Legende sei das, ein Bild der Hoffnung auf die Auferstehung aller Gläubigen, meint der Bischof.

„Bitter nötig“ sei diese Hoffnung, betont Schwerdtfeger. Die Menschen auf der Erde gingen „im Kreis wie in einem Käfig“, zitiert er den Dichter Eugène Ionesco. Das Sprichwort sage, dass jeder seines Glückes Schmied sei. „Aber was ist, wenn wir immer nur neue Stangen zu unserem Käfig schmieden,“ so der Bischof. Viele Menschen hätten es sich in ihrem goldenen Käfig bequem eingerichtet. Zufrieden seien sie aber nicht. Einen Ausweg biete nur der Blick zum Himmel.

Der Glaube an die Auferstehung helfe, führt Schwerdtfeger aus, das Unvollkommene auf Erden zu ertragen. Wenn die Gläubigen nach der Messe wieder vom Höherberg ins „Tal des Alltags“ herabstiegen, solle sie der Duft der Kräuterbünde das kommende Jahr über an diese himmlische Hoffnung erinnern.

Von Michael Caspar