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Duderstadt Eichsfelder Jugend auf Drogen?
Die Region Duderstadt Eichsfelder Jugend auf Drogen?
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00:27 26.03.2018
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: www.polizei-beratung.de
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Duderstadt

Inwiefern es wirklich mehr Cannabis- und Amphetamin-Konsumenten gibt, ist schwer einzuschätzen: Es könne nicht sicher gesagt werden, ob mehr Drogen konsumiert würden, sagt Karl-Ernst Recha, stellvertretender Leider des Kriminalermittlungsdienstes. Zuletzt sei es der Polizei möglich gewesen, mit entsprechendem Personaleinsatz in der Drogenszene zu ermitteln. Zugleich gelte bei Drogenkriminalität wegen des großen Dunkelfeldes, dass eine intensivere Polizeiarbeit auch einen Anstieg der Zahl der registrierten Fälle mit sich bringe, so Recha. Ähnlich sieht es auch die Suchtberatung der Caritas: „Wir wissen nicht, ob es mehr Konsumenten gibt“, sagt dort Martin Weber-Becker trotz der hohen Zahlen.

Deutlich mehr Verfahren

Dass sowohl Polizei als auch Suchtberatung mit wesentlich mehr Fällen zu tun haben, ist allerdings Fakt: Von 15 auf 79 hat sich die Zahl der Fälle im Kontext von Amphetaminen laut Polizeistatistik binnen Jahresfrist erhöht. Die Zahl der Cannabisfälle verdoppelte sich von 80 auf 160, andere illegale Drogen spielten der Statistik zufolge nur eine geringe Rolle. Auch die Verfahren wegen Handelns mit Betäubungsmitteln stiegen deutlich von 26 auf 92.

Hohe Aufklärungsquote

Hierbei ist die Aufklärungsquote hoch: 99,7 Prozent der entsprechenden Straftaten konnten aufgeklärt werden. Das liegt Recha zufolge vor allem daran, dass sich die Beschlagnahmung von elektronischen Medien als „ausgesprochen hilfreich“ erwiesen habe. Eine Einschätzung, die auch Suchtberater Weber-Becker teilt. Dass mittlerweile systematisch die Chatverläufe auf Smartphones ausgewertet würden, hat ihm zufolge eine „Kettenreaktion“ ausgelöst, bei der die Festnahme eines Konsumenten oder Dealers zahlreiche weitere Verfahren mit sich brachte.

Viel „Ameisenhandel“

Es gebe zwar auch Dealer, die mit ihren Geschäften ihren Lebensunterhalt „deutlich aufbesserten“ - der Großteil des festgestellten Geschäfte laufe aber über den sogenannten „Ameisenhandel“, sagt Recha. Gemeint sind damit meist kleine Mengen, die in Freundes- oder Bekanntenkreisen untereinander gehandelt werden. Gerade bei jungen Konsumenten spielt das der Suchtberatung zufolge eine große Rolle: Es gebe an jeder Schule jemanden, der jemanden kenne, der mit Drogen handele, sagt Weber-Becker.

Besonders um die junge Klientel machen er und sein Kollege Ulrich Schmalstieg mittlerweile große Sorgen: Der Polizei zufolge hat sich die Zahl der Betäubungsmitteldelikte bei Jugendlichen und Heranwachsenden von 46 auf 170 erhöht. Bei der Suchtberatung stieg die Zahl der Erstkontakte mit Cannabis-Konsumenten unter 14 Jahren dem Jahresbericht zufolge von drei auf 30, bei den unter-17-Jährigen von 16 auf 27.

Sorge wegen härterer Drogen

„Das heißt, dass unter Jugendlichen Cannabis Alkohol als Droge Nummer eins zunehmend ablöst“, schreibt die Suchtberatung weiter. Zugleich betonen Schmalstieg und Weber-Becker aber, dass ihre hohen Fallzahlen mit den Ermittlungserfolgen der Polizei zusammenhängen - gerade bei jungen Konsumenten seien Suchtberatung oder Therapie häufig eine gerichtliche Auflage, so Schmalstieg.

Symbolfoto Quelle: hö

Dabei ist die junge Klientel noch auf anderer Ebene gefährdet: Zwar bedeutet aus Weber-Schmalstiegs Sicht ein einmaliger Kontakt beispielsweise mit Cannabis keine sofortige Sucht. „Die Vertriebsketten der unterschiedlichen Drogen sind in einer Hand“, ist er allerdings überzeugt. Während stabile Charaktere trotzdem die Finger von härteren Drogen wie Crystal-Meth lassen würden, gelte besonders für Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen: „Die probieren das aus.“

Alkohol häufigste Suchtursache

Doch auch die Konsumenten aus intakten Verhältnissen bereiten der Polizei Sorgen, denn bei ihnen sei „eine relative Gleichgültigkeit“ gegenüber den möglichen Risiken festzustellen, schildert Recha. Mögliche Gesundheitsschäden würden ausgeblendet, oder unter Verweis auf legale Drogen wie Alkohol relativiert. Letztgenannter ist der Suchtberatung zufolge die häufigste Suchtursache in Duderstadt: 81 Alkoholabhängige haben sich dem Jahresbericht zufolge im vergangenen Jahr an die Berater gewandt.

Einstieg in die Sucht

Drogenkonsum bedeutet aus Sicht der Fachleute von der Suchtberatung nicht automatisch eine Drogensucht. Gerade bei jungen Menschen spielten klassische Jugendmotive wie Neugier, vermeintliche Coolness und Abenteuerlust oft eine ausschlaggebende Rolle für den Erstkonsum, sagt Martin Weber-Becker von der Caritas-Suchtberatung. Nicht zuletzt seien aber die Charakterveränderungen wie das aufgeputscht-sein durch Amphetamine oder die Entspannung nach einem Joint durchaus attraktiv - besonders für Jugendliche, die ansonsten Probleme im Alltag hätten. „Und das ist ein möglicher Beginn eines Suchtprozesses.“

Von Christoph Höland

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