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Duderstadt Heinz Mußmann seit 70 Jahren im Männergesangverein Diemarden
Die Region Duderstadt Heinz Mußmann seit 70 Jahren im Männergesangverein Diemarden
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00:15 28.12.2017
Heinz Mußmann, seit 70 Jahren Mitglied im Männergesangverein Diemarden. Quelle: Peter Heller
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Diemarden

„Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die britische Militärregierung zunächst sämtliche Vereinstreffen verboten“, erinnert Mußmann sich zurück. Doch in den Wintermonaten 1946/47 sei das Verbot gelockert worden und die Vereine hätten sich wieder zusammen gefunden. Mußmann war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, und hatte bei den Treffen mit seiner Freundin immer eine Mundharmonika dabei. „Dies hat ihr Vater mitbekommen, und gesagt, wer Mundharmonika spielen kann, der kann auch singen“, sagte er. Deshalb habe dieser ihn dann zur Gründungsversammlung des Gesangvereins mitgenommen. „Nach dem Treffen war ich das jüngste Vereinsmitglied“, erklärte er. Dafür habe er noch nicht einmal die Einwilligung seiner Eltern gebraucht, obwohl man damals erst mit 21 Jahren volljährig wurde. Insgesamt seien es mehr als 30 Sänger gewesen, die die Tradition des MGV Eintracht Diemarden fortsetzen wollten.

Schluss mit 85

Heute ist Mußmann, der vor wenigen Wochen 90 Jahre alt kein aktives Mitglied mehr. „Vor fünf Jahren habe ich mich aus Altersgründen entschieden, mit dem Singen aufzuhören“, sagte er. Denn die Stimme sei nicht mehr leistungsfähig genug gewesen, und die eventuellen schiefen Töne habe er sich und dem Verein ersparen wollen. Außer im MGV ist Mußmann auch Mitglied im Heimatverein un der Feuerwehr.

Freude am Singen und der Geselligkeit

Das Singen habe ihm immer viel Freude bereitet, weshalb er auch nie den Gedanken gehabt habe, den Verein zu verlassen. „Das Gefühl, wenn man das Publikum mit seinen Liedern begeistern konnte, war für mich immer etwas Besonders“, sagte Mußmann.

Doch außer dem Singen sei auch die Geselligkeit ein großer Bestandteil des Vereinslebens gewesen. „Nach den wöchentlichen Proben hat man durchaus noch längere Zeit bei einigen Getränken miteinander in der Vereinskneipe gesessen“, sagte er. Dadurch habe man nicht nur die anderen Vereinsmitglieder, sondern auch deren Familien gut gekannt. So seien Freundschaften entstanden, und man habe sich oftmals gegenseitig geholfen. „Für mich ist der persönliche Kontakt noch immer sehr wichtig“, sagte er. Eine Gruppe von etwa acht Personen lade sich nach wie vor gegenseitig zum Geburtstag ein. Da werde dann gemeinsam über früher gesprochen und man tausche sich über die heutigen Ereignisse aus. Wegen der Geselligkeit fahre Mußmann oftmals auch noch zu den Konzerten des Vereins mit. „Mir wurde schon mehrfach angeboten, dass ich auch an den wöchentlichen Proben weiterhin teilnehmen kann, doch das habe ich bislang noch nicht gemacht“, sagte Mußmann. Für mehrere Jahre habe er auch im Vereinsvorstand als Schriftführer mitgewirkt.

Ziel: 2022 noch auftreten

Aus seiner Sicht haben Jugendliche mittlerweile kein Interesse mehr an einem Vereinsleben, sondern wollen lieber ihre Freiheiten. Deshalb befürchtet Mußmann, dass die Männergesangvereine in den Dörfern nur noch wenige Jahre bestehen werden. „Damit die Vereine auch weiterhin am Leben bleiben können, müssen einige Veränderungen vorgenommen werden. Zum Beispiel müssen die starren Vereinsrichtlinien aufgegeben werden“, erklärte Mußmann. Außerdem sei es notwendig, bei den Liedern nicht nur deutsches Volksgut zu singen, sondern auch moderne und englische Stücke mit ins Repertoire aufzunehmen. Der MGV Eintracht Diemarden sei vor einigen Jahren bereits an dem Punkt gewesen nicht mehr sing fähig zu sein. Damals sei in einem Arbeitskreis, dem auch Mußmann angehörte, überlegt worden, wie es weiter gehen soll. In weiterer Folge sei ein gemischter Chor gegründet worden, der aber nur wenige Jahre Bestand gehabt habe. Derzeit habe der MGV noch 24 aktive Sänger und 26 passive Mitglieder. Nach Angaben von Schriftführer Reinhardt Maas sei das große Ziel der Mitglieder bei der 1000-Jahr-Feier Diemardens im Jahr 2022 noch auftreten zu können.

