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Duderstadt Ein Pfarrer und eine Mauer spielen beim Pfarrfest in Immingerode die Hauptrollen
Die Region Duderstadt Ein Pfarrer und eine Mauer spielen beim Pfarrfest in Immingerode die Hauptrollen
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17:54 23.08.2019
Eine Urkunde und die neue Kirchenmauer stehen beim Pfarrfest in Immingerode im Mittelpunkt. Quelle: vw
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Immingerode

Marie-Theres Rathswohl aus Immingerode erinnert sich ganz genau. „Als ich ein kleines Mädchen war, da war in der Kirche ein Rahmen auf der Erde, und da war ein Kreuz drauf“, erzählt die Vorsitzende des Kirchengemeinderates. Doch inzwischen ist nichts mehr davon zu sehen. Umfangreiche Renovierungsarbeiten in den 60-er Jahren löschten die Vergangenheit aus. Nicht aber die Gedanken im Kopf der Immingeröderin, die sich in ihrer Freizeit schon immer gern mit Ahnenforschung beschäftigt hat.

Recherchen ergaben, dass der Erbauer der Kirche, Hermannus Cassel, der um 1672 geboren wurde, dort auch 45 Jahre als Pfarrer tätig war. Im Alter von 70 Jahren ist er auf der Epistelseite (rechts im Altarraum) beigesetzt worden. Diese Daten sind auch auf der Urkunde zu lesen, die die Immingeröder anlässlich einer Festmesse im Rahmen des Pfarrfestes am Sonntag, 25. August, im Vorraum der Kirche aufhängen werden. „Es ist das Vorrecht des Erbauers, in der Kirche beerdigt zu werden“, erzählt Rathswohl.

Marie-Theres Rathswohl. Quelle: vw

Auszug aus Sterberegister

Um an die Informationen zu gelangen, setzte sie alle Hebel in Bewegung, ließ sich den Auszug aus dem Sterberegister von Leo Engelhardt, einem gebürtigen Nesselröder, übersetzen. Der inzwischen pensionierte Oberstudienrat für Latein und Sport lebt in Nordhorn, unterstützte die Eichsfelder aber gern. „Es war uns einfach wichtig, kenntlich zu machen, wo der Erbauer unserer Kirche beerdigt ist“, erläutert die Vorsitzende des Kirchengemeinderates.

Rita Häger. Quelle: vw

Eine Mitstreiterin fand Rathswohl auch in Rita Häger, die sich in allen katholischen Kirchenbüchern im Bistum Hildesheim fast wie in ihrer Westentasche auskennt. „Es ist ein Hobby von mir. Ich beschäftige mich mit Priestern sowohl im Unter- als auch im Obereichsfeld“, berichtet die inzwischen in Tiftlingerode lebende, aber aus Seulingen stammende Häger. „Mein Bruder ist Pfarrer. Daher kommt wahrscheinlich das Interesse.“ Sie beschäftigt sich sehr intensiv mit der Familienforschung, hat unzählige Bücher „und 72 000 Personen in der Datei“. Dazu kommen 500 bis 600 Bildern, die sie von Pfarrern gesammelt hat. Ganz nebenbei hat sie sich auch noch beigebracht, alte deutsche Schrift zu lesen, kommuniziert über die sozialen Netzwerke mit Familienforschern aus ganz Deutschland. Und einen „Lieblingspfarrer“ hat sie auch. Der ist ihr allerdings nicht durch besondere Taten in Erinnerung geblieben, sondern durch seinen Namen. „Er heißt Johannes Georg Bitterböse“, erzählt sie und lacht dabei.

Pfarrfest beginnt mit einer Festmesse

Pfarrfeste hat die Gemeinde St. Johannes Baptist Immingerode schon einige gefeiert. Doch das am Sonntag, 25. August, wird ein ganz spezielles werden. Denn in einer Festmesse, die um 10.30 Uhr gehalten wird, wird dem Erbauer und ehemaligen Pfarrer der Kirche, Hermannus Cassel, eine ganz besondere Ehre zuteil werden. Eine Urkunde, die im Vorraum der Kirche angebracht werden wird, soll an ihn erinnert werden. Darüber hinaus wird auch die im vergangenen Jahr fertig gestellte neue Kirchenmauer eingeweiht. Im Anschluss an den Gottesdienst geht es zur Feier auf die Pfarrwiese. Zur Mittagszeit werden deftige Speisen angeboten, am Nachmittag lockt ein großes Kuchenbuffet. Auf die jüngeren Gemeindemitglieder wartet eine Hüpfburg, viele Spiele, kostenloses Schminken und Tattoos. Für die musikalische Unterhaltung sorgt DJ Walter.

Aufwendige Restaurierung

Gut lachen haben die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist auch, seitdem die Kirchenmauer sehr aufwendig restauriert worden ist. Die Maßnahmen wurden bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen, doch jetzt soll das Schmuckstück entsprechend gewürdigt werden.

Knapp 176 000 Euro hat die Sanierung gekostet. „Die Endvermessung der Grenze ist noch nicht mit eingerechnet“, berichtet Kirchenvorsteher Manfred Braun. 53,60 Meter ist die Sandsteinmauer lang. „Sie stand unter Denkmalschutz, sodass es zahlreiche Auflagen zu beachten gab“, sagt Braun. So musste beispielsweise die gleiche Form und das gleiche Material verwendet werden. Stein für Stein wurde die alte Mauer abgetragen, markiert und fotografiert, um am Ende „das Puzzle“ wieder zusammenfügen zu können. Eine rückwärtige Stützmauer wurde eingesetzt, um für den entsprechenden Halt zu sorgen.

Massen bewegt

Mit knapp 70 000 Euro hat sich das Amt für regionale Landesentwicklung an dem Projekt beteiligt, knapp 65 000 Euro hat die eigene Kirchengemeinde zugesteuert, 41 000 Euro das Bistum Hildesheim. „Es sind unglaubliche Massen bewegt worden, denn die abgetragenen Steine mussten ja auch eingelagert werden“, erklärt Braun abschließend. Er und seine Mitstreiter sind mit dem Ergebnis auf jeden Fall hochzufrieden.

Erbauer finden in ihrer Kirche die letzte Ruhestätte

In insgesamt neun Kirchen im Ober- und im Untereichsfeld sind Priester beziehungsweise Erbauer in ihrer Kirche auch begraben worden.

Duderstadt, St. Cyriakus: Philippp Eibest (1739-1795) in der Mitte des Chores/Johannes Heinrich Ohaus (1688-1738) vor der Sakristei-Tür.

Duderstadt, Ursulinen-Kirche: Jesuit Georg Degenhardt (1726-1787) im Chor.

Desingerode: Christian Krebs (1707-1782). Er ist Erbauer der Kirche, hat auch die Kirche in Werxhausen und die Kapelle in Esplingerode gebaut.

Seulingen: Johann Conrad Günther (1644-1700) – Erbauer der Kirche.

Nesselröden: Johannes Conradi (ca. 1660 –1728) im Chor begraben. –Erbauer der Kirche.

Wollbrandshausen: Christoph Bein (ca. 1686 –1747) vor dem Hochaltar. – Erbauer der Kirche.

Seeburg: Franz Philipp Lehne (1747-1807). – Erbauer der Kirche.

Breitenworbis: Johann Heinrich Träger (+1733) in der Nähe der Sakristei/Johann Christian Gassmann (1698-1772) im Chor / Franz Christina Vogt (1725 –1773)/Nicolaus Kaufhold (1728-1794) im Chor.

Heuthen: Christian Rink (1702-1757) –Erbauer der Kirche.

Von Vicki Schwarze

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