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Duderstadt Otto Bock um 628 718,23 Euro betrogen
Die Region Duderstadt Otto Bock um 628 718,23 Euro betrogen
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18:46 12.03.2012
Von Jürgen Gückel
Stürmische Zeiten für Duderstädter Konzern: Die Betrugsfälle zu Lasten der Firma Otto Bock werden vor Gericht aufgearbeitet.
Stürmische Zeiten für Duderstädter Konzern: Die Betrugsfälle zu Lasten der Firma Otto Bock werden vor Gericht aufgearbeitet. Quelle: Blank
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Göttingen/Duderstadt

Am Montag gab es vom Göttinger Landgericht die Quittung: zwei Jahre Freiheitsentzug, allerdings noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Den Schaden muss er ausgleichen. Das Datum 13. März (2006) steht nicht nur auf der ersten Schwindel-Rechnung, es markiert auch einen Neubeginn nach mildem Urteil. Frühzeitig hatte der Maschinenbau-Ingenieur, Sohn des bereits im vergangenen Jahr zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilten Klimatechnik-Unternehmers (75) aus dem Südharz, „die Hose heruntergelassen“, wie er das formuliert. Er hatte ausgepackt, wie er und der Vater mit jeweils eigenen Firmen die verschiedenen Otto-Bock-Gesellschaften geprellt hatten, in dem sie falsche Rechnungen ausstellten, diese von einem bestochenen Mitarbeiter abgezeichnet und ausgezahlt wurden.

Auf Bestechungsgeld geeinigt

Anfangs, so der Junior, habe er dem noch auf seinen Prozess wartenden ungetreuen Prokuristen einen unbestimmten Teil der Überweisungen gegeben. Weil der aber mehr wollte, er jedoch die Einnahmen versteuern musste, habe man sich schließlich auf ein Drittel der Rechnungssummen nach Steuerabzug als Bestechungsgeld geeinigt. 28 Rechnungen seiner Firma für Lüftungs-Wartung in Größenordnungen zwischen rund 11 000 und 42 000 Euro seien dann ausgestellt worden, ohne dass dafür ein Handschlag gemacht wurde. Nur bei der ersten Rechnung stand noch eine reale Forderung dahinter. Doch der Otto-Bock-Mitarbeiter habe behauptet, man müsse diese aufteilen (auf Tochtergesellschaften). Als er mitmachte, steckte er schon drinnen im Teufelskreis, dem sein spielsüchtiger Vater schon längst verfallen war. Auch er kassierte und schmierte.

"Fass ohne Boden"

Denn sein Vater, sagt der 39-Jährige, sei „ein Fass ohne Boden“. Der habe trotz gut gehender Geschäfte beim Spielen Unmengen Geld ausgegeben. Als er schon 1995 deshalb pleite ging, habe der Sohn, obwohl er noch studierte, die Geschäfte in neuer Firma weitergeführt. Später habe ihn sein Vater beim besten Auftraggeber, Otto Bock, wieder ausgebootet. Doch obwohl er dadurch alle Wartungsaufträge für Klimaanlagen los war, forderte ihn der für die Rechnungsprüfung zuständige Prokurist auf, weiter Rechnungen zu schreiben. Die Beute habe er mit diesem teilen müssen. Teils, so der Angeklagte, habe er auf Anforderung gar nur Vorschläge gemacht, wie die Rechnungen zu formulieren sind. Dann habe der Bestochene diese selbst geschrieben.

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