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Duderstadt Neue Schaltzentrale für Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe
Die Region Duderstadt Neue Schaltzentrale für Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe
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19:08 22.04.2014
Von Kuno Mahnkopf
Ob Wasser oder Strom: EWB-Netzbetriebsleiter Bernward Schütte behält im neuen Schaltwerk den Bildschirm-Überblick über die Versorgungsleitungen. Quelle: Richter
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Duderstadt

Absehbar ist hingegen das Ende der Ära der klassischen Zähler-Ableser, die von Haus zu Haus gehen. „Falls der Kunde zustimmt, können Zählerstände zentral abgelesen werden“, sagt EWB-Netzbetriebsleiter Bernward Schütte. Größere Sonderkunden würden davon schon seit vielen Jahren Gebrauch machen.

Ein Komplett-Update des Daten-Knotenpunktes hat die EWB zuletzt zur Zeit der Wende vorgenommen. Jetzt wurden Mobiliar, Hard- und Software auf den neuesten technischen Stand gebracht. Mit dem Aufbau der ersten internen Informationsnetze hatte das Unternehmen bereits in den 1960er-Jahren begonnen.

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Die neue Schaltzentrale trägt dem digitalen Fortschritt und der Energiewende Rechnung. Die bereitet den Verantwortlichen nicht wenig Kopfzerbrechen. „Es gibt Netzprobleme ohne Ende“, berichtet Schütte: „Sie können aber mit moderner Technik und Zusammenarbeit der Netzbetreiber gelöst werden.“

Herzstück ist graphisches Informationssystem

Ein Hauptproblem sei das Einhalten der Spannungsqualität bei den variierenden Stromeinspeisungen. Durch die neue Systemstabilitätsverordnung werde das Abschalten oder Herunterfahren von Windenergie- und Photovoltaikanlagen zunehmen, meint Schütte. Für die Betreiber gebe es Ersatzvergütungen.

Problemlos könnten Biomasse-Anlagen in Stufen gedrosselt werden. Ein Herzstück des digitalen Netzwerks der EWB ist das graphische Informationssystem, das alle Betriebsmittel und Prozesse visualisiert. Wasser- und Strommengenverbrauch werden exakt angezeigt, im Millisekundenbereich rund 15 000 Informationspunkte aktualisiert.

Über die eingespeiste Strommenge hinaus sind auch deren Auswirkungen auf die Netzqualität im Niederspannungsbereich darstellbar – bis zum letzten Hausanschluss. Wenn eine Stromleitung ausfällt, ein Hydrant aufgedreht wird oder es einen Rohrbruch gibt, schlägt das System sofort automatisch Alarm.

Knoten noch nicht durchschlagen

Bevor die EWB-Mitarbeiter ausrücken, wissen sie schon, was Sache ist. Seit Einführung der digitalen Kontrolle hätten die Wasserverluste von früher bis zu 40 Prozent auf sieben Prozent reduziert werden können, berichtet Schütte. Im sensiblen Trinkwasser-Bereich läuft nichts mehr ohne eingebauten Objektschutz – vom Tiefenbrunnen bis zum Hochbehälter.

Kein Einbruch, keine Fehlhandlung bleibt unbemerkt. Wenn bei der EWB Feierabend ist, wird die Schaltwarte auf den Partner Harz Energie umgelegt. So bleibt die Überwachung rund um die Uhr gesichert. Zum Versorgungsgebiet, das die EWB-Bildschirme abbilden, gehören das Nahwärmenetz für Schulzentrum, Frei- und Hallenbad sowie das Baugebiet „Über dem Siebigsbach“ in Duderstadt, Wasser und Abwasser im Umkreis von rund 50 Kilometern im Altkreis Duderstadt, im Obereichsfeld und der Gemeinde Gleichen sowie die Stromnetze für Gerblingerode und die Kernstadt.

Ausgelegt ist das System auch für die Stromnetze der anderen Duderstädter Ortsteile. Deren Übernahme lässt aber weiter auf sich warten, obwohl die Konzessionen mit 20 Jahren Laufzeit bereits vor zweieinhalb Jahren von Eon Mitte zur EWB gewechselt haben. Inzwischen wurde Eon Mitte zur neuen EAM rekommunalisiert, der Knoten aber noch nicht durchschlagen.

„Wir haben unsere Klageschrift zur Netzübernahme in der Schublade liegen, mit Blick auf die aktuelle Entwicklung aber noch nicht eingereicht“, teilt EWB-Geschäftsführer Markus Kuhlmann mit: „Außerhalb des Klageweges wurden weitere Gespräche geführt, ein Licht am Horizont ist aber noch nicht erkennbar.“ Die Übertragung der Netze ist ein Millionenpoker, gegen den bisherigen Netzbetreiber liegen mehrere Klagen von Stadt- und Gemeindewerken vor.