Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt „Milan will leben“: Spendenaktion für die Tumor-Behandlung eines Dreijährigen Jungen aus Hilkerode
Die Region Duderstadt

„Milan will leben“: Familie von Dreijährigem aus Hilkerode bei Duderstadt sammelt Spenden für Tumor-Behandlung

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:27 01.10.2021
Milan (3) aus Hilkerode, hier mit seinen Eltern Lara Paetsch und Kevin Wegner, lebt mit einem Tumor im Hirn. Freunde der Familie haben eine Spendenaktion gestartet, um seine Behandlung zu finanzieren.
Milan (3) aus Hilkerode, hier mit seinen Eltern Lara Paetsch und Kevin Wegner, lebt mit einem Tumor im Hirn. Freunde der Familie haben eine Spendenaktion gestartet, um seine Behandlung zu finanzieren. Quelle: Privat
Anzeige
Hilkerode

„Ich bin Milan, ich bin drei Jahre jung, und ich möchte leben.“ Mit diesem Satz wird auf einer vor Kurzem erstellten Facebook-Seite ein Junge aus Hilkerode vorgestellt. Bei Milan wurde im Mai ein Tumor im Gehirn festgestellt – ein sogenanntes diffuses intrinsisches pontines Gliom (DIPG). Dieser Tumor gilt als nicht operabel und bösartig. Für Milans Behandlung haben Familie und Freunde eine Spendenaktion gestartet – 100000 Euro müssten zusammenkommen, um das Medikament nur für die erste Behandlungsphase zu finanzieren.

Das Problem sei, dass das einzige Medikament gegen diese Tumorart, ONC201, in Deutschland nicht zugelassen ist, erklärt Frank Abraham. Gemeinsam mit Frank Engels hat er für die Familie von Milan, bestehend aus Mutter Lara Paetsch, Vater Kevin Wegner und Großmutter Manuela Paetsch, die Spendenaktion auf die Beine gestellt. Abraham und Engels vertreten die Familie bei der Aktion – die Familie versuche, möglichst viel Zeit mit Milan zu verbringen, erklärt Abraham.

60 000 Euro in fünf Tagen gesammelt

Momentan gehe es Milan selbst „den Umständen entsprechend gut“, berichtet der Freund der Familie. Jedoch wirke sich der Tumor bereits stark auf die Bewegungsfähigkeit des Jungen aus, laufen könne er nur mehr wenige Schritte am Stück. Ein Wagen, der beim Laufen hilft, werde hoffentlich durch die Krankenkasse übernommen. Bei einer Einschränkung der Bewegungsfähigkeit bleibt es bei einem DIPG oft nicht: Irgendwann wirkt sich der Tumor, der sich ausschließlich bei Kindern im Hirnstamm, im Thalamus oder im Rückenmark entwickelt, auf Gleichgewichtssinn, Verdauung, und das Wesen von Betroffenen aus.

Um den Tumor zu bekämpfen, ist viel Geld nötig. Eine Einzelbehandlung mit ONC201 kostet nach Angaben Abrahams rund 6000 Euro. Die einzig mögliche Behandlung in Deutschland ist aktuell eine Chemotherapie, die Milan an der Universitätsmedizin Göttingen erhalte, so Abraham. Eine Behandlung mit ONC201 müsste im Ausland erfolgen: Das Kinderspital Zürich der Eleonorastiftung führt solche Behandlungen durch.

Milans Großmutter Manuela Paetsch schreibt auf der Facebook-Seite der Spendenaktion, ihr Wunsch sei, ihren Enkel wieder fröhlich zu sehen. Jede kleine Spende bringe Milan „näher und schneller in die Schweiz“. Damit treffen die Organisatoren auf ein großes Echo: Innerhalb der ersten fünf Tage seien mehr als 60 000 Euro für Milan zusammengekommen, berichtet Abraham. Zu zahlreichen Spenden von Privatpersonen und Vereinen aus der gesamten Region seien bereits ein Aufruf der Deutschen Post, bei der Milans Eltern arbeiten, ein Benefizspiel zwischen dem SSV Nörten-Hardenberg gegen den I. SC Göttingen 05, eine Autoversteigerung und viele weitere Aktionen gekommen – weitere sollten folgen.

Zahlreiche Vereine und Privatpersonen haben bereits für Milans Behandlung gespendet, darunter – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Kyffhäuser Kameradschaft Desingerode, der Männerverein Volle Pulle, die Rewe-Märkte Högi in Göttingen, Musiker Dirk Büdeker, Schrotthandel Nino Keil, Abc-Fahrezeuge Ahmed Charif und viele weitere.

GT/ET-Update – Der Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten aus Göttingen, dem Eichsfeld und darüber hinaus täglich um 17 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Behandlung kann Milans Leben verlängern

Abraham berichtet außerdem von Kontakt zu Andreas Philippi, der gerade als Direktkandidat für Göttingen in den Bundestag gewählt wurde, dem neu gewählten Landrat Marcel Riethig (beide SPD) sowie zum bisherigen Northeimer Bundestagsabgeordneten Roy Kühne (CDU), die alle versprochen hätten, ihre Netzwerke zu aktivieren, um Milan zu helfen.

Das diffuse intrinsische pontine Gliom ist selten und im Regelfall tödlich. Abraham stellt deswegen auch klar: „Dieser Junge wird sterben.“ Doch mit einer guten Behandlung könne er zumindest länger leben. Und: „Wir wissen ja nicht, wie weit die Medizin in zwei Jahren ist.“ Die Hoffnung, sagt Abraham, sterbe zuletzt.

Darüber, wie es Milan und seiner Familie geht, welche Spendenaktionen geplant sind und wie für Milans Behandlung gespendet werden kann, informieren die Organisatoren der Aktion unter anderem auf Facebook auf der Seite „Milan will leben“. Das Spendenkonto hat die IBAN DE63 5226 0385 0001 7692 86 (VR-Bank Mitte).

Von Tammo Kohlwes