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Duderstadt Mode, Mofa, Mobiltelefon – was ist attraktiv?
Die Region Duderstadt Mode, Mofa, Mobiltelefon – was ist attraktiv?
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11:22 13.08.2012
Diskussionsrunde zum Thema Attraktivität: Hendrik G., Niels L., Johanna F., Hendrik H. und Johanna S. (von links).
Diskussionsrunde zum Thema Attraktivität: Hendrik G., Niels L., Johanna F., Hendrik H. und Johanna S. (von links). Quelle: Schneemann
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„Attraktiv ist jemand, der gepflegt ist und die Sachen trägt, die zu ihm passen“, findet Johanna Schenke. „Ein grünes T-Shirt mit roter Hose sieht bei manchen gut aus, bei anderen albern“, hat sie beobachtet.

Auch Johanna Felkl meint: „Der Style, den jemand trägt, ist egal, aber die Sachen sollten zusammen passen und auch zu dem jeweiligen Typ.“ Die Mädchen sind sich einig: Zu enge und zu kurze Klamotten, die mehr zeigen als verbergen, sehen „billig“ aus, und künstlich gebräunte Jungs mit Gel-Frisur und Goldkettchen hätten bei ihnen keine Chance.

Hendrik Grüssner, Niels Ludewig und Hendrik Hoeft finden Mädchen wenig attraktiv, die von allem zu viel auftragen: dicke Schminke, dicker Schmuck, dicke Accessoires, dicke Markenlabels. „Zu prollig“, urteilt Hendrik G., aber er ergänzt: „Zu konservativ sollte ein Mädchen aber auch nicht wirken.“

Auf die Frage, ob sie selber schon mal wegen Äußerlichkeiten gemobbt worden seien, antwortet Johanna S.: „Ich wurde wegen einer Bommelmütze ausgelacht, aber das war noch in der Grundschule.“ Hendrik G. erinnert sich ebenfalls an die Grundschulzeit: „Wer sich bei der Kleiderbörse mit Klamotten eindecken musste, fiel auf in seinen 80er-Jahre-Pullovern und hat sich geschämt.“

„Toleranz wächst mit dem Alter“

Hendrik H. stellt allerdings fest: „Die Toleranz wächst, wenn man älter wird. Man lacht heute nicht mehr einfach jemanden wegen seiner Kleidung aus.“ In ihren jeweiligen Cliquen seien die Leute sehr unterschiedlich, bestätigen alle. „Das fängt bei vielfältigen Kleidungsstilen an und hört bei verschiedenen Musikvorlieben auf“, sagt Hendrik G. und nennt Beispiele von Gothic bis Hip Hop. Er ergänzt: „Oft sieht man schon an der Kleidung, welche Musik jemand hört.

Ein Jump-Styler mag andere Musik als jemand in schwarzer Kluft.“ Johanna S. hat Einwände: „Das stimmt nicht immer.“ Sie selber höre gern rockige Klänge, trage aber kein Rocker-Outfit. Auf jeden Fall sei die Vielfältigkeit in den Cliquen eine Bereicherung, sind sich alle einig. Johanna F. nennt Beispiele: „Ich höre inzwischen ganz unterschiedliche Musikstile. Manchmal empfiehlt mir jemand einen bestimmten Song, der mir erst nicht so gefällt, aber bei näherem Hinhören dann doch. Meine Musik hängt nicht von der jeweiligen Szene, sondern von der jeweiligen Stimmung ab.“

In einer Kleinstadt wie Duderstadt grenzen sich die Jugendszenen also nicht so klar voneinander ab wie in mancher Großstadt. Damit hebt sich die Attraktivität durch das „coolste Outfit“ von selbst auf, denn das aufwändigste Styling beeindruckt eben nur die entsprechende Szene. Gibt es dafür im Eichsfeld andere Trends wie neue Laptops, Handys oder PC-Spiele, mit denen man bei Gleichaltrigen punkten kann?

Die beiden Johannas sind sich einig: „Handys hat jeder, und das müssen nicht immer die neuesten sein. Aber Mädchen wollen Laptops haben, nicht zum Angeben, sondern um mit den Freundinnen zu chatten. Jungs haben eher die Monster-PCs“, vergleichen sie. Die Jungs bestätigen: „Wir machen gern Spiele auf möglichst großen Bildschirmen.“

Hendrik G. sieht keinen Konkurrenzkampf um das beste Spiel oder den besten PC, „das ist eher ein Informations-Austausch unter Gleichgesinnten“, sagt er. Etwas anders sei die Sache allerdings bei Motorrädern oder Autos. „Wer ein tolles Motorrad hat, erntet Bewunderung. Das interessiert die andern“, hat Niels festgestellt.

Also doch Attraktivität durch Status-Symbole? Klar ist ein Motorrad cool, aber die Anziehungskraft eines Menschen sehen die Jugendlichen dennoch in der Person selbst. „Es gibt kein Einheitsbild für Attraktivität. Es muss einfach alles bei einem Menschen zusammenpassen“, ziehen die Fünf ihr Fazit. Eine Mischung aus Natürlichkeit und Individualität sei gefragt – aber auf jeden Fall echt sollte es sein.

Von Claudia Nachtwey