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Duderstadt Prävention gegen Missbrauch
Die Region Duderstadt Prävention gegen Missbrauch
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16:22 24.03.2017
Von Claudia Nachtwey
Symbolbild
Symbolbild Quelle: dpa
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Duderstadt

„Kinder in Institutionen können leichte Opfer für Sexualtäter sein, Kinder mit Behinderung können zudem Schwierigkeiten haben, sich sprachlich oder körperlich zur Wehr zu setzen. Und beim Thema Pflege könnten schnell Grenzen überschritten werden“, sagt Marie-Theres Waning-Ernst, Leiterin der Tagesstätte St. Raphael. Die beiden Duderstädter Einrichtungen haben sich gemeinsam bei dem Präventionsprojekt „BeSt“ beworben und nehmen seit 2016 daran teil.

Zu den Inhalten gehören Mitarbeiterschulungen und Elterninformationen ebenso wie Sensibilisierung und damit verbundene Stärkung der Kinder. Nina Krengel, Präventionsfachkraft vom Frauennotruf Göttingen, erklärt: „Das Projekt besteht aus sieben Bausteinen: Gefühle, Körper, Berührungen, Geheimnisse, unangenehmes Empfinden, Nein sagen und zeigen und Hilfe holen sind die Themen.“ Über Spiele und Gruppenarbeit sollen die Kinder lernen, ihre persönlichen Bedürfnisse und Grenzen zu formulieren oder zu zeigen. A

Auf gemeinsame Begriffe, zum Beispiel für die Geschlechtsteile, habe man sich geeinigt, sagt Krengel, die an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit den jeweiligen Kindergruppen gearbeitet hat. So sei Vertrauen entstanden, die Begriffe wurde alltäglich, die Offenheit der Kinder wuchs. „Es ist wichtig, auch das Thema Missbrauch zu enttabuisieren. Wenn die Kinder es als normal empfinden, über ihren Körper und ihre Bedürfnisse zu reden, trauen sie sich auch, zu zeigen, was ihnen unangenehm ist“, sagt Krengel.

Pia Felske ist Klassenlehrerin der Mittelstufe 1 der Pestalozzischule. Sie hat die Mitarbeiterfortbildung absolviert und betreut die Kinder auch während des Projektes. „Es herrscht eine offene Atmosphäre in den Gruppen und es wird viel gefragt“, beschreibt sie das Interesse der Kinder.

Das Konzept soll nachhaltig sein. „Wer schon geschult wurde, soll langfristig sein Wissen an andere Kollegen weitergeben“, sagt Waning-Ernst. Allerdings kämen da noch große Aufgaben auf die Mitarbeiter der lokalen Einrichtungen für Behinderte zu, gibt Martin Struck, Schulleiter der Pestalozzi-Schule zu bedenken. Spätestens mit Einrichtung des Bildungs-Campus, der pädagogische Angebote in der Duderstädter Innenstadt bündeln soll, müssten auch diverse Konzepte erweitert werden. Das Modellprojekt „BeSt“ läuft noch bis 2018. Eine Beteiligung daran sei aber schon seit dem Start des Projektes 2016 ein Qualitätsmerkmal für die Einrichtungen geworden, lobt Krengel.