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Duderstadt Reiner Otto ist Handwerkerkönig 2019
Die Region Duderstadt Reiner Otto ist Handwerkerkönig 2019
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18:41 15.07.2019
Übergeben die Ehrenscheibe an den neuen Handwerkerkönig Reiner Otto (Mitte): Schützenhauptmann Hans-Georg Kracht und Ottobock-Chef Hans Georg Näder (rechts). Quelle: Garben
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Duderstadt

Zum ersten Mal ist das traditionelle Handwerkeressen beim Schützenfest nicht in einem Festzelt ausgerichtet worden. Hans Georg Näder, Ehrenmitglied der Schützengesellschaft der Stadt Duderstadt, hatte seine Schützenbrüder am Montagvormittag in die Kunsthalle HGN am Sulberg eingeladen, wo der Ottobock-Chef einen kurzen Streifzug durch die Geschichte der Firma unternahm. Im Anschluss wurden die Sieger der Handwerkerpreisscheibe und der Handwerkerkönig proklamiert.

Gute Beteiligung

Schützenhauptmann Hans-Georg Kracht bilanzierte die ersten Tage des 717. Schützenfestes und lobte die gute Beteiligung am Umzug und den „fantastischen Kommers“. Höhepunkt sei aber die Einweihung des neuen Schießstandanbaus gewesen. „Besondere Ereignisse erfordern besondere Orte“, sagte Kracht und leitete damit zu Näder über, der im Jubiläumsjahr von Ottobock als Festredner fungierte und einen kurzweiligen Vortrag über das 100-jährige Bestehen des Unternehmens hielt. Dabei hob er besonders die Förderung des Nachwuchses hervor.

Beim Handwerkeressen sprach Hans Georg Näder über die 100-jährige Firmengeschichte von Ottobock. Quelle: Garben

Als sein Großvater Ottobock (damals noch Otto Bock) 1919 in Berlin „in kleinsten Verhältnissen“ gegründet habe, habe er sich höchstwahrscheinlich nicht erträumen können, was mittlerweile aus dem Unternehmen geworden sei. Denn in Deutschland bedürfe es verlässlicher Rahmenbedingungen, um erfolgreich zu sein. „Die gab es damals nicht“, so Näder. Aus diesem Grund sei das Unternehmen noch im gleichen Jahr nach Königssee umgesiedelt worden. Sein Vater Max Näder habe dort als junger Lehrling angefangen, während seine Mutter in der Buchhaltung mithalf. Die beiden verliebten sich. „Da wäre ich gerne mal Mäuschen gewesen“, sagte Näder lachend. Sein Großvater habe zu ihnen gesagt: „Macht was Ihr wollt, aber lernt erst mal ordentlich.“

Zweiter Weltkrieg und Neuanfang

Und so ging Max Näder an die TU (damals TH) nach Berlin. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg, und der junge Mann wurde nach Afrika geschickt. Später habe sein Vater immer gesagt, dass er dieser Tatsache sein Leben zu verdanken habe, erinnerte sich Näder.

Nachdem die Firma nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von den sowjetischen Besatzern enteignet worden war, siedelte Ottobock nach Duderstadt über und eröffnete das erste Büro gegenüber dem Rathaus. Schweine und Hühner habe die Familie in ihrem Garten gehalten. „Das war die schönste Zeit“, habe Max Näder in späteren Jahren gesagt.

Hans Georg Näder sprach viele Teilnehmer des Handwerkeressens persönlich an. Quelle: Garben

Doch dieser Neuanfang sei auch schwer gewesen, rekapitulierte Näder. Geld war keins da, aber trotzdem hätten Löhne und Lieferanten bezahlt werden müssen. Hätte man damals nicht an Ottobock geglaubt, gebe es diese Firma heute nicht, ist er überzeugt. Ein wesentlicher Teil sei dabei der Glauben an die nächste Generation gewesen, so sei er selbst mit gerade einmal 27 Jahren plötzlich Chef von 1000 Leuten gewesen. „Ich bin wirklich glücklich, dass hier so viele der nächsten Generation das Vertrauen geben, das mein Vater mir gegeben hat“, sagte Näder und sprach mehrere Unternehmer aus den Reihen der Zuhörerschaft persönlich an.

Vertrauen in Nachwuchs

Ein weiterer Eckpfeiler seien die Menschen im Eichsfeld. Er habe das Glück gehabt, „hier getragen zu werden“, sagte Näder und lobte die verlässlichen Beziehungen und guten Rahmenbedingungen. „Das Schönste, was Ihr machen könnt: Nehmt Eure Kinder in die Pflicht, gebt ihnen Vertrauen, es kann auch mal etwas schiefgehen“, appellierte er an die Zuhörer.

Zum diesjährigen Handwerkeressen hatte Hans Georg Näder die Schützen in die Kunsthalle HGN eingeladen. Quelle: Garben

Im Anschluss an Näders Rede wurden die Sieger aus dem Handwerk bekannt gegeben: Mit einem Teiler von 165,0 belegte Rolf Klein den 1. Rang beim Schießen auf die Handwerkerpreisscheibe, Handwerkerkönig mit einem Teiler von 164,9 wurde Reiner Otto.

Von Nora Garben

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