Mit gerade einmal 22 Jahren ist Julius Ruben Napp der jüngste Chorleiter der Region. Zur Musik gekommen ist er bereits als Kind – nun bringt er frischen Wind in den Männergesangverein (MGV) Westerode.

„Als erstes Instrument habe ich Schlagzeug gelernt“, erinnerte Napp sich. Denn bereits früh habe er versucht, durch Schlagen auf Töpfe oder Schüsseln Töne zu erzeugen. Außerdem sei er in der Schule in der Bläserklasse gewesen, dort habe er dann mit dem Saxofonspielen begonnen. Zudem brachte er sich selbst das Orgelspielen bei, sodass er mittlerweile auch seit einigen Jahren als Organist tätig ist. „Zum Männergesangverein bin ich gekommen, da ich nach einer Messe angesprochen wurden, ob ich nicht eintreten möchte“, sagte er. Damals sei er 15 Jahre alt gewesen. In seiner Familie habe die Mitgliedschaft im MGV eine lange Tradition, denn bereits sein Ur-Großvater, Großvater und Vater waren beziehungsweise sind aktiv.

„Anstatt moderne, englische Lieder einzustudieren, halten sie am deutschen Volksgut fest.“ – Julius Ruben Napp

Archivbild: Julius Ruben Napp während der Frauenwallfahrt im Mai 2017. Quelle: Arne Baensch FotografArne Baensch Fotograf

„Unser ehemaliger Chorleiter Wolfgang Hahm hat mich dann zu einem Chorleiterkurs geschickt“, sagte Napp. Während des Kurses, der insgesamt ein halbes Jahr gedauert habe, habe er gelernt wie man einen Chor richtig leitet, wie man die Stimmbildung fördern kann und wie der richtige Schlag mit dem Taktstock funktioniert. Aus seiner Sicht liegen die Probleme der MGVs daran, dass sie nicht bereit sind sich auf neue Lieder einzulassen. „Anstatt moderne, englische Lieder einzustudieren, halten sie am deutschen Volksgut fest“, sagte Napp. Dadurch entstehe bei Außenstehenden der Eindruck, dass die Vereine altbacken sein. Dies sei in Westerode allerdings anders, denn dort sei man nicht nur für neues Liedgut offen, sondern sieben der mehr als 30 Sänger seien jünger als 30 Jahre. „Auch insgesamt haben wir noch einen Altersdurchschnitt, der unter 60 Jahren liegt“, berichtete Napp. Doch sei ihm bewusst, dass Westerode damit eine Ausnahme bei den Chören in der Region sei. „Wir freuen uns aber auch über Sänger, die nicht in Westerode wohnen, aber dennoch bei uns mitsingen wollen“, erklärte der Chorleiter.

Richter: Amerikanische Musik macht deutsches Kulturgut kaputt

Dies sieht Alexander (Sascha) Richter, der über viele Jahrzehnte mehrere Eichsfelder Chöre geleitet hat, anders. Für ihn mache die amerikanische Musik das deutsche Kulturgut kaputt. „Ich habe neulich einen deutschen Weihnachtsfilm geguckt, in dem kein einziges deutsches Weihnachtslied vorkam“, berichtete er. Der gebürtige Moskauer kann nicht verstehen, warum in deutschen Filmen nicht auch bekannte deutsche Weihnachtslieder gespielt werden können. „Den Menschen fehlt es in diesem Bereich an Patriotismus“, sagte er. Dies sei ein entscheidender Grund dafür, dass die Chöre aussterben werden.

Für Napp hingegen ist auch der fehlende Chorleiter-Nachwuchs ein Problem. Denn dadurch, dass Richter die Leitung seiner Chöre abgegeben habe, ständen diese größtenteils ohne Chorleiter da. Napp selbst habe von mehreren dieser Chöre eine Anfrage bekommen. „Doch ich übernehme nur den Frauenchor Fuhrbach“, sagte Napp. Denn alles andere schaffe er zeitlich nicht, denn die Musik sei zwar eine große Leidenschaft von ihm, aber doch nur sein Hobby. Denn beruflich absolviere er gerade eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Duderstadt.

Von Vera Wölk

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