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Duderstadt Mit 2000 Metern pro Minute zurück ins Eichsfeld
Die Region Duderstadt Mit 2000 Metern pro Minute zurück ins Eichsfeld
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18:03 20.07.2009
Einsetzen der Brieftauben: Klaus Osburg scannt die Daten vom Ring eines Vogels ein.
Einsetzen der Brieftauben: Klaus Osburg scannt die Daten vom Ring eines Vogels ein. Quelle: Walliser
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„Gut Flug“: Wenn die Mitglieder der Reisevereinigung Duderstadt diesen Wunsch aussprechen, dann haben ihre Brieftauben eine große Aufgabe vor sich. Aus weit entfernten Orten in Deutschland oder benachbarten europäischen Ländern fliegen sie zurück in In früheren Zeiten habe es auch Strecken über 1000 Kilometer Entfernung gegeben, vor dem Krieg sogar Flüge von Köln nach Königsberg. „Dies wird heute mit Brieftauben aus Tierschutzgründen nicht mehr gemacht“, erläutert Schwedhelm. Auch in anderer Hinsicht beeinflussen verschärfte Tierschutzauflagen die Ausübung des Hobbys, was auch beim Transport deutlich wird. „Es sind nur noch 25 Tauben pro Kabine zulässig, damit sie genügend Bewegungsfreiheit haben“, verdeutlicht der Vorsitzende.

Veterinäramt führt Datei

Von der Versorgung unterwegs bis zum Impfen der Tauben und ihrer tierärztlichen Betreuung sei alles genau geregelt. „Das Veterinäramt führt eine Datei über die Reisetaubenvereinigung Duderstadt, da steht jeder Züchter drin“, so Schwedhelm.

13 Alttierflüge und sechs Jungtierflüge gehören in diesem Jahr zum Programm. „Die Geschwindigkeit richtet sich nach dem Wetter, bei Rückenwind werden Geschwindigkeiten bis 2000 Meter pro Minute erreicht, bei Gegenwind 1000 Meter“, nennt der Fachmann zwei Richtwerte.

Ob die Tauben starten, entscheidet Auflassleiter Klaus Thriene anhand von Wetterlage und -prognosen. Seine 30-jährige Erfahrung kommt ihm dabei zugute, allerdings erschwerten die Folgen des globalen Klimawandels mit extremeren Wettersituationen die Einschätzung.

„Für mich ist immer wichtig, dass am Auflassort die Sonne scheint, und es muss morgens früh Leben in der Natur sein. Die Tiere müssen sich wohl fühlen“, bringt es Thriene auf den Punkt. „Wenn der Fahrer mich morgens um halb sechs Uhr anruft, bitte ich ihn, mit dem Telefon um das Fahrzeug zu gehen. Ich will hören, was die Tauben mir erzählen.“ Anhand dieser akustischen Eindrücke weiß Thriene, „ob die Tauben fliegen wollen oder nicht.“

Gewitter ist Problem

Auch ihr übriges Verhalten liefere deutliche Hinweise. Würden die Tiere nicht gleich an der Klappe stehen und raus wollen, „dann kann ich zum Fahrer sagen, mach die Jalousien runter, fahr da weg, es wird nichts.“ Am schwierigsten für die Tiere sind Gewitter, bei atmosphärischen Störungen haben sie Probleme mit der Orientierung.

„Jede Brieftaube hat einen Chipring an, auf dem die Telefonnummer des Züchters steht. Der wird sich nach einem Anruf darum kümmern, dass die Taube abgeholt wird“, erläutert Schwedhelm.

Was selbst viele Eichsfelder nicht wissen: Duderstadt gehört zu den hundert zertifizierten Auflassplätzen in Deutschland. So lassen Brieftaubenzüchter aus dem Kohlenpott ihre Tiere vom Schützenplatz starten.

Wie viele andere Vereine klagt auch die Reisevereinigung, die eine Fluggemeinschaft mit Heiligenstadt bildet, über Nachwuchsmangel. Der Altersdurchschnitt ist sehr hoch. Viele Mitglieder sind über 70. „Junge Leute gehen eher in die Disco als sich mit Tieren zu beschäftigen“, bedauert Schwedhelm, der sein Hobby nicht missen möchte: „Das ist jedes Mal eine große Freude, wenn die Tiere nach weiten Strecken wieder nach Hause kommen.“

Weitere Informationen über die Reisevereinigung Duderstadt hier.

Von Axel Artmann

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