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Duderstadt Nach dem Krieg Heimat im Eichsfeld gesucht
Die Region Duderstadt Nach dem Krieg Heimat im Eichsfeld gesucht
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19:27 22.03.2010
Von Flüchtlingen und Rückwanderern überfüllt: Eichsfelder Zentralbahnhof Leinefelde im Jahr 1945.
Von Flüchtlingen und Rückwanderern überfüllt: Eichsfelder Zentralbahnhof Leinefelde im Jahr 1945. Quelle: EF
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Darin beschreibt der Autor Torsten W. Müller die besondere Situation von unzähligen, aus dem ehemaligen deutschen Osten in Richtung Westen wandernden Flüchtlingen und Vertriebenen. Viele von ihnen kamen ins Eichsfeld, wollten hier in der Region eine neue Heimat finden. Doch nicht immer gelang das. Wie Müller bei seinen Recherchen festgestellt hat, war das hier vorherrschende ländlich-katholische Umfeld für die so genannten Umsiedler oft nicht integrationsfördernd. Das galt zu der Zeit auch im kirchlichen Bereich, in dem zwar Hilfsprogramme aufgelegt und auch umgesetzt wurden: Dennoch blieben viele der Umsiedler ausgegrenzt, empfanden den neuen Lebensraum als kalte Heimat.

Tatsächlich bildete das durch die Siegermächte in zwei Teile geteilte Eichsfeld in der Nachkriegszeit eine Art Nadelöhr für Flüchtlinge und Vertriebenen. Sie befanden sich hier an der Schnittstelle zwischen West und Ost, also in einem politisch unruhigen, wenig gefestigten Bereich. Auch das erschwerte die Integration der Neubürger.

Im Gegensatz dazu fanden sich aber immer wieder alteingesessene Eichsfelder, die bereit waren, den Flüchtlingen zu helfen. Licht und Schatten wechselten in der gesellschaftlich und politisch wenig übersichtlichen Nachkriegszeit in schneller Folge. Die damals angestrengte Atmosphäre kann heutigen Generationen nur schwer vermittelt werden. Dennoch gingen Alltag und gesellschaftliche Entwicklung weiter, und das Problem der (von beiden Seiten) nicht immer gewünschten Integration spielt auch in der Gegenwart eine Rolle.

„Neue Heimat Eichsfeld“, von Torsten W. Müller, herausgegeben vom Verein für Eichsfeldische Heimatkunde, 208 Seiten, ISBN 978-3-936617-93-1.