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Duderstadt Modellprojekt zur Schulung von Flüchtlingen in Duderstadt
Die Region Duderstadt Modellprojekt zur Schulung von Flüchtlingen in Duderstadt
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19:14 28.01.2016
Von Claudia Nachtwey
Dierk Falkenhagen, Präventionsbeauftragter der Polizeit Duderstadt schult Flüchtlinge. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Für Projektleiter Dierk Falkenhagen, Präventionsbeauftragter der Duderstädter Polizei, war diese Form von Schulung ebenso neu wie für die 15 Teilnehmer, die alle als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren und schon etwas Deutsch gelernt hatten. Um die Eingliederung zu erleichtern, sollten die elf Männer, drei Frauen und ein Kind Grundkenntnisse über das deutsche Rechts- und Wertesystem erwerben. Themenschwerpunkte waren Verkehrssicherheit, Grundrecht, Menschenrechte, Selbstbestimmung, Zivilcourage, Notruf und Einstiegsmerkmale in Straftaten wie Beleidigung, Diebstahl, Nötigung oder sexuelle Belästigung.

Falkenhagen zeigte anhand von Bildern, Rollenspielen und dank der Übersetzungshilfen der Dolmetscherin Samira El Kassimi-von Westernhagen, welche Verkehrsregeln gelten, wie man gefährliche Situationen vermeidet oder etwa einen Notruf absetzt. Die Teilnehmer bestätigten mit ihren zahlreichen Fragen einerseits, wie wichtig solch eine Schulung ist, andererseits wie groß die Unsicherheit bei Menschen ist, die aus völlig anderen Kulturkreisen und politischen Systemen nach Europa kommen. „Als wir den Kurs angekündigt haben, merkten wir, dass die Leute sehr verhalten reagiert haben. Polizisten haben in ihren Herkunftsländern nicht immer ein positives Image“, stellte Tanja Menge, pädagogische Mitarbeiterin bei der GAB und Mitinitiatorin des Modellprojektes, fest. Doch Falkenhagen ist es schnell gelungen, das Eis zu brechen und Vertrauen herzustellen, indem er die Aufgaben der Polizei als Helfer in Notsituationen erläuterte. Die Fragen der Teilnehmer zeigten, was die Leute beschäftigte, die in einem für sie fremden Land Fuß fassen wollen: „Darf ich bei einer gelb blinkenden Ampel die Straße überqueren?“, „Was muss ich tun, wenn ich einem Verletzten helfen will?“, „Wo gebe ich Fundsachen ab?“, aber auch „Was passiert, wenn ich in Deutschland sterbe?“.

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Das Interesse der Teilnehmer war so groß, dass Menge und El Kassimi-von Westernhagen in der anschließenden Analyse beschlossen, die Themen der Schulung im Deutschunterricht nachzuarbeiten. Falkenhagen riet den Leuten, sich bei Fragen auch an die Polizeidienststelle zu wenden. „Wir haben eine Liste von Dolmetschern, die in verschiedenen Sprachen übersetzen könnten, wenn jemand Hilfe braucht“, erklärte er. Im Gespräch soll nun weiterhin analysiert werden, welche Schwerpunkte im Schulungsprojekt erweitert werden sollen.