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Duderstadt Letztes Gefecht für Erhalt des alten Bootshauses?
Die Region Duderstadt Letztes Gefecht für Erhalt des alten Bootshauses?
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06:00 03.07.2019
Der Landkreis beharrt auf einem Abriss des alten Bootshauses. Der Abriss sei für den Winter vorgesehen. Quelle: Helge Schneemann
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Seeburg

Die unendliche Geschichte über die Abrissverfügung für das reetgedeckte alte Bootshaus am Seeburger Seeufer geht in die nächste Runde. Nachdem die Kreitagsgruppe Linke/Piraten/Partei+ im Februar ihren Antrag zur Erhaltung des Gebäudes zurückgezogen hatte, nimmt sie mit einem modifizierten Antrag einen neuen Anlauf und drängt auf die Überprüfung eines sogenannten Austauschmittels. Als Alternative zum Abriss des alten Bootshauses solle ein Sachverständiger anderweitige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ermitteln, um den Eingriff ins Naturschutzgebiet durch den Bau des neuen Seehauses zu kompensieren.

Erneut Thema im Kreistag

Über diesen Antrag befindet der Kreistag am Mittwoch, 3. Juli. Die Kreisverwaltung sieht offenbar keinen Grund, von ihrer strikten Position abzurücken, der auch SPD, CDU und Grüne gefolgt waren. Die alte Holzhütte mit Reetdach beschäftigt Behörden und Bürger, Kommunalpolitiker und Anwälte schon seit vielen Jahren. Als zuständige Dezernentin hat Christel Wemheuer (Grüne) immer wieder auf einen Abriss gedrängt. Aktuell gebe es keinen neuen Sachstand, sagt Verwaltungssprecherin Andrea Riedel-Elsner und gibt lediglich ein lapidares Statement ab: „Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Bootshaus nicht unter Denkmalschutz gestellt. Der Abriss ist für den Winter vorgesehen.“

Bürgerbegehren abgelehnt

Auch Bruno Kluge (l.) und Mario Schneemann kämpfen für den Erhalt des alten Bootshauses am Seeburger See. Quelle: Rüdiger Franke

In Seeburg und bei vielen Besuchern des Sees stößt das nach wie vor auf Unverständnis. Auch Ottobock-Chef Hans Georg Näder hat sich für eine Erhaltung des das Seeufer prägenden Gebäudes stark gemacht. In einer Online-Petition haben mehr als 1300 Unterstützer die Erhaltung des als ein Wahrzeichen des Ortes geltenden Bootshauses und Fledermausquartiers gefordert, ein vom Juristen und Seeburger Hubert Gleitze initiiertes Bürgerbegehren wurde von der Gemeinde Seeburg nach Rücksprache mit dem Landkreis als unzulässig abgelehnt: „Da es sich um kein natürliches, sondern ein von Menschenhand geschaffenes Objekt handelt, ist es unabhängig von der Zuständigkeit nicht möglich, dieses als geschützten Landschaftsbestandteil eintragen zu lassen.“ Für die Fledermäuse stellt der Landkreis ein Ersatzquartier im neuen Seehaus in Aussicht.

Umfangreicher Schriftverkehr

Rechtlich ist die Situation, die über Jahre hinweg zu umfangreichem Schriftverkehr und unterschiedlichen juristischen Interpretationen geführt hat, ebenso kompliziert wie die Zuständigkeit. Da geht es um Fragen, ob die Nichtnutzung eine Nutzungsänderung sei, oder inwiefern die naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung von 1981 für den Bau zu widerrrufen sei. Der Landkreis hat den Näder-Familienfonds, dem 2004 die Baugenehmigung für den Neubau eines Seehauses mit Infozentrum und Bootsverleih erteilt wurde, mehrfach aufgefordert, die damit verbundene Nebenbestimmung umzusetzen und das alte Bootshaus samt Steg abzureißen. Der Familienfonds ist allerdings nicht Eigentümer, sondern die Realgemeinden Seeburg und Bernshausen. Auch die sind angehört worden. Einem Abriss hat die Realgemeinde Bernshausen bedauernd zugestimmt, die Realgemeinde Seeburg nicht ausdrücklich.

Austauschmittel ins Spiel gebracht

Rechtsanwalt Hans Joachim Synofzik, der den Näder-Familienfonds vertritt, hat im vergangenen Jahr die Möglichkeit eines Austauschmittels ins Spiel gebracht, das die Gruppe nach Akteneinsicht jetzt aufgegriffen hat. „15 Jahre nach der Verfügung sollte auch berücksichtigt werden, dass der Abriss des alten Bootshauses auch ein Eingriff in den Naturhaushalt ist“, heißt es in der Antragsbegründung. Da der Landkreis eine Kompensation des Eingriffes in die Natur ohne den Abriss nicht für möglich halte, solle jetzt ein neutraler Gutachter eingeschaltet werden. Gleitze bezweifelt die Rechtsmäßigkeit der Abrissverfügung und wirft dem Landkreis vor, mit juristischen Klimmzügen das Gesicht wahren zu wollen.

Kommentar:

Abrissbirne für die See-Seele?

Die Blaualgen kommen und gehen, das alte Bootshaus steht. Voraussichtlich aber nicht mehr lange. Seit vielen Jahren drängt der Landkreis gegen alle Widerstände auf einen Abriss und beharrt rigide auf Umsetzung einer entsprechenden Verfügung, die beim Bau des neuen Seehauses vor 15 Jahren getroffen wurde. Dort kann man sich an einer Unterwasserscheibe mit weniger Sichtweite als in einer Raucherkneipe die Nase platt drücken, um den trüben Zustand des belasteten Sees zu beäugen. Mehr Natur zu sehen gibt es am alten Bootshaus, das als Insektenhotel und Fledermäusen als Sommerquartier dient. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit eine grüne Dezernentin auf Paragrafen herumreitet, um das zugegebenermaßen marode Gebäude verschwinden zu lassen. Andernorts ist Totholz erwünscht, werden Ermessensspielräume bis zum Anschlag ausgereizt. Zudem ist das Bootshaus mit seinem Ostsee-Retrocharme ein Wahrzeichen Seeburgs geworden, wird von den Seeburgern und ihren Gästen als ein Kontinuität stiftendes Stück Heimat betrachtet. Aus ähnlichen Gründen wird ja letztlich auch die Göttinger Stadthalle saniert. Und dort geht es um ganz andere Summen. Das alte Bootshaus sollte schon deshalb erhalten bleiben, weil die Menschen daran hängen. Sentimentalität? Sicher. Aber warum sollen Nostalgie und Naturschutz nicht unter ein Reetdach zu bekommen sein? Graf Isang würde sich in seinem feuchten Grab umdrehen, falls im Theater um die malerische Bretterbude jetzt der letzte Vorhang fällt.

Von Kuno Mahnkopf

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