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Duderstadt Mit der Kamera „Unsichtbares sichtbar machen“
Die Region Duderstadt Mit der Kamera „Unsichtbares sichtbar machen“
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18:18 06.03.2012
Ideen sammeln: Die Workshop-Teilnehmer diskutieren über mögliche Filmthemen und deren Umsetzung.
Ideen sammeln: Die Workshop-Teilnehmer diskutieren über mögliche Filmthemen und deren Umsetzung. Quelle: Pförtner
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Duderstadt

Die Gruppe testet erste Aufnahmen für das Filmprojekt „Unsichtbares sichtbar machen“, das von der Gesellschaft Duderstadt 2020 initiiert wird. Bürger aus Duderstadt und der Region wurden aufgefordert, das zu filmen, was sie mit ihrer Heimat verbindet und was sonst vielleicht nicht so sichtbar in der Öffentlichkeit ist. Die Gesellschaft hat dazu neben ehrenamtlich Tätigen, sozial Engagierten, Gewerbetreibenden und Hobbyfilmern auch die Eichsfelder Jugendlichen angesprochen, ihre Sicht auf die Heimat filmisch festzuhalten. Ob mit Handy oder professioneller Kamera gedreht wird, sei dabei nebensächlich, sagt Susanne Möhl als Mitarbeiterin von Duderstadt 2020. Ziel ist, die Resultate in einem Onlineportal zu veröffentlichen, das am Tag der Niedersachsen vorgestellt werden soll.

Der erste Film-Workshop in der Emma soll zunächst vermitteln, worum es bei dem Projekt „Unsichtbares sichtbar machen“ geht. „Ihr könnt über Video zeigen, was euch wichtig ist und worauf ihr aufmerksam machen wollt“, erklärt Eric Müller, Filmprofi und ebenfalls Mitarbeiter von Duderstadt 2020, der zusammen mit Möhl den Workshop für die Jugendlichen betreut. Bei der Ideensammlung kommen bereits ganz verschiedene Aspekte zutage. Anna Vieth und Dennis Kasulke singen im Jugendchor St. Cyriakus und würden hier gern mit der Kamera den Blick hinter die Kulissen werfen. Dennis ist aber auch Stammgast in der Emma und könnte sich vorstellen, das Jugendcafé zu filmen. Und Stefan Burchard erklärt: „Ich bin Messdiener. Älteren Leuten muss ich nicht zeigen, was in der Kirche los ist, aber vielleicht manchen jüngeren.“ Genau, bestätigt Müller, jetzt müsse nämlich erstmal die Zielgruppe gefunden werden. Soll der Film Ältere oder Jüngere ansprechen? „Jüngere“, sind sich die Jugendlichen einig.

In Klassenräummen schimmeln Wände

Der Filmprofi fordert die Jugendlichen auf, bei ihren Vorschlägen einerseits ihre eigene Sichtweise auf die jeweilige Sache zu formulieren, sich andererseits aber auch vorzustellen, wie Außenstehende das sehen würden. Kevin Schünemann überlegt: „Ich bin bei der Duderstädter Jugendfeuerwehr. Manche denken, das sei gefährlich, andere sagen, wir seien selbst die größten Brandstifter. Es gibt viele Vorurteile. Da könnte ein Film gut informieren, was wir wirklich machen.“ Alfred würde gern einen kritischen Film über seine Schule drehen. „Außenstehende hören immer, alles ist toll. Aber das Gebäude ist total veraltet und hässlich, in manchen Klassenräumen schimmeln die Wände.“ An Ideen mangelt es nicht, aber für ein paar Testaufnahmen sollten sich die Jugendlichen zunächst auf ein Thema einigen. „Emma“, sagen sie, und fangen gleich vor Ort an. Müller erklärt: „Bei den Proben merkt man, was alles dahinter steckt. Der Film soll nur so lang sein wie ein Werbespot, also etwa eine Minute, aber die Vorbereitungen und die Umsetzung dauern viel länger.“

Die Ideen und ihre Filmprojekte entwickeln die Jugendlichen eigenständig, können aber jederzeit Rat und Unterstützung bekommen – sowohl zu inhaltlichen und fachlichen Fragen, als auch zu technischen. Der Student Marc Feike hat sich bereit erklärt, später beim Schneiden zu helfen, und auch weitere erfahrene Filmemacher aus der Region sind angesprochen, sich bei dem Projekt einzubringen. Wer gute Ideen hat und seine Stadt, sein Hobby, sein Ehrenamt, interessante Bauwerke oder andere Besonderheiten des Eichsfeldes filmisch präsentieren will, kann sich an dem Projekt beteiligen und an der Gestaltung des neuen Onlineportals mitwirken. „Ziel ist, die Beiträge zu einem Gesamtbild zu bündeln und damit Orte für Jugendliche darzustellen. Das soll die gegenseitige Wahrnehmung verbessern“, sagt Müller.

Über Facebook können sich Gruppen bilden, es soll ein Austausch stattfinden, und das Onlineportal „Unsichtbares sichtbar machen“ werde auch nach dem Tag der Niedersachsen weiterlaufen, schildert Möhl die geplante Entwicklung des Projekts. Weitere Workshops sollen im März stattfinden. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Infos und Tipps gibt es bei Facebook unter „Du machst Duderstadt“ oder bei unsichtbar-sichtbar@duderstadt2020.de.

Von Claudia Nachtwey