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Duderstadt Liebestolle Rehböcke gefährden den Verkehr
Die Region Duderstadt Liebestolle Rehböcke gefährden den Verkehr
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18:48 22.07.2011
Von Kuno Mahnkopf
Ernst zu nehmen: Warnschilder wie an der B 27 im Waldstück zwischen Gieboldehausen und Herzberg.
Ernst zu nehmen: Warnschilder wie an der B 27 im Waldstück zwischen Gieboldehausen und Herzberg. Quelle: Pförtner
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Dem schließt sich auch die Duderstädter Polizei an, die in diesem Monat bereits mehrere Unfälle mit Rehwild aufgenommen hat – bei Fuhrbach, Wollershausen, Rollshausen, Lütgenhausen, Rhumspringe, Wollershausen und Waake. Schon aus Gründen der Eigensicherung sollten Verkehrsteilnehmer besondere Vorsicht walten lassen.

„Dem ersten Reh folgt sicher noch ein zweites“, warnt Stefan Fenner, Sprecher der niedersächsischen Landesforsten. Das ist zumeist ein Bock, der einer Ricke hinterherjagt. Die werde häufig auch noch von Kitzen begleitet, ergänzt Hans-Georg Kracht, Vorsitzender der Jägerschaft Duderstadt.

Da die Bockjagd noch bis Mitte Oktober läuft, profitieren die Jäger von der bis Mitte August andauernden Blattzeit. Bei der Blattjagd ahmen sie mit verschiedenen Hilfsmitteln die Brunftlaute des weiblichen Rehwildes nach, um suchende Böcke anzulocken. Statt des kleinen Todes beim Geschlechtsakt ereilt den Bock dann der finale Todesschuss.

Die Rehböcke legen in der Blattzeit jede Scheu und Vorsicht ab, treiben die jungen Schmalrehe und älteren Ricken über Kilometer hinweg. Die Hetzjagd wird oft vom recht lauten Keuchen des Bockes begleitet, dessen Brunftkugeln bereits ab dem Wonnemonat Mai Tag für Tag anschwellen. Schuld daran sind die Hormone. Neben dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron wird auch das Wachstumshormon Somatropin ausgeschüttet, das das Gehörn wachsen lässt. Die brunftigen Ricken werden in immer kleineren Kreisen getrieben, bis es zum Beschlag kommt, wie die Begattung in der Jägersprache heißt. Der eigentliche Akt ist sehr kurz, wird aber bis zu 20-mal wiederholt.

Durch das Treiben in kreisförmigen Bahnen können im Getreide die bekannten Hexenringe entstehen. Die immer wieder für Spekulationen sorgenden Kornkreise könne man dem Rehwild aber nicht ankreiden, bestätigt Kracht schmunzelnd. Zu derartigen geometrischen Raffinessen sind Rehböcke im Liebestaumel dann doch nicht in der Lage.

Dafür gibt es eine andere Besonderheit beim Rehwild: die Eiruhe – sozusagen eine Schwangerschaft mit Karenzzeit. Bis Dezember unterliegen befruchtete Eier einer biologischen Ruhepause. „Ohne diese Verzögerung würden die Kitze im Winter zur Welt kommen“, sagt Kracht. Die eigentliche Tragezeit dauere dann fünf bis sechs Monate. Das Rotwild in Harz und Obereichsfeld hat das nicht nötig: Die Brunftzeit der Hirsche beginnt erst Ende Oktober.