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Duderstadt Ortsheimatpfleger Klingebiel führt durch Vergangenheit
Die Region Duderstadt Ortsheimatpfleger Klingebiel führt durch Vergangenheit
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00:17 01.06.2017
Von Claudia Nachtwey
Quelle: Nachtwey
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Immingerode

Seit der ersten urkundlichen Erwähnung Immingerodes im Jahr 1184 hat das kleine Pferdebergdorf die Auswirkungen von Kriegen und Seuchen, aber auch von blühender Wirtschaft erlebt. Davon berichtete der Ortsheimatpfleger beim Dorfrundgang, der vom Ortsrat initiiert wurde, nachdem einige Einwohner in der Immingeröder Whatsapp-Gruppe erfahren hatten, dass es mal eine Mühle gegeben haben soll.

Wo die wohl war? Klingebiel lieferte Zahlen und Fakten aus einem dicken Aktenordner – seine Sammlung, die er seit mehr als 30 Jahren als Ortsheimatpfleger zusammengetragen hat: Müller Engelhardt verkaufte 1867 die nicht mehr rentable Mühle an der Muse und wanderte aus.

Doch auch seine Nachfolger wurden damit nicht glücklich. 1895 kam es zur Zwangsversteigerung, und 1902 wurde die Mühle schließlich abgerissen. Klingebiel führte die Gruppe zum einstigen Standort – heute mitten im Wald.

Im Dorf selbst zeugten die alten Vierkanthöfe vom Reichtum der früheren Grundbesitzer. Die Grafen von Wintzingerode-Bodenstein besaßen hier ebenso ein Vorwerk wie das Kloster Teistungenburg. Im 30-jährigen Krieg fielen große Teile des Ortes der Brandschatzung zum Opfer.

Allerdings ist Immingerode im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben, unter anderem, weil im Lazarett im Ortskern (heutiger Saal von Dietmar Arend) auch amerikanische Soldaten gepflegt worden waren, die sich beim Einmarsch ihrer Truppen im April 1945 für die Immingeröder aussprachen.

Im Jahr 1682 wütete die Pest, von 28 Häusern waren nur noch 17 bewohnt. „Die Information, dass die Seuche nach einer Prozession aller noch lebenden Einwohner besiegt worden sei, geht zwar auf eine Sage zurück, aber aus Dankbarkeit errichteten die Immingeröder die Klus am Friedhof“, erzählte Klingebiel.

Er erläuterte auch, wo früher die beiden Schmieden waren, wo die Bäckerei und der Krämerladen, wo das Wirtshaus, wann die erste Feuerspritze angeschafft wurde (1863) und was die Einwohner berappen mussten, um 1898 ein neues Pfarrhaus zu bauen.

Das Fazit der Teilnehmer war durchweg positiv: „Vieles haben wir nicht gewusst“, stellten auch die gebürtigen Immingeröder fest. Und die Zugezogenen haben ein erweitertes Bild von ihrer Wahl-Heimat gewonnen.