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Duderstadt Duderstädter feiern gemeinsam
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22:33 24.12.2017
Gemeinsam singen die Mitglieder des Helferkreises beim offenen Heiligabend im Pfarrheim. Quelle: ne
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Duderstadt

Während in der voll besetzten Basilika Familien zusammenkommen, um den nachmittäglichen Gottesdienst zu feiern, vielleicht einen Spaziergang zu machen und den Abend bei Bescherung und gutem Essen im Kreise der Liebsten zu verbringen, ist der Vorplatz des Pfarrheims um Punkt 15 Uhr bereits vollständig leer. Stammgäste des offenen Heiligabends wissen: Das Programm beginnt pünktlich und mit einem ersten Highlight bereits zu Beginn. Die Pfadfinder bringen das Licht von Bethlehem. Wie in jedem Jahr tragen sie ihre Kluft mit Tuch und Knoten und bei sich Windlichter und Kerzen, um die Flamme weiterzugeben. Für sie ist es normal, in jedem Jahr für stimmungsvolles Licht auf den Tischen zu sorgen. 

„Alle Jahre wieder“

„Alle Jahre wieder“, leitet ein in die Feier. Das passt. Für manche Gäste ist es liebgewonnene Tradition, den offenen Heiligabend zu besuchen. Und auch für das Organisationsteam ist alles wie immer: Wie die Pfadfinder haben sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Helfer entschieden, den frühen Heiligabend mit Menschen zu verbringen, die sie vielleicht nur einmal im Jahr sehen, die sie womöglich gar nicht kennen oder nur vom Sehen.

Für sie ist das normal, macht Awuah deutlich. Jeder Besucher wird persönlich begrüßt wie ein Gast der Familie, nimmt Platz an einer langen Tafel, an der Kaffee und Kuchen serviert werden, und erhält ein Liedbuch, um mit allen anderen singen zu können. Unterschiede werden nicht gemacht. Alte sitzen neben Jungen, Kranke neben Gesunden, gut gekleidete Menschen neben anderen, denen es offenbar an Möglichkeiten fehlt, sich festlich herauszuputzen. Die meisten kommen allein oder zu zweit, wenige sind mit der ganzen Familie da. Auch das ist normal beim offenen Heiligabend. Aus vielen einzelnen Menschen wird eine Gemeinschaft. 

Dabei hilft Musik. „Beim ganz normalen Weihnachten sind viele Instrumente dabei“, sagt Miryam Awuah, die wie bereits in den vergangenen Jahren durch das Programm führt. Mundharmonika, Saxophon und Trompete, Flügelhorn und Flöte, Gitarre und Klavier kommen zum Einsatz, um überwiegend traditionelle deutsche Weihnachtslieder zu Gehör zu bringen. Anfangs noch verhalten, den Blick aufs Textbuch gerichtet, später immer offener singen die Gäste mit. Bei „Leise rieselt der Schnee“, singen nahezu alle Gäste im Raum, einer laut, einer leise, manche unsicher, andere mit fester Stimme. Wie in einer Familie unter dem Baum. Auch das: ganz normal beim offenen Heiligabend. Beim munteren Liederraten, das Rolf Ackermann am Klavier begleitet, stimmen die Gäste fröhlich ein. 

Krippe, Kuchen und Kinder

Als sich alle Helfer, die gerade greifbar sind, vor dem geschmückten Baum mit de Krippe versammeln, um ein gemeinsames Lied zu singen, wird offenbar, wie viele Menschen es ganz normal finden, im Heiligabendkreis zu helfen, teils über Generationen hinweg wie bei Awuah, die mit Mutter und Kindern dabei ist. „Meine Kinder kennen es ja gar nicht anders“, sagt sie lachend. Nicht nur an Heiligabend sind die Helfer aktiv. Das Team organisiert über das ganze Jahr hinweg Spenden und Geschenke, sorgt für Tischschmuck, Baum, Kaffee, Kuchen und Kekse. Im Advent werden Geschichten ausgesucht und Gedichte gelernt, Geschenke gepackt und vieles mehr. 

Für die Helfer mag das normal sein. Selbstverständlich ist es nicht. Das macht eine Besucherin deutlich, die ein Gedicht vorträgt - dem sich ein großes Dankeschön an die Helfer anschließt.

Von Nadine Eckermann