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Duderstadt Mit dem Knickmeister Duderstadt erkunden
Die Region Duderstadt Mit dem Knickmeister Duderstadt erkunden
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12:09 03.09.2018
Duderstädter Warten-Wanderungen. Übergabe einer Urkunde vom Bürgermeister Nolte an den Wanderwegewart Bernhard Köhler alias „Borchardt Borchardis“ Quelle: Soeren Kracht
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Duderstadt

Führungen mit dem Nachtwächter und dem Scharfrichter, über Glaubensbilder und Architektur gibt es schon länger in Duderstadt. Mit der sogenannten Wartenwanderung kommt nun ein neues Angebot hinzu: Eine fünf Kilometer lange Wanderung, die von innerhalb der alten Stadtmauer bis hinaus zu den äußersten Wachtürmen, den sogenannten Warten, führt.

Initiiert hat das die Stadt Duderstadt gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Wegewart Bernhard Köhler. Ihn ernannte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) am Sonnabend zum sogenannten „Knickmeister“. Als „Borchardt Borchardis“ soll Köhler künftig regelmäßig Interessenten erklären, wie sich das im Mittelalter wohlhabende Duderstadt vor Feinden schützte.

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Das Vorbild, der echte Borchardis, sei um 1500 der Knickmeister in Duderstadt gewesen – eine Funktion, in der ihm die Pflege der äußersten Verteidigungsanlagen, den sogenannten Knicken und Warten, oblag, erklärt Köhler. Letztere waren ein Ring aus Verteidigungstürmen, die Duderstadt umgaben und auch die abgelegeneren Dörfer schützen sollten. Und um möglichen Feinden das Vorrücken zu erschweren, waren sie mit den Knicken verbunden.

Undurchdringliches Dornengestrüpp

Ein etwa 15 Meter breites Dornengestrüpp, dahinter eine Aufschüttung und dahinter ein Graben – Knicke waren Köhler zufolge eher rudimentäre, aber effiziente Verteidigungsanlagen. Durch regelmäßiges „Knicken“ der Äste seien unter anderem Weiden, Schlehen, Brombeersträuche und anderes Dornengestrüpp zu „undurchdringlichen Hecken“ verflochten worden. Und Knickmeistern wie Borchardis habe die Aufsicht über diese Arbeit oblegen.

Im Laufe der Nutzung der Knicke, die Köhler zufolge etwa im Jahr 1550 endete, seien diese stetig erweitert worden: Zu Hochzeiten habe etwa ein Knick von der Nesselröder Warte bis Seeburg gereicht, ein anderer schlängelte sich von Tiftlingerode über Ecklingerode bis nach Fuhrbach, so Köhler. „Davon ist heute aber nichts mehr zu sehen“, sagt Köhler. Geblieben seien lediglich die Warten, von denen aus in Fehdezeiten Wachmannschaften die Umgebung Knicke überwacht hätten.

Reichtum durch Handel

Auch von den Warten sind nicht alle erhalten. Die Sulbergwarte hingegen schon und zu dieser führt die Themenführung. Startpunkt ist das Rathaus, von wo Köhler die Gäste zunächst zu einem der alten Stadttoren geleitet – um zu erklären, warum Duderstadt im Mittelalter so wohlhabend war, dass es sich aufwendig schützen musste. „Verschiedene Handelsrouten haben sich hier getroffen“, erklärt er den Besuchern am Steintor, wo nach seinen Angaben zufolge einst Händler durchzogen, die Waren auf der alten Heer- und Frachtstraße aus Russland nach Deutschland brachten.

Von dort führt Köhler den Wall entlang Richtung Mingerode. Der zweite Verteidigungsring sei angelegt worden, als einerseits Feuerwaffen im späten Mittelalter eine Ausdehnung der Verteidigungsanlagen nötig machten. Und als andererseits der innere Ring der Stadtmauer an seine Grenzen stieß – lediglich etwa 4000 Menschen hätten innerhalb der alten Mauer Platz wohnen und leben können, so Köhler.

"Knickmeister Borchardt Borchardis" mit seiner Gruppe auf dem Weg zur Sulbergwarte. Quelle: r

Vom Wall aus geht es hinaus ins Grüne, Richtung Sulbergwarte – wo Köhler zur Stärkung auf der Wanderung eine kleine Brotzeit vorbereitet hat. Und nach Schmandkuchen, Stracke und Getränken geht es zurück in die Stadt, so dass die Teilnehmer der Themenführung nach etwa drei Stunden wieder am Rathaus ankommen.

Ein neuer Knick könnte entstehen

Köhler, der seit dem Eintritt in den Ruhestand ehrenamtlich Wegewart für die Wanderrouten um Duderstadt zuständig ist, will es mittelfristig allerdings nicht bei dieser Strecke belassen: Er und Nolte diskutieren eigenen Angaben zufolge, einen alten Knick nahe des Geländes der Sielmann-Stiftung wiederherzustellen und auch dorthin eine Führung anzubieten.

Von Christoph Höland