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Duderstadt Normale Schulklassen statt Sprachlernklassen
Die Region Duderstadt Normale Schulklassen statt Sprachlernklassen
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00:32 27.04.2018
Lehrerin Eva Nottbeck im Gespräch mit Mahmoud aus Syrien.
Lehrerin Eva Nottbeck im Gespräch mit Mahmoud aus Syrien. Quelle: hö
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Duderstadt

Nicht in Sprachlernklassen, sondern in Regelklassen lernen ausländische Schüler am Duderstädter Eichsfeldgymnasium (EGD) die deutsche Sprache. Die für den zusätzlichen Förderunterricht benötigten Mittel hat das Land Niedersachsen allerdings nicht verlängert – obwohl die Schüler vom Konzept des EGD begeistert sind.

„Dieses Jahr besuche ich ganz normal den Unterricht“, erzählt Mahmoud mit einem stolzen Grinsen. Der Syrer ist vor gut zwei Jahren nach Deutschland gekommen, mittlerweile spricht er fließend Deutsch und macht fast keine Fehler. Dass er dienstags in der 3. und 4. Stunde trotzdem ausschließlich von Migranten umgeben ist, ist eine Ausnahme. Denn während seine Klasse Spanisch lernt, verbessert Mahmud gemeinsam mit anderen ausländischen Schülern seine Deutschkenntnisse.

Keine separaten ­Sprachlernklassen

„Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) nennt das EGD das Konzept, dass das möglich macht. Während an vielen Schulen separate Sprachlernklassen für Migranten eingerichtet wurden, hat das EGD 2015 einen anderen Weg gewählt: Alle ausländischen Schüler kamen in Regelklassen, der notwendige intensive Deutschunterricht wurde in Förderstunden angeboten. Die Deutschlerner verzichteten dafür je nach Leistungsniveau auf einzelne Fächer und büffelten mit ihrer DAZ-Klasse stattdessen deutsche Grammatik und Vokabeln.

Bei den Schülern kam das gut an: „Die Schule ist perfekt“, sagt Omeyr - ebenfalls aus Syrien - über das Eichsfeldgymnasium. Er macht das nicht zuletzt an Freunden fest, die er kennengelernt hat, als er in Deutschland zunächst eine Hauptschule besuchte. „Jetzt spreche ich besser Deutsch als die, obwohl die schon länger hier sind“, sagt Omeyr.

Er erklärt sich das vor allem damit, dass dort in den Klassen die Sprache der Herkunftsländer gesprochen wird. Am EGD ist das nicht möglich, denn wie Vera König, die für die Sprachlernschüler zuständige Lehrerin, schildert, ist jeweils nur ein Schüler aus einem Land in einer Regelklasse untergebracht worden. „Auch in der Pause sprechen wir kaum noch Arabisch“, sagt Mahmoud.

Fachsprache als Hürde

Während im Gespräch die Kommunikation kein Problem darstellt, hapert es allerdings noch bei den Fachbegriffen: „Ich sollte ein Referat über die Tabakrichtlinie der EU halten, aber die habe ich nicht verstanden“, schildert Mahmoud seinen Eindruck vom Juristendeutsch. Ähnliches gilt seinen Mitschülern zufolge für manche Naturwissenschaften und für komplizierte Textinterpretationen.

Trotzdem besuchen sie immer mehr reguläre Kurse. Denn das DAZ-Konzept des EGD sieht vor, dass die Schüler sukzessiv mehr am Regelunterricht teilnehmen. In der sogenannten Ankommensphase nahm der DAZ-Unterricht noch 16 Stunden ein, in der Regelklasse lernten die Sprachschüler nur Englisch, Musik, Sport, Mathmatik und Werte und Normen. Mittlerweile nehmen viele von ihnen an allen Fächern teil und haben außerdem sechs DAZ-Stunden.

EGD will das Konzept ­fortführen

„Wir setzen auf Individualisierung, eine passgenaue Eingliederung“, fasst Schulleiter Thomas Nebenführ den Ansatz des EGD zusammen. Er will das DAZ-Konzept fortführen, auch wenn die Landesschulbehörde ihm zufolge unlängst deutlich zu wenig Stunden Lehrerstunden dafür genehmigt hat. „Wir haben noch Lehrerstunden im System, wir können das leisten“, sagt Nebenführ.

Denn abseits der Lernerfolge sei die Eingliederung in die Regelklasse auch eine Maßnahme, um Zugehörigkeit zu pflegen. Das bestätigen die Schüler: Viele von ihnen berichten, oft mit ihren deutschen Mitschülern auszugehen – auch wenn es meist etwas gedauert habe, bis engere Kontakte abseits des Unterrichts zustande gekommen sei.

Von Christoph Höland

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