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Duderstadt Partnerschaft mit Ungarn liegt in Gieboldehausen auf Eis
Die Region Duderstadt Partnerschaft mit Ungarn liegt in Gieboldehausen auf Eis
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19:00 12.11.2019
Ein Bild aus der Vergangenheit: Jugendliche aus Gardony gießen den Partnerschaftsbaum im Gieboldehäuser Schlosspark. Quelle: Swen Pförtner
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Gieboldehausen

Die Partnerschaft zwischen Gieboldehausen und Gárdony steht auf tönernen Füßen. Der Schüleraustausch mit Ungarn ist eingeschlafen, seit vier Jahren ist kein Kommunalpolitiker aus dem Flecken mehr in Gárdony gewesen. Mit dem Thema befassen sich jetzt die Gremien der Gemeinde - zunächst der Kulturausschuss, der am 14. November ab 18 Uhr im Schloss tagt.

Kein Interesse gezeigt

Im kommenden Jahr sei wieder von einer Einladung nach Gárdony zum Kulturfest mit deren Partnerstädten auszugehen, sagt Bürgermeisterin Maria Bock (CDU). Die Teilnehmer hätten freie Unterkunft. Dennoch hätten sich in den vergangenen drei Jahren aus verschiedensten Gründen weder Ratsmitglieder noch andere Gieboldehäuser gefunden, die nach Ungarn reisen konnten, heißt es in ihrer Vorlage ohne Beschlussvorschlag. Auch an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) bestehe kein Interesse an einem Schüleraustausch.

Die Fraktionen hat Bock, die ebenfalls noch nicht in Gárdony war, zu Vorschlägen aufgefordert. Zu prüfen wäre auch, ob man Geld aus dem Dorfbudget 2020 einsetzen könne, um zum Beispiel Bus-Fahrkosten zu finanzieren. „Die Partnerschaft ist nicht weiter gewachsen, zu wenige stehen dahinter, der Zeitaufwand ist hoch“, sagt Bock und ist selbst hin- und hergerissen. Einerseits sei es sehr schwierig, die Partnerschaft fortzuführen, andererseits wäre es schade, den Kontakt ganz aufzugeben.

Kommunale Partnerschaften stehen und fallen mit den Menschen, die sie tragen. Auch politische Verhältnisse spielen dabei eine Rolle. Und die haben sich in Ungarn stark verändert, seit die Partnerschaft bei der 1000-Jahr-Feier Gieboldehausens 2003 mit viel Enthusiasmus auf den Weg gebracht und drei Jahre später ratifiziert wurde. Der Vorschlag sei vom Landkreis Göttingen gekommen, der im Zuge seiner Partnerschaft mit dem Komitat (Bezirk) Fejer auch Partnerschaften mit Dransfeld und Ebergötzen initiiert habe, sagt Gieboldehausens damaliger Bürgermeister Norbert Leineweber (CDU).

Es habe mehrfach Besuche und Gegenbesuche sowie einen regen Schüleraustausch noch mit der Realschule gegeben, der von der KGS in jüngster Vergangenheit nicht weiterverfolgt worden sei. Leineweber bedauert die Entwicklung, zumal in Gárdony Deutsch als erste Fremdsprache gelehrt werde. „Das mangelnde Interesse an der Partnerschaft ist bitter, aber auch der Politik geschuldet“, sagt Leineweber, frustiert über die enge Verbindung der derzeit politisch Verantwortlichen in Gárdony zur Fidesz-Partei und Viktor Orban.

Politischer Wandel in Ungarn

Der nationalistische Wandel sei schon bei ihrem Besuch in Gárdony vor vier Jahren zu spüren gewesen, aber nie thematisiert worden, bestätigt Ex-Ratsmitglied Katharina Haase (CDU). Auch die damalige KGS-Konrektorin ist vor vier Jahren mitgefahren. Seitdem herrscht wieder Funkstille.

In der Vergangenheit sei es nicht immer einfach gewesen, Gasteltern in Gieboldehausen zu finden, berichtet Haase und bedauert das Einschlafen der Partnerschaft. Sie habe sehr positive Erinnerungen an den Schüleraustausch, einmal gleich vier Schüler auf einen Schlag aufgenommen. Zugleich zeigt sie Verständnis für Kapazitätsgrenzen an der KGS, deren Schulleitung am Dienstag nicht erreichbar war. Gerade wegen der politischen Situation sei ein Austausch wichtig und könne Nationalismus entgegenwirken, meint Haase.

Das meint auch Leineweber. Es sei wünschenswert, den Faden wieder aufzunehmen. Gárdony sei von der Größe her mit Gieboldehausen vergleichbar, pflege Partnerschaften zu mehr als einem halben Dutzend Kommunen. Die Möglichkeit zur Begegnung und zum Austausch sei unter den aktuellen Vorzeichen notwendiger denn je.

Chronologie der Partnerschaft

2003: Besuch von Gárdonys damaligem Bürgermeister S. Nodz bei der 1000-Jahr-Feier Gieboldehausens

2004: Reise von Ratsmitgliedern, Realschullehrerinnen und Interessierten nach Gárdony

2005: Besuch einer kleinen Delegation in Gieboldehausen

2006: Reise nach Gárdony zur Rafizierung der Partnerschaft

2007: Partnerschaftsfestakt im Schloss, Festessen im Niedersachsenhof, Gedenkstein im Park gesetzt

2008 bis 2010: Vier Besuche ungarischer Schüler, zwei Reisen mit Schulklassen der Realschule, Knüpfen privater Kontakte und Besuch des Gesangvereins mit Liederabend im Niedersachsenhof

2011: Vorbereiteter Besuch des Fußballvereins Gárdony kommt nicht zum Tragen

2014: Einladung zum EU-Workshop am 1. Mai in Gárdony, keine Reise

2015: Nach mehrjähriger Pause folgt eine vierköpfige Delegation aus Gieboldehausen der Einladung nach Gárdony, nimmt dort an einer Konferenz über „Religionsfreiheit und Toleranz in den EU-Partnerstädten“ teil – der vorerst letzte Kontakt.

Von Kuno Mahnkopf

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