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Duderstadt Mit 80 Jahren noch einmal auf die Schulbank
Die Region Duderstadt Mit 80 Jahren noch einmal auf die Schulbank
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18:22 04.10.2009
Drückt mit 80 Jahren noch einmal die Schulbank: Edeltrud Nachtwey in der Malteser-Fachschule Duderstadt. Quelle: Pförtner
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Schulleiter Stefan Nolte kam ins Grübeln, als sich Nachtwey ohne vorherige Anmeldung zum Vorstellungsgespräch einfand. „Wir waren alle überrascht, und mussten überlegen, ob das überhaupt möglich sei. Kein Arbeitsamt würde die Kosten für eine 80-jährige Rentnerin übernehmen.“ Dazu, so Nolte, stellte sich die Frage, ob Nachtwey den Anforderungen körperlich gewachsen sei.

Lebenslauf wie ein Buch

Dass sie geistig zu dieser Ausbildung fähig wäre, schien Nolte außer Zweifel, sobald er wenige Worte mit der belesenen, gut informierten und willensstarken Rentnerin gewechselt hatte: „Allein der Lebenslauf liest sich wie ein Buch. Von diesen Erfahrungen könnten auch Demenzkranke profitieren, zumal eine ältere Begleiterin eine hohe Akzeptanz bei den Alten hätte.“ Er kam zu dem Schluss: „Wir vermitteln in unserer Altenpflegeausbildung seit Jahren, dass die Würde des Menschen im Vordergrund steht und dass Produktivität und Kommunikation zu den Grundbedürfnissen gehören. Auch an den Universitäten sind alte Studierende keine Seltenheit mehr, warum sollte ich Frau Nachtwey nicht die Chance geben?“.
So wurden die Grundprinzipien des Lehrplans in die Realität umgesetzt. Allerdings nehme man bei einigen Ausbildungsschwerpunkten wie Praktika Rücksicht auf das Alter der Schülerin, erklärt Nolte. So würde sie beispielsweise eher bei der Einzel-, statt bei der Gruppenbetreuung eingesetzt werden.
Nachtwey suchte nach einer Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und kam durch einen Bericht im Tageblatt über den neuen Ausbildungsgang darauf, sich bei den Maltesern zu bewerben. In früheren Jahren arbeitete sie als Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (PKA) in einer Apotheke in Katlenburg, wollte aber bereits 1983 in den sozialen Bereich einsteigen, als sie kurzfristig arbeitslos war. „Ich habe mich damals im Krankenhaus zur Ausbildung als Krankenschwester beworben, wurde aber wegen meines Alters abgelehnt“, schmunzelt sie. Dafür belegte sie einen sechswöchigen Kurs zur Schwesternhelferin beim Deutschen Roten Kreuz, den sie aus eigener Tasche bezahlte.

Viel Bewegung

Ihre Vitalität begründet sie mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung, zum Teil durch das frühmorgendliche Austragen des Tageblatts und durch Sport. Ansonsten sei sie nicht nur literarisch interessiert, sondern lese auch viele Zeitungen und politische Journale. Allerdings machen ihr die Ohren zu schaffen. Die neuen Hörgeräte funktionieren noch nicht so, dass sie problemlos dem Unterricht folgen könne. Doch daran werde gearbeitet.
In der Klasse genießt die Rentnerin eine besondere Stellung unter den Mitschülern. „Nachdem ich den anderen Ausbildungs-Teilnehmern die Umstände erklärt hatte, warum eine 80-Jährige den Kurs mitmacht, gab es spontanen Applaus“, beschreibt Nolte den ersten Schultag. Nachtwey selbst fühlt sich sehr wohl in der Klasse und ist hochmotiviert: „Einiges ist mir bekannt aus meinen früheren Berufen. Aber im Betreuungs- und Pflegebereich hat sich so viel weiter entwickelt. Ich bin ganz kribbelig, Neues zu erfahren“, lacht sie und ihre Augen blitzen unternehmungslustig. Doch nicht nur der Wunsch, sich für demenzkranke Menschen zu engagieren, gibt ihr Antrieb. Sie hofft, mit ihrem Ehrgeiz auch anderen Menschen Mut zu machen, auch im Alter voll am Leben teilzunehmen.

Alters- und Demenzbegleiter

Die Malteser-Fachschule für Altenpflege hat unter der Leitung von Stefan Nolte den Ausbildungsgang zum Alters- und Demenzbegleiter vor einem Jahr erstmalig angeboten. Von einer schätzungsweise Zunahme von 25 000 Demenzkranken jährlich ausgehend, fordert die Bundesregierung mindestens 160 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis für zusätzliche Betreuungskräfte. In der Duderstädter Fachschule ist man jedoch überzeugt, dass eine Mindestqualifikation von einem Jahr erforderlich sei, um die Lücke zwischen Pflege und Betreuung zu schließen. In der hier konzipierten Ausbildung zum Alters- und Demenzbetreuer sollen grundpflegerische Inhalte wie Körperpflege, Toilettengänge und Nahrungsaufnahme ebenso unterrichtet werden, wie problemorientierte Ansätze der Kommunikation mit Demenzkranken. Die Landesschulbehörde akzeptiert diesen Lehrgang bereits als Ergänzungsschule. Ziel der Duderstädter Malteser ist eine staatliche Anerkennung für die Ausbildung noch bis Jahresende. Entsprechende Unterlagen würden gerade bearbeitet, so Nolte.

Von Claudia Nachtwey

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