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Duderstadt Mit Harry, Ron und Hermine erwachsen werden
Die Region Duderstadt Mit Harry, Ron und Hermine erwachsen werden
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18:08 26.07.2011
Abschied nach einer Dekade Filmgeschichte: Die Fans der ersten Stunde sind heute ebenso erwachsen wie die Stars.
Abschied nach einer Dekade Filmgeschichte: Die Fans der ersten Stunde sind heute ebenso erwachsen wie die Stars. Quelle: Tietzek
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„Hier am Set sind wir aufgewachsen“, sagt Emma Watson als Darstellerin von Hermine Granger im Making-Off des Films. Zehn Jahre lang hat sie die Rolle gespielt an der Seite von Ruppert Grint als Ron Weasley und Daniel Radcliff als Harry Potter. Mit Hermine, Ron und Harry, den drei Hauptfiguren der Potter-Reihe, ist allerdings eine ganze Generation aufgewachsen, nachdem 1997 der erste Band erschien, 1998 in deutscher Sprache, und dieser im Jahr 2001 auf die Leinwand kam.

„Ab dem dritten Harry-Potter-Teil haben wir alle weiteren im Kino gesehen. Bei den ersten beiden Teilen waren wir noch zu jung“, sagt Lena-Marie Menzel, die mit ihrem Bruder Jan Philip und ihrer Mutter Katrin im Foyer der Duderstädter Filmfabrik auf den Start des letzten Teils wartet.

Viele der Kinobesucher sind etwa in dem Alter wie die Hauptdarsteller des Films, so um die 20. Und viele haben auch ihre Eltern dabei, die sich ebenfalls als Potter-Fans outen. „Irgendwann fängt man als Mutter auch damit an. Ich habe zuerst einige Filme gesehen und dann die Bücher gelesen. Wir sind nicht so fanatische Fans, dass wir nach London zur Premiere müssten, und auch die 3D-Version brauchen wir nicht unbedingt, aber natürlich freuen wir uns nun auf das Finale“, beschreibt Katrin Menzel ihre Begeisterung.

Ob die Bücher oder die Filme besser seien? „In den Filmen fällt viel weg, was in den Büchern vorkommt. Aber man kann beides nicht vergleichen, auch die Filme sind spannend und toll gemacht“, findet Lena-Marie. Dass es nach „Die Heiligtümer des Todes“ keine weiteren Potter-Folgen geben wird, damit können die Menzels leben. „Das wusste ja jeder vorher. So ganz zu Ende geht es aber nicht, die Filme können wir uns immer wieder auf DVD ansehen und die Bücher nochmal lesen“, sagt Lena-Marie.

Sarah Wolf und Matthias Knitter kommen gerade aus der Vorabend-Vorstellung und legen ihre 3D-Brillen in den Korb am Saaleingang. „Das ist ein ganz tolles Finale, viel besser als ich mir vorgestellt hatte“, sagt Sarah, und die Begeisterung steht ihr im Gesicht. Die beiden jungen Erwachsenen kannten das Ende zwar schon vor dem Kinobesuch – Sarah aus den Büchern ihres Bruders, Matthias aus dem neuen HP-Expert-Spiel, das kurz vor Kinostart erschienen ist und einiges verrät – aber wie es schließlich filmisch umgesetzt wird, bleibe doch eine Überraschung, sind sie sich einig. Statt nun traurig über das Ende zu sein, freuen sie sich vor allem darüber, im Kino gut unterhalten worden zu sein. Aber ob mit 3D-Technik oder ohne, wäre auch ihnen egal gewesen.

Filmfabrik-Betreiber Frederik Roth sieht das Ende der Potter-Ära vom wirtschaftlichen Standpunkt: „Für die Kinos waren die acht Filme natürlich sehr wichtig und sind auch nicht mit anderen Mehrteilern vergleichbar, die als solche nicht geplant waren und nur entstanden sind, weil der erste Teil ein Erfolg war. Bei Harry Potter wussten alle von Anfang an, wie viele da noch kommen würden“, sagt er. Gut erinnert er sich an den ersten Teil, damals in der Schauburg als Vorläufer der Filmfabrik: „Da war noch nicht dieser Hype, aber das kam dann sehr schnell.“ Er selbst gesteht, kein Potter- oder Fantasy-Fan zu sein, aber er weiß, dass dieses Genre bei Kinobesuchern sehr beliebt ist. „Hier wird eine Traumwelt geboten, in die der Zuschauer eintauchen kann und den Alltag vergisst.“ Die 3D-Technik hält er für einen Trend, der sich in den nächsten Jahren noch maßgeblich weiterentwickeln wird und Kino zu einer neuen Erlebniswelt werden lässt. Das ist auch im Potter-Finale zu spüren: Die Dementoren, furchterregende Seelenfresser, schweben in 3D nicht nur vorne auf der Leinwand, sondern über den Sitzreihen im Saal, und bringen die ganze Bedrohung viel dichter ins Publikum. Und als sich „das Böse“ buchstäblich in der Luft auflöst, ducken sich die Besucher reflexartig, um von diesen Fetzen nicht etwas abzukriegen und doch noch versehentlich zu einem Horkrux, einem Seelenbehältnis für das Böse, zu werden.

Erwachsen sind nicht nur die Darsteller mit ihren Fans geworden, auch die Geschichte hat den Kinderbuchstatus längst verlassen. Während im ersten Potter-Teil der Kampf zwischen Gut und Böse noch bei einem Zaubererschach mit überdimensionalen Figuren stattfand, ist die Schlacht um Hogwarts im Finale Krieg mit Toten auf beiden Seiten. Und die Dramatik um Figuren wie Professor Severus Snape erreicht die Dimension einer griechischen Tragödie – zehn Jahre lang oscarverdächtig gut dargestellt von Alan Rickman. Harry Potter hat Literatur- und Filmgeschichte geschrieben, die auch mit dem Finale für Viele nicht zu Ende ist.

Der letzte Teil der Harry-Potter-Saga „Die Heiligtümer des Todes 7.2“ ist in der Duderstädter Filmfabrik, Sachsenring 3, mindestens bis Mittwoch, 3. August, in 3D zu sehen. Eventuell wird die Spielzeit aber noch verlängert. Infos im Internet bei kino-duderstadt.de.

Von Claudia Nachtwey