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Duderstadt Ottobock in Duderstadt leistet sich eigene Feuerwehr
Die Region Duderstadt Ottobock in Duderstadt leistet sich eigene Feuerwehr
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20:46 23.10.2013
„Fläche für die Feuerwehr“: Ottobock-Mitarbeiter Dirk Maiwald, Sascha Grebestein und Mario Otto (v. l.) sind auch in der Werkfeuerwehr aktiv – während der Arbeitszeit. Quelle: Schauenberg
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Duderstadt

In Duderstadt leistet sich Ottobock seit 1985 eine eigene Feuerwehrabteilung. 2006 wurde aus der „Betriebsfeuerwehr“ eine „anerkannte nebenberufliche Werkfeuerwehr“, die mittlerweile 45 Einsatzkräfte zählt.Der Unterschied: „Mit der Anerkennung unterliegen die Werkfeuerwehren der Überwachung der Polizeidirektionen, die diese auch, zum Beispiel durch unangekündigte Alarmübungen, wahrnehmen“, heißt es aus der Polizeidirektion (PD) Göttingen.

Anforderungen an Personal, Ausrüstung, Ausbildung und Einsatzbereitschaft müssen erfüllt sein, bevor die Anerkennung erfolgt. In dem Gebiet, das sich vom Landkreis Nienburg über Hildesheim und Hameln-Pyrmont bis zu den Landkreisen Osterode, Göttingen und Northeim erstreckt,  gibt es nach Polizeiangaben nur 30 Werkfeuerwehren.

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„Die Ertragsentwicklung ermöglicht die Investition“

Dazu verpflichtet, eine Feuerwehrabteilung zu stellen, war Ottobock – anders als Unternehmen mit erhöhtem Gefahrenrisiko – nicht. „Die Ertragsentwicklung ermöglicht aber zum Glück die Investition“, sagt Karsten Ley, Leiter der Unternehmenskommunikation. Er spricht von „betriebswirtschaftlichen Überlegungen“ und sagt: Sollte ein Feuer ausbrechen, könne der Schaden gering gehalten werden, wenn man vor Ort über ausgebildete Einsatzkräfte verfügt.

Ley meint dabei den wirtschaftlichen Schaden, spricht von „Zerstörung und Arbeitszeitausfall“ – Kosten, die im Unglücksfall anfallen und die Ottobock gerne reduzieren will. Durch die Präsenz der Werkfeuerwehr würden sich aber auch andere „sicherer fühlen“.

Zuletzt alarmiert wurde die Werkfeuerwehr tatsächlich von anderen. Im September 2012 wandte man sich an sie wegen eines Wohnungsbrandes in der Göttinger Straße und im Februar 2012 wegen eines Scheunenbrandes in Werxhausen. In beiden Fällen wurde eine beziehungsweise eine zusätzliche Drehleiter benötigt. Außer der Duderstädter Feuerwehr besitzt in der Region niemand eine – nur Ottobock.

Neuer Einsatzwagen für fast 800 000 Euro

Zwischen 550 000 und 600 000 Euro koste eine neue Drehleiter, sagt der Leiter der Werkfeuerwehr, Michael Bonse. 2012 hat das Unternehmen auch einen neuen Einsatzwagen gekauft. Kostenpunkt: laut Bonse mit Ausstattung fast 800 000 Euro. Über vier Wagen und die (pro Person rund 1500 Euro teure) Ausrüstung für die Einsatzkräfte verfügt die Werkfeuerwehr mittlerweile.

Mindestens 40 Stunden im Jahr muss das Unternehmen  seine Feuerwehrleute ausbilden. Ottobocks Stundenzahl ist laut Bonse aber höher. Dabei kann das Unternehmen, das am Duderstädter Standort rund 1600 Mitarbeiter beschäftigt, auf Leute mit Erfahrung zurückgreifen. Fast alle Einsatzkräfte seien auch in den örtlichen Freiwilligen Feuerwehren aktiv, sagt Bonse. Jemanden ganz ohne Vorkenntnisse habe er noch nie in der Gruppe gehabt.

„Die Älteren gehen eher von alleine“

Das Training findet während der Arbeitszeit statt. Frauen sind nicht unter den Einsatzkräften, was der 52-Jährige auf mangelndes Interesse zurückführt. Erst ein Mal seit dem Bestehen habe sich eine Frau nach einer möglichen Aufnahme erkundigt, habe aber abgelehnt werden müssen, weil sie sich noch in der Ausbildung befand. Azubis, so Bonse, nehme man bei Ottobock generell nicht in die Werkfeuerwehr auf. „Die Berufsausbildung geht vor.“ Die Frau habe sich dann danach nicht mehr gemeldet.

Mittlerweile ist die Obergrenze bei den Mitgliedern laut Bonse eigentlich erreicht. Der Altersdurchschnitt im Männerclub der Werkfeuerwehr liegt  nach Angaben des Leiters bei 40 Jahren. Ältere Einsatzkräfte gegen jüngere oder fittere Interessenten auszutauschen, komme aber nicht infrage, sagt Bonse. Er meint: „Die Älteren gehen eher von alleine.“

Von Telse Wenzel