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Duderstadt Pape legt Mandat nieder
Die Region Duderstadt Pape legt Mandat nieder
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18:26 07.01.2011
Vollendete Tatsachen geschaffen: Die Gemeinde hat die alten Bäume an der Friedhofskapelle im Seestieg fällen lassen.
Vollendete Tatsachen geschaffen: Die Gemeinde hat die alten Bäume an der Friedhofskapelle im Seestieg fällen lassen. Quelle: Pförtner
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Um gegen den Mehrheitsbeschluss des Rates zu intervenieren, hatten Pape und der Duderstädter Grünen-Politiker Hans Georg Schwedhelm beim Landkreis Göttingen beantragt, die aus ihrer Sicht ortsbildprägende Baumgruppe als Naturdenkmal auszuweisen. Zugleich boten sie der Gemeinde an, einen durch Wurzeln beschädigten Friedhofszaunpfosten zu versetzen und die Dachrinne der Friedhofskapelle jährlich vom Laub zu befreien. Bevor der Antrag geprüft werden konnte, hat die Gemeinde jetzt vollendete Tatsachen geschaffen.
Das bedauert auch Kreisumweltdezernentin Christel Wemheuer (Grüne). Die Gemeinde könne sich zwar letztlich über die Bedenken der Naturschutzbehörde hinwegsetzen. Sie habe aber erwartet, dass man sich noch einmal mit der Stellungnahme des Kreises auseinandergesetzt und den Kontakt zur Behörde gesucht hätte.

Das Thema wurde bereits vor drei Jahren im Rat diskutiert. Damals wurde die Beseitigung der Bäume mehrheitlich abgelehnt. Die jetzt erfolgte Fällaktion wurde von der SPD beantragt, die damals noch geschlossen dagegen gestimmt hatte.
„Wir sind weiterhin der Meinung, dass die Beeinträchtigungen durch die gesunden Bäume ihrem Wert nicht entgegenstanden“, kritisiert Wemheuer die Fällaktion. Zugleich räumt sie ein, dass die Stellungnahme des Kreises nicht bindend sei. Laut Naturschutzgesetz müsse nur das Benehmen mit der Behörde hergestellt, nicht aber Einvernehmen erzielt werden.

Wemheuer will den Birken-Fall zum Anlass nehmen, allen Gemeinden im Kreis noch einmal die Rechtssituation zu erläutern und auf bislang wenig genutzte Möglichkeiten wie eine Baumschutzsatzung als Selbstverpflichtung hinzuweisen. Der Landkreis werde immer wieder in örtliche Auseinandersetzungen hineingezogen, habe aber kein scharfes Schwert, um Einfluss zu nehmen.

Seeburgs Bürgermeister Harald Finke (CDU) verteidigt die Baumfällung. Nach dem Ratsvotum sei ein reguläres Verfahren in Gang gesetzt worden, die Birken mit Bauhof-Unterstützung durch einen Privatmann, der das Holz bekommt, kostenneutral beseitigt worden. Dabei habe sich gezeigt, dass mindestens einer der Bäume nicht gesund gewesen sei. Die Birken hätten den Zaun beschädigt und einer Neukonzeption für den Friedhof im Wege gestanden.

Bereits seit Jahren liege ein Konzept mit Zaunerneuerung und Neuanpflanzungen vor, bestätigt Wolfgang Wucherpfennig (SPD) als Bürgermeister der für den Friedhof zuständigen Samtgemeinde Radolfshausen. Eine Baumschutzsatzung, aus der einzelne Bäume befreit werden könnten, sei für die waldreiche Samtgemeinde unnötig. Sie würde für alle Bäume gelten und vor allem Privatleute treffen, sei mit bürokratischem Aufwand und viel Ärger verbunden. „Zu 99 Prozent gehen die Bürger vernünftig mit Bäumen auf ihren Grundstücken um“, betont Wucherpfennig. Und bei der Beseitigung prägender Bäume auf Gemeindegrund müsste weiterhin Benehmen mit dem Kreis hergestellt werden